US-Politiker fürchten Blogs und Webvideos

Vergangenes Wochenende fand ein Blogger-Gipfel statt, der für Aufsehen
sorgte. In Chicago trafen sich die Vertreter der liberalen
US-amerikanischen Politik-Blogs DailyKos und Bloggerpower.com zum zweiten Mal auf ihrem jährlichen Kongress Yearlykos.
Bemerkenswert war: Der Einladung folgten sieben der acht
Präsidentschaftsbewerber aus dem demokratischen Lager, darunter die
drei Spitzenreiter Hillary Clinton, Barack Obama und John Edwards. Die
bloggende Gemeinde, am Wochenende mit 1500 Besuchern vor Ort, wird
ernst genommen.

"Auch wenn wir immer noch das meiste Geld für Werbung im Fernsehen
und Radio investieren, so wird das Internet immer wichtiger." Die Worte
stammen aus dem Mund von Alex Burgos, einer der Pressesprecher von Mitt
Romney, dem Gouverneur von Massachussetts. Die Worte klingen noch
zurückhaltend, drücken aber den steigenden Respekt der
US-Polit-Prominenz vor den neuen Medien aus. Längst vorbei ist die
Zeit, in der US-Parteien und Kandidaten nur in den herkömmlichen
Massenmedien auf Wählerfang gehen. Der konservative
Präsidentschaftskandidat Romney verfügt nicht nur, wie viele Politiker,
über ein eigenes Profil
beim Onlineforum MySpace, sondern hat sich außerdem eigens bei einem
der bestvernetzten Blogger der konservativen Seite in den USA
eingekauft, um neue Wähler zu gewinnen. Zudem richtete jeder seiner
fünf Söhne einen Blog ein, um der Internet-Gemeinde digital beizubringen, warum Papa Präsident werden soll.

Barack Obama veröffentlicht auf seiner Website
nicht nur sein Programm. Er sammelt online fleißig Wahlkampfspenden und
verlinkt die Blogs seiner Fans, die sich austauschen, Freunde finden
oder Videos verschicken können.

Bloß nicht bei den einflussreichen Bloggern des Landes in Ungnade
fallen! So lautet die Devise der Kandidaten für das Weiße Haus.

Ein trauriges Lied davon singen können einige: Hillary Clinton sogar
wortwörtlich. Die Präsidentschaftsanwärterin wurde beim unvorteilhaften
Schmettern der Nationalhymne gefilmt. Das Video machte anschließend auf der Videoplattform YouTube ebenso die Runde wie ein von Bloggern geschnittenes Filmchen, in dem die Demokratin als alles überwachender Big Brother in Szene gesetzt wurde.

Zweifelhafte Web-Berühmtheit erlangte auch Virginias Senator George
Allen. Auf einer Wahlkampfveranstaltung beleidigte Allen einen Mann
indischer Abstammung mehrfach als „Macaca“, ein­ rassistischer Ausdruck
für Menschen mit dunkler Hautfarbe. Pech für den Senator: Der Mann
arbeitete für Gegenkandidat Jim Webb und hielt mit der Kamera drauf. Das Beweisvideo
mit den Beschimpfungen Allens landete auf You Tube und hielt sich
innerhalb der Blogger-Gemeinde so lange, dass es George Allen die
sicher geglaubte Wiederwahl kostete.

Der linken Blogger-Community, die sich unter dem Begriff „Netroots“
organisiert, gelang es, eine geplante Debatte der demokratischen
Präsidentschaftskandidaten mit dem konservativen Fernsehsender Fox-News
zu stoppen, indem sie den demokratischen Parteichef in Nevada mit
E-Mails bombardierten.

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