Unterwegs ins Web 2.0: Strategiepapier des BMBF

E-Learning-Initiativen an Hochschulen wurden in der Vergangenheit maßgeblich durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms „Neue Medien in der Bildung“ gefördert – den UMTS-Lizenzen sei es gedankt… Die Föderalismusreform hat diesen Aktivitäten die Rechtsgrundlage entzogen. Projekte aus der 2004 gestarteten Förderlinie „E-Learning Integration“ werden seit Anfang 2007 in Verantwortung der Länder weitergeführt, die hierfür Kompensationsmittel erhalten. Anstatt den neuen Medien nun gezwungenermaßen die kalte Schulter zu zeigen, erkundet das BMBF unerforschtes Terrain und befasst sich mit dem Trend-Thema Web 2.0.
Um potentielle Fördermaßnahmen zu eruieren, wurde eine Expertenkommission einberufen, deren Bericht mit dem Titel „Web 2.0: Strategievorschläge zur Stärkung von Bildung und Innovation in Deutschland“ (PDF) letzte Woche Mittwoch in Bonn vorgestellt wurde. Rund 50 Personen hatten sich versammelt, um die von der Kommission skizzierten Ideen für ein mögliches Förderprogramm zu diskutieren. Der bunte Haufen der eingeladenen Gäste beinhaltete Nachwuchswissenschaftler ebenso wie etablierte Forscher/innen, Mitarbeiter/innen von E-Learning-Service-Diensten, Wirtschaftsvertreter, Blogger, Online-Journalisten sowie Vertreter von Verbänden und Initiativen wie zum Beispiel wikimedia Deutschland. Die breite Konsultation resultierte in reduziertem Komfort. Sitzplätze für alle gab es nur in einem fensterlosen Raum im Untergeschoss des Bonner Ministeriums. Trotz der tristen Räumlichkeit entspann sich bald eine lebhafte Diskussion. Sollen Förderprojekte immer auch Forschungs- und Entwicklungsanteile beinhalten oder sollten beide Bereiche getrennt betrachtet werden? Geht es nur um neue Web 2.0 Anwendungen? Werden bestehende Communities am Ende durch die Förderprojekte an den Rand gedrängt? Was ist aus Nutzersicht wünschenswert? Wie können neue Zielgruppen angesprochen werden? Eine kritische Auseinandersetzung mit der Forderung „Deutschland braucht eigene wettbewerbsfähige Web 2.0-Anwendungen“ findet sich im bamblog.
Ob und in welcher Form eine Förderinitiative Web 2.0 durch das BMBF ausgeschrieben wird, bleibt abzuwarten. Hier werden auch innerhalb des Ministeriums noch einige Diskussionen geführt werden. Ministerialrat Dr. Andreas Vogel kündigte weitere Aktivitäten für Herbst 2007 an.

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