“Unterstützer sollen zu Multiplikatoren werden”

Mit "Team Beckstein 08" stellte die Junge Union Bayern zum Landtagswahlkampf eine verspielte Seite ins Netz, auf der sich User Avatare, virtuelle Persönlichkeiten, basteln konnten. Hinter der Seite steht Bernhard Kuttenhofer. politik-digital.de-Mitarbeiter Patrick Brauckmann fragte ihn zu seiner Motivation zum Projekt und den Erfolg, den die CSU sich davon verspricht.

Patrick Brauckmann: Herr Kuttenhofer, mit der Webseite "Team Beckstein" haben Sie eine Unterstützerseite für 
den Wahlkampf der CSU um den Spitzenkandidaten Günther Beckstein ins 
Leben gerufen. Wie ist die Idee entstanden?

Bernhard Kuttenhofer: 
Das Konzept beruht auf den Vorstellungen, die wir als Verband hatten, nämlich einerseits Unterstützern die Möglichkeit zu bieten, bei uns mitzumachen, und andererseits unseren Ortsverbänden, sich und ihre Aktionen vorzustellen, also etwas Interaktives zu machen. Umgesetzt hat das Ganze dann eine Agentur, die auf Communities spezialisiert ist.

Patrick Brauckmann: Wie ist das "Team Beckstein" konzeptioniert und an wen richtet es sich 
vorrangig?

Bernhard Kuttenhofer: 
Wir haben zwei Zielgruppen: Erstens Unterstützer, die nicht Parteimitglied sein müssen, aber etwas für Günther Beckstein tun wollen. Sie können sich im Internet mit einen Unterstützerspruch verewigen, einen Avatar basteln und werden so Teil der Kampagne. Zweitens sind es unsere aktiven Ortsverbände, von denen wir in ganz Bayern über 1000 haben. Sie sollen die Möglichkeit haben, ihre Aktionen zentral zu bewerben und Bilder davon hochzuladen. Das motiviert, weil sie so auch direkt Teil der Gesamtkampagne werden.

Patrick Brauckmann: Wie sind die Zugriffszahlen und wie viele lokale Unterstützer und 
Gruppen gibt es?

Bernhard Kuttenhofer: 
Wir haben derzeit über 2000 registrierte Unterstützer mit Avatar oder eigenem Bild und eigenem Unterstützerspruch. Die Ortsverbände haben derzeit über 400 Termine und Wahlkampfveranstaltungen selbstständig hochgeladen und es werden täglich mehr.

Patrick Brauckmann: Organisieren sich diese Gruppen vor Ort auch über die 
Team-Beckstein-Plattform? Haben Sie die Plattform als zentrales 
Element in ihre Kampagne eingebunden?

Bernhard Kuttenhofer: 
Die Kerntruppe für die Teams vor Ort sind unsere aktiven Ortsverbände, die damit bereits eine schlagkräftige Truppe sind. Die Unterstützer sind die Ergänzung, die dann zu Terminen vor Ort geladen werden können. Das erfolgt aber durch Direktansprache durch unsere lokalen Verbände vor Ort und nicht durch uns zentral. Mobilisierungswahlkampf sollte weitgehend dezentral ablaufen.

Patrick Brauckmann: Einzelne Unterstützer können sich Avatare anlegen, wobei die Auswahl ein wenig eingeschränkt ist (bspw. Anzughose, Fußballtrickot und 
Hirschgeweih zu kombinieren ist ein wenig ungewöhnlich, nicht?). Gibt 
es einen Hintergedanken bei den Möglichkeiten sich einen Avatar 
erstellen zu können?

Bernhard Kuttenhofer: 
Es soll witzig sein. Andererseits aber auch Vielseitigkeit demonstrieren. Insgesamt sollte man die Repräsentanz von bestimmten Avatarmöglichkeiten aber nicht politisch überbewerten. Der Hirschkopf ist übrigens Teil des „Wolpertingers“, einem bekannten bayerischen Fabelwesen.

Patrick Brauckmann: Glauben Sie, dass Ihre Plattform zum Erfolg von Günther Beckstein 
beiträgt, also werden die Online-Unterstützer auch an der Urne 
entsprechend stimmen?

Bernhard Kuttenhofer: 
Ganz bestimmt. Es geht aber weniger darüber, dass wir damit direkt mehr Wählerstimmen bekommen. Die Unterstützer sollen vielmehr zu Multiplikatoren werden und motiviert werden, im Wahlkampf aktiv vor Ort mitzumachen.

Patrick Brauckmann: Wie viel Anleihen haben Sie bei der Konzeption der Team-Beckstein-Seite am US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf genommen?

Bernhard Kuttenhofer: 
Wenig Konkretes. Der Teil, in dem Verbände ihre Termine und Bilder hochladen können, ist aus den USA nicht übertragbar, da es dort keine vergleichbare aktive Parteistruktur mit Orts- und Kreisverbänden gibt. Die Möglichkeit, einen Unterstützertext und einen Avatar zu generieren, habe ich auf keiner amerikanischen Website bisher gesehen. Inspiriert worden sind wir aber sicher bei dem Vorhaben, eine Seite zu bieten, die die Identifikation unserer Verbände vor Ort und potenzieller Unterstützer mit dem Wahlkampf erhöht und damit die Mobilisierung. Wir versuchen dies durch Interaktivität, durch Erhöhen des Wiedererkennungswerts. Also: Inspiration ja, aber die konkreten Elemente müssen anders sein: Wahlsystem und politische Kultur sind zu verschieden zwischen Deutschland und den USA.

Patrick Brauckmann: Danke für das Interview.

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