Überrollt die Bahn den Kartenfuchs?


Mit Verspätungen, undurchschaubaren Tarifstrukturen und Zahlen im Minus machte die Bahn nicht nur in
letzter Zeit negative Schlagzeilen. Bahnchef Hartmut Mehdorn befürwortete sogar vor kurzem,
20-25 Prozent der Deutschen Bahn AG an ausländische Investoren zu verkaufen.

Doch nicht nur
derartig radikale Maßnahmen schlagen Verantwortliche vor, um das Missmanagement der
Deutschen Bahn auszugleichen. Seit heute hat die Bahn ihr Internet Angebot Surf & Rail
ausgeweitet, und während die AG ihre eigene digitale Präsenz aufrüstet, verbietet sie einer
virtuellen Bahnmitfahrzentrale den Zugriff.

Denn wer alleine fährt, jedoch trotzdem sparen will, dem bietet sich neben den Programmen der
Bahn
Surf & Rail
und Bahncard auch die kostenlose Möglichkeit sich einer Reisegruppe anzuschließen,
deren Mitglieder sich untereinander nicht kennen. Unter www.kartenfuchs.de kann sich jeder
Reisewillige informieren, ob es an seinem Reisetag noch mehr Menschen gibt, die mit der Bahn
zur gleichen Zeit an den gleichen Ort möchten. Diese Gruppe kann sich zusammenschließen und so
den günstigeren Gruppentarif nutzen. Die Bahnfahrer können so bis zu 65 Prozent sparen. Der
Kartenfuchs hat ebenfalls soweit an die praktische Umsetzung der Idee gedacht, dass das
Erkennungszeichen, selbstverständlich ein Fuchs, zu Hause ausgedruckt werden kann und dass der
Treffpunkt immer festgelegt ist. Demzufolge müssen sich die Reisegruppenmitglieder vor der
Reise nicht persönlich in Verbindung setzen, sondern einfach den Anweisungen des Fuchses folgen.

Die Deutsche Bahn kommt Reinecke Fuchs nun allerdings in die Quere. Nach
gescheiterten Kooperationsverhandlungen können die User des Kartenfuchses nicht mehr direkt
auf die Verbindungen der Deutschen Bahn AG zugreifen, sondern müssen sich parallel die
Site der Bahn öffnen, um eine passende Verbindung herauszusuchen. "Gewerbliche Organisationen
von Gruppenfahrten widersprechen den künftigen Geschäftszielen der Deutschen Bahn" heißt es
in der Begründung für das Zugriffsverbot. Welche Geschäftsinteressen das sind, wird leider
nicht erklärt und konnte auch auf Nachfrage nicht geklärt werden. Den Bundesministern Jürgen
Trittin und Reinhard Klimmt dürfte die Methode vom Kartenfuchs eigentlich gefallen,
machen doch niedrige Preise das Bahnfahren attraktiver, die Straßen werden leerer, die Umwelt
wird geschont. Aus diesem Grund wandte sich auch Kartenfuchs-Initiator Sven Koschick in einem
öffentlichen Brief an den Umwelt- und an den Verkehrsminister. Auf die Reaktion der Minister
dürfen wir gespannt sein. Ebenso wie auf weitere Maßnahmen der Deutschen Bahn AG, die das
Bahnfahren so unattraktiv erscheinen lassen, dass alle Reisenden nur noch sagen können:
Fliegen ist nicht nur schöner, sondern auch billiger.

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