Tunesischer Blog „Nawaat“ geehrt

Zum dritten Mal verleiht die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) den "Netizen-Preis", der den Einsatz für Meinungs- und Pressefreiheit im Internet würdigt. Aus Anlass des diesjährigen Welttags gegen Internetzensur am 12. März 2011 wird der Preis schon heute an den Mitbegründer des Blogs "Nawaat", den Journalisten Riadh Guerfali, in Paris verliehen.

Die Nawaat-Blogger erhalten den Preis stellvertretend für alle „Netizens“, die sich für den freien Zugang von Informationen im Netz engagieren und gegen eine Zensur zur Wehr setzen. Riadh Guerfali (Bloggername Astrubal) und Sami Ben Gharbia gegründeten das Blog Nawaat 2004. In der Bloggerszene war die Plattform schon vor den Berichterstattungen über die politischen und sozialen Unruhen in Tunesien seit dem 17. Dezember 2010 als kritische Stimme bekannt. Das Blog hat durch verschiedene Projekte auf sich aufmerksam gemacht, zuletzt veröffentlichte es Enthüllungsdokumente von WikiLeaks über Tunesien unter dem Namen TuniLeaks.

 

Im Gespräch mit politik-digital.de hat ROG-Sprecherin Anja Viohl die Erwartungen an den Preisträger deutlich herausgestellt: Die Plattform „Nawaat“ solle die demokratische Entwicklung begleiten und ihre kritische Haltung beibehalten, die sie schon während der Herrschaft unter Präsident Ben Ali hatte. Noch sei der Zensurapparat intakt und es herrschen viele Unklarheiten in dem Land. Nawaat solle weiterhin als "watch dog" auftreten und die zivilgesellschaftlichen und politischen Entwicklungen wahrnehmen.

Der Preisträger Riadh Guerfali selbst sagt „Wir sind sehr geehrt von diesem Preis. Er wird dazu beitragen, den Bürger-Journalismus zu stärken, den wir bei Nawaat seit Jahren praktizieren, trotz aller damit verbundenen Risiken. Diese Auszeichnung ist nicht nur eine Anerkennung für Nawaat, sondern für alle Journalisten, die oft ihr Leben riskieren, weil sie weiterhin in Ländern arbeiten, in denen die Meinungsfreiheit unterdrückt wird".

Obwohl Tunesien und andere Staaten Nordafrikas zurzeit optimistisch in die Zukunft blicken können, kommt es hier weiterhin zu Beschränkungen in der Meinungsfreiheit. Diesen Punkt hebt ROG-Generalsekretär Jean-François Julliard besonders hervor: „Repressive Regime entwickeln beständig neue Methoden – online und offline –, die die Meinungsfreiheit massiv einzuschränken.“

Der „Welttag gegen Internetzensur“ wurde initiiert, um auf die zunehmende Internet-Zensur und Repressionen gegen Blogger und Internetnutzer aufmerksam zu machen. In diesem Rahmen wird ein Bericht über die „Feinde des Internets“ veröffentlicht, das sind: Birma, China, Kuba, Iran, Nordkorea, Saudi Arabien, Syrien, Turkmenistan, Usbekistan und Vietnam. Neben diesen Staaten stehen einige Länder unter Beobachtung, wie Tunesien, Ägypten und Venezuela. Frankreich hat als erstes EU-Mitglied diesen Status aufgrund seines Online-Gesetzespaket "Loppsi 2" erhalten, mit dem Internetseiten ohne richterliche Kontrolle gesperrt werden können.

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