Test: Sind Enquete-Mitglieder fit im Netz?

politik-digital.de hat genau hingeschaut: Wie bewegen sich die zukünftigen Mitglieder der Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" im Web? Was ist ihre Einstellung zu netzpolitischen Themen? Das Ergebnis: Alles ist dabei – von Digital Native bis Digital Ignorant!

Abgeordnete des Deutschen Bundestages müssen Multitalente sein. Im Wahlkreis kümmern sie sich um die kleinen und großen Anliegen der Wähler und reden über Umgehungsstraßen und mit dem lokalen Mittelstand. In Berlin sitzen sie in diversen Ausschüssen und beschäftigen sich mit den ganz großen Dingen: der Weltwirtschaft, der Zukunft der EU oder dem Zustand der Bundeswehr in Afghanistan. Oder mit dem Internet. 

Zum Pol-di-Test

Für die neue Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" werden in den kommenden zwei Jahren 17 von ihnen u.a. über Netzneutralität, Medienkompetenz, Datenschutz, wirtschaftliche Aspekte des Webs sowie viele andere Dinge diskutieren. Wie kompetent sind die Vertreter der fünf im Bundestag vertretenen Fraktionen? Wir haben den Test gemacht. Die Ergebnisse finden Sie hier (pdf-Datei).

Höferlin oben – Dörmann unten

Das zwiespältige Ergebnis: zwei Mal "sehr gut", aber auch vier Mal "mangelhaft" – die volle Punktzahl (100) hat keiner der Testkandidaten erreicht. Top auf der Skala ist Manuel Höferlin von der FDP (95 Punkte), am unteren Ende steht Martin Dörmann (SPD) mit lediglich zehn Punkten. Von (fast) Digital Native bis Digital Ignorant sind alle Typen der digitalen Welt vorhanden.

Wirklich die Besten?

Wie ist ein solch unterschiedliches Ergebnis zu erklären? Man sollte meinen, die Fraktionen schicken die Besten, die Erfahrensten und die Nerdigsten ihrer Mitglieder in eine solche Kommission. Doch die Realität scheint eine andere: Der eine hat schon lange einen Platz in einem Ausschuss verdient, der (oder die) andere hat sich durch eine besondere Online-Aktivität im Wahlkampf ausgezeichnet (diese Aktivität aber auch mit dem Wahltag eingestellt). Wir haben deshalb genau hingeschaut und die Bemühungen der MdB´s durchleuchtet. Wie aktiv sind sie in sozialen Netzwerken und wie sieht ihre Webseite aus? Kommunizieren sie mit ihren Fans, Freunden und Followern oder veröffentlichen sie lediglich Pressemitteilungen?



Die Testkriterien:


Im Test: 17 Abgeordnete des Deutschen Bundestages, zukünftige Mitglieder der Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft", sechs aus der CDU/CSU-Fraktion, vier von der SPD, drei Liberale sowie jeweils zwei von Bündnis90/Grüne und Linke.

Letzter Stand der Überprüfung: 6. April 2010

Abwertungen: Das pol-di-Qualitätsurteil setzt sich aus verschiedenen Kriterien zusammen, die in der Summe die Endnote ergeben. Wer bei der Abstimmung über das "Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornographischen Inhalten in Kommunikationsnetzen" (ZugErschwG) mit "JA" gestimmt hat oder damals noch nicht im Bundestag war, dieses Gesetz aber befürwortet, wurde abgewertet.

Background/Qualifikation (30 %): Wer sich beruflich  mit dem Thema "Internet" beschäftigt oder als MdB eine Funktion (Ausschuss, Unterausschuss, AG, etc.) wahrnimmt, kennt sich aus und wird dementsprechend besser bewertet.

Präsenz im Netz (40 %): Kommissionsmitglieder, die sich beruflich wie privat in den sozialen Netzen bewegen, regelmäßig twittern und das Internet als Mittel der echten Kommunikation nutzen, werden besser bewertet als die, die gar nicht aktiv sind oder das Netz lediglich zur weiteren Verbreitung der üblichen parteipolitischen Werbemittel verwenden.

Einstellung bisher (30 %): Welche Meinung vertritt der/die MdB in öffentlichen Auftritten, wie ist sein/ihr Abstimmungsverhalten in netzrelevanten Themenbereichen bisher gewesen?

Was wir nicht getestet haben: Wir haben ausschließlich die Internet-Aktivitäten der Kommissionmitglieder sowie deren Einstellung zu netzpolitischen Themen betrachtet. Natürlich sind auch ein wirtschaftlicher oder juristischer Hintergrund wichtig und förderlich für die Arbeit in der Kommission. Unter diesen Aspekten betrachtet würden sicherlich einige Abgeordnete, die nun weit hinten in unserer Liste zu finden, weiter vorne auftauchen und umgekehrt.

Wen wir nicht getestet haben: Die Sachverständigen, denn diese sind ja schon qua Amt qualifiziert für ihre Aufgabe.

16 Antworten auf Test: Sind Enquete-Mitglieder fit im Netz?

  1. Zu Jens Koeppen und seiner Position zu Netzsperren bitte http://blogfraktion.de/2010/04/01/keine-netzsperren-kommission/ lesen. Darin: “uch angesichts des neuen Vorschlags von EU-Kommissarin Cecilia Malmström gilt: Der christlich-liberale Koalitionsvertrag ist eindeutig – schnellstmöglich Löschen statt Sperren. Löschen ist wirksam. Der Koalitionsvertrag verweist ebenso auf die enge Zusammenarbeit der Polizeibehörden mit den Selbstregulierungskräften der Internetwirtschaft. Er erwähnt insbesondere die deutsche Internet-Beschwerdestelle und das Internationale Netzwerk der Internet-Hotlines (INHOPE). Das ist sinnvoll – und schon heute ein erfolgreiches Modell.”

  2. Und zu Thomas Jarzombek empfehle ich diesen Link:
    http://carta.info/22955/der-neue-sound-der-cdu-die-wirkung-von-netzsperren-ist-fraglich/

    Das klingt auch nicht nach Verteidigung von Netzsperren:

    Auf dem Bitkom-Forum zur Kommunikations- und Medienpolitik in der vergangenen Woche in Berlin scheute sich Jarzombek nicht, es als “angenehm” zu bezeichnen, die bisherige Netzsperren-Politik der Union nicht mitverantworten zu müssen – weil er da noch gar nicht im Bundestag gesessen habe. Die bisherige Netzpolitik der Union habe die Situation und die Bedürfnisse der Internetnutzer verkannt, gesteht Jarzombek unumwunden ein.

  3. Wer wissen möchte was die Mitglieder der Enquete-Kommission so twittern kann meiner Twitter-Liste folgen: http://bit.ly/aLD2ZW

  4. Tobias Rupp sagt:

    Unglaublich: So etwas kommt also heraus, wenn man Sozialwissenschaften in Vechta studierte. Chapeau, vor so viel qualitativ hochwertiger, angewandter Sozialforschung. Kühe zählen als Forschungsprogramm wäre allerdings wohl angebrachter …

  5. zellerli sagt:

    Wer von seiner Fraktion einen Posten im Bereich IT zugewiesen kriegt, ist er dadurch noch keinen Funken fitter im Netz. Es kann mitunter heißen, dass es andere nur noch schlechter machen.
    Außerdem ist es hart, wie stark Meinung in Kompetenz einfließt.

    Übrigens halte ich mich für sehr fit auf diesem Sektor und habe trotzdem noch nicht so Recht den Reiz an Twitter gefunden.
    Und schon rutscht mein Ranking.
    Ich nenne mich auch nicht IT-Berater, obwohl ich Jura studiert habe.
    Da rutscht das Ranking doch gleich nochmal.
    Und jetzt hat poldi die Wahrheit gepachtet und weiß, dass nur ein Abstimmungsverhalten bzgl. netzrelevanter Themen von Kompetenz zeugen kann. Ist man dann in der falschen Fraktion… Pech gehabt.
    Und unten ist das Ranking.

    Da kann man noch so erfahren und fit im Netz sein…

    Peinlich!

  6. C.K. sagt:

    Glückwunsch!
    Das gibt bestimmt den Grimme Online Award Medienkompetenz 2010.

  7. sgehrke sagt:

    Liebe Kommentatoren,

    herzlichen Dank für die Hinweise und Anmerkungen, auch für die, die uns per E-Mail erreichten. Ich freue mich, dass unser kleiner Test so viele (auch widersprüchliche) Reaktionen auslöst. Über die Untersuchungsmethoden eines solchen spontanen Tests (es ist keine Studie) kann man sicherlich immer streiten – wir haben uns für diese entschieden. Keine Rolle spielte dabei übrigens die Parteizugehörigkeit der Mitglieder.

    Zudem können wir nicht alle Veröffentlichungen und Meinungsäußerungen der Enquete-Mitglieder erfassen. Dass wir dabei die ein oder andere – auch möglicherweise ergebnisbeeinflussende – Passage übersehen haben, möge man uns nachsehen. Auch wenn das Testblatt denen der Stiftung Warentest ähnlich sieht – solch strenge Kriterien wie dort haben wir nicht angewendet.

    Wir werden jetzt nicht nach jedem Anruf oder jeder E-Mail die Tabelle anpassen und die Noten der Mitglieder um einige Zehntel herauf- oder heruntersetzen. Zudem zweifeln wir nicht an der Kompetenz der Mitglieder – die Fraktionen werden sich genau überlegt haben, wen Sie warum in die Enquete entsandt haben.

    Eines finde ich jedoch nicht charmant: Persönliche Beleidigungen unserer Autorin passen hier nicht hin. Aus dem Dickicht lässt sich immer leicht schießen, lieber Tobias Rupp.

    Besten Gruß,
    Stefan Gehrke

  8. Alexander Föhl sagt:

    Wenn das ein echter Test sein sollte – dann braucht das Ding auch wirklich valide Kriterien. Ansonsten entwertet sich das Ganze nicht unerheblich. Wird es von einem empirischen Test zur Meinung.
    Die Korrelation zwischen Alter und digitaler Kompetenz ist sicherlich gegeben, nur halt nicht als alleiniger Faktor. Wer hat wohl mehr Ahnung – der 40jährige IT-Fachmann oder die 25jährige Friseuse die ihr Leben auf Facebook ausbreitet?
    Als Mittel die Onlineaffinität ungefähr einschätzen zu können – dafür funktionieren die Kriterien.
    Denn: Wer sich damit brüstet “in mehreren Blogs schon mal erwähnt worden zu sein” – noch Fragen zur Kompetenz?

  9. ds sagt:

    Ziemlich skurile Kriterien!
    Da werden mal wieder Erbsen gezählt und honoriert, wie viele Freunde oder Fans durch Mitarbeiter des Politikers gewonnen wurden, als ob das irgendwas sagt. Die Politikerin, die etwa jeden Tag bloggt, kommt hingegen ziemlich schlecht dabei weg – warum? Warum werden nur die Online-Marketing-Maßnahmen gewürdigt, nicht aber die echten Ansätze zur Nutzung des Netzes zu qualitiativ verbesserter politischer Kommunikation? Das ganze ist so flach wie die sogenannten Studien von newthinking.
    Und: OK, die community hält die Ablehnung von Netzsperren für essentiell. Aber: Eine simple Ja/Nein-Meinung als Kriterium für Kompetenz – dass schlägt nun wirklich alles und demonstriert eindrucksvoll, dass die Quantität der Netz-Datensammlung wirklich keine qualitative Auswertung (im Detail) ersetzen kann.

  10. Denker sagt:

    Die Kriterien in diesem Test ist nicht sehr gut durchdacht und hat überhaupt keine Aussagekraft. Wissenschaftlicher Wert = null

  11. Ich würde es nicht an fehlenden Accounts festmachen, ob derjenige das Angebot nutzt, denn unter Umständen gibt es ja anonyme Profile. Viele offizielle Accounts werden von den Mitarbeitern gepflegt und nicht von den Leuten selber. Man benötigt auch nicht unbedingt eine eigene Hompage, wenn man auf Parteiseiten präsentiert wird und dort mit den Lesern in Kontakt kommt. Twitter ist auch etwas Spezielles und nicht für jeden Internetnutzer brauchbar.

  12. Eine sonderbare Sammlung der Praktikantin. Bei exakt gleicher Beschreibung des Backgrounds wird Jimmy Schulz mit 2,0 gewertet – ich danke für eine 3,8… Es fehlt die Mitgliedschaft im UA Neue Medien. Ebenfalls fehlen viele Jahren als medienpolitischer Sprecher sowie als Beauftragter für Neue Medien im Landtag NRW. Meine Position zu Netzsperren – recherchiert?

    Es lebe der Qualitätsjournalismus.

  13. Büro Tabea Rößner sagt:

    Es tut mir leid für die Autorin, aber mir erscheint die Liste ebenfalls nicht gründlich recherchiert. Von unserer Seite fehlt beispielsweise komplett, dass Tabea Rößner den grünen Gesetzentwurf zur Aufhebung der Netzsperren unterstützt. Dass der Youtube-Kanal fehlt, nehm ich da nicht mal übel…
    Ich verstehe, dass es keine wissenschaftliche Untersuchung ist, aber selbst ein kleiner Überblick sollte der Fairnesshalber vollständig sein.
    Schönen Gruß
    Svea

  14. Büro Tabea Rößner sagt:

    Und ich kann mich auch selbst korrigieren, wenn ich mich irre: Ihr habt die Sachen doch drin und ich bin in der Zeile verrutscht. Gleichwohl schlage ich auch für die Kollegen der anderen Parteien ein Gesamtupdate vor und dann wäre doch gut.
    ssr

  15. Gastfranz sagt:

    Es ist positiv auf Facebook und anderen “sozialen Netzwerken” zu sein? Hab ich was verpasst?

  16. Questionmark sagt:

    Hier wurde alles gesagt.. tut euch selbst einen gefallen und nehmt diese Frechheit offline.

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