Studie: Ein Drittel der Deutschen noch immer offline

Der (N)Onliner-Atlas 2010 zeigt: Die Zahl der Internetnutzern steigt weiter – wenn auch auf geringerem Niveau. Viele Deutsche haben jedoch eine regelrechte Angst vor dem Internet. Die Gräben in der digitalen Landschaft sind weiter aufgerissen.

Die Ergebnisse der größten empirischen Untersuchung zur Internetnutzung in Deutschland passen im Prinzip in einen Tweet:

„Ergebnisse (N)onliner-Atlas 2010: Wieder mehr Onliner (72%), mehr Breitband (49%). Frauen, Ü70 (über 70 Jahre alt), Bildungsferne und Ossis eher offline.“


Eine Rentnerin mit Volksschulabschluss aus Mecklenburg-Vorpommern und weniger als 1000 Euro Monatseinkommen geht also mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ins Internet. Doch neben den sozialen Gründen für die digitale Spaltung, klang bei der Präsentation des inzwischen zehnten (N)-Online-Atlas am 8. Juli ein weiteres Problem an: Große Bevölkerungsgruppen in Deutschland haben eine regelrechte Angst vor dem Internet – auch die, die schon „drin“ sind.

Gräben in der digitalen Landschaft

16 Millionen Deutsche seien „ganz bewusste Nonliner“ fasste Roland A. Wieland vom Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest die Ergebnisse zusammen. Der digitale Graben verläuft also nicht nur zwischen Jung und Alt (23 Prozent der Ü70er sind online vs 95,8 Prozent der 14 bis 29jährigen), gebildet und weniger gebildet (46,5 Prozent der Befragten mit Volkshochschulabschluss vs. 88,8 Prozent mit Abitur / Studium nutzen das Netz) oder Ost und West (62,7 Prozent Onliner in MeckPomm vs. 80,2 Prozent in Bremen) oder Männern und Frauen (79,5 Prozent Männer und 64,8 Prozent der Frauen im Netz).

Die Onliner der Republik teilen sich außerdem in digital Souveräne und digitale Anfänger. Nur 26 Prozent der Bevölkerung nutzt die ganze Bandbreite der Internetanwendungen, zwei Drittel der Deutschen beschränken sich auf „Klassiker“ wie zum Beispiel Suchmaschinen oder E-Mail.

German Angst

Die Angst der Deutschen vor dem Internet zeigt sich besonders in zwei Sonderstudien zum Online-Banking und zum eGovernment, die ebenfall am 8. Juli vorgestellt wurden. Sicherheit und Datenschutz stehen bei den Befragten beim Online-Banking an erster Stelle. 20,2 Prozent der Befragten haben Angst vor Online-Betrug und wollen deshalb keine Online-Transaktionen vornehmen (2009: 4,3 Prozent).

Auch beim eGovernment sind Sicherheit und Datenschutz für die Befragten die wichtigsten Aspekte bei der Abwicklung von Behördengängen im Internet. Bequemlichkeit, Vielfalt, Schnelligkeit und Zeitersparnis wurden weit weniger häufig genannt. Die bereits bestehenden eGovernment-Anwendungen, wie die zentrale Behördenrufnummer 115 und das zugehörige Onlineportal (www.d115.de), kannte kaum einer der Befragten.

Für den repräsentativen (N)onliner-Atlas 2010 im Auftrag der Initiative D21 wurden über 30.000 Interviews unter Deutschen und EU-Ausländern über 14 Jahren geführt.

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