“Remaking Search” – Auf der Suche nach Alternativen zu Google und Bing

Isarmatrose (CC BY-SA 3.0)Auf der internationalen Konferenz “Digital Backyards” diskutierten auf Einladung der Berliner Gazette Experten aus der ganzen Welt über (europäische) Alternativen zu den im Internet vorherrschenden Diensten wie Google und Facebook. Im Workshop über die “Neuerfindung” der Suche im Internet drehte sich alles um die Bedeutung der Privatsphäre im Netz und die Rolle von Monopolen.

Ixquick bezeichnet sich als diskreteste Suchmaschine der Welt, da sie keinerlei persönliche Informationen sammelt oder teilt, wie der Vize-Präsident des niederländischen Betreibers Alex van Eesteren gestern auf der dreitägigen Berliner Konferenz “Digital Backyards” in einem Workshop erklärte. Im Gegensatz zu anderen Suchmaschinen wird weder die IP-Adresse der Nutzer erfasst, noch werden sogenannte Tracking-Cookies verwendet, um Suchbegriffe, den Zeitpunkt des Aufrufs sowie die ausgewählten Links aufzuzeichnen. Die Suchmaschinen Google und Bing hingegen sammeln diese Unmengen an persönlichen Informationen und haben daraus ein Milliarden-Dollar-Geschäft gemacht. Ixquick und die 2009 ergänzend gestartete Suchmaschine Startpage, die Suchanfragen an insgesamt zwölf andere Suchmaschinen, u.a. Google, weiterleitet, bieten eine sinnvolle Alternative. Denn sie schützen die Privatsphäre der Nutzer, indem sie die IP-Adresse von Ixquick verwenden, ohne aber einen Qualitätsverlust bei der Suche zu verursachen.

“Privatsphäre im Internet herzustellen, ist schwieriger als man denkt. Es ist komplizierter, Daten nicht zu speichern, als es einfach zu tun”, fasste Alex van Eesteren seine Erfahrungen in der Entwicklung einer Alternative zu Google zusammen. Die Arbeiten an Ixquick begannen bereits 1998, ein Jahr nachdem die beiden Stanford-Studenten Larry Page und Sergey Brin ihre Suchmaschine BackRub in Google umbenannten. Die massive Kritik an den Datenschutzverstößen von Google und der Privacy-Skandal von AOL im August 2006, als AOL Datenbankinhalte von drei Monaten und damit die Suchdaten von über 650.000 ihrer Nutzer versehentlich veröffentlichte, brachten Ixquick zur Änderung seiner strategischen Ausrichtung. Seitdem konzentriert sich der Betreiber der Suchmaschine auf die Themen Privatsphäre und Datenschutz – mit Erfolg.

Inzwischen werden täglich mehr als 2,5 Millionen Suchanfragen über Ixquick und Startpage gestellt. Kein Vergleich mit den Zahlen von Google, aber aufgrund des steten Wachstums doch beeindruckend, denn immer mehr Menschen scheinen sich der Spuren, die sie im Netz hinterlassen, bewusst zu werden, und sind mehr und mehr auf den Schutz ihrer Daten bedacht. Van Eesterens Credo lautet: “Privatsphäre ist Vertrauen”, eine Aussage, die bei den Teilnehmern des Workshops  für viel Unmut sorgte. “Wer seine Privatsphäre auf Vertrauen aufbaut, hat schon verloren”, entgegnete ihm eine Expertin für IT-Sicherheit. Ihrer Einschätzung nach ist eine hundertprozentige Privatsphäre nur dann gegeben, wenn überhaupt keine Daten gespeichert werden. Technisch ein schwieriges Unterfangen, denn datenschutzfreundliche Lösungen müssten unabhängig von technischen Standards und der Infrastruktur hergestellt werden können. Denn diejenigen, die die Infrastruktur des Netzes aufbauen und nutzen, wie Regierungen und AFAG-Unternehmen (Akronym für Internet-Firmen: AppleFacebookAmazonGoogle), haben aus wirtschaftlichen oder sicherheitspolitischen Gründen wenig Interesse an einem hundertprozentigen Schutz der Privatsphäre im Internet.

Georg Jähnig, Gründer der Webseite Searchilo.net, stellte sein Projekt zur bewussteren und unabhängigeren Suche im Internet vor, im Vergleich zu Ixquick kann es einige echte Neuerungen vorweisen. So können die Nutzer des Suchservices  über verschiedene Kurzbefehle, die unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung (CC BY-SA) – der Weitergabe unter gleichen Bedingungen also – in einem Wiki erstellt, gesammelt und verändert werden , verschiedene Suchdienste und Suchfunktionen auf Websites nutzen. Diese Form der Suche rückt das Ergebnis und das Ziel der Suche in den Vordergrund.  Dadurch dass sie zu einem Suchwerkzeug „degradiert“ wird, umgeht sie Suchmaschinen als Informationsportal.

Weitere Alternativen zu den großen Suchmaschinen konnten in dem zeitlich begrenzten Rahmen des Workshops nicht vorgestellt werden.

Zum Ende des Workshops stellte sich die Frage, ob ein besserer Datenschutz und mehr Privatsphäre die Suche im Internet auf eine neue Ebene führen können oder ob die Verbesserung der Qualität und das intensivere Sammeln von zu anonymisierenden Daten die bessere Alternative darstellen. Eindeutige Antworten konnten in diesem Rahmen nicht gefunden werden. Allerdings herrschte Einigkeit darüber, dass der Umgang mit Monopolen, die das Internet unter sich aufteilen, und die gesellschaftliche Bedeutung des ungefilterten Zugangs zum Wissen entscheidende Fragen für die Zukunft sind. In der Entwicklung eigener und freier Infrastrukturen bei gleichzeitigem Abbau von Schranken im Urheberrecht, liegt eine Möglichkeit, globale Alternativen zu AFAG-Unternehmen aufzubauen.

 Die Veranstaltung “Digital Backyards” ist hier ausführlich dokumentiert.

(http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/).

 


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