Prager Pranger

Ob der freundliche Nachbar was mit der Staatssicherheit zu tun hatte, bleibt in Deutschland meist ungewiss. Den Tschechen könnte so etwas nicht passieren: Dort stellt der Staat eine Liste mutmaßlicher Geheimdienstmitarbeiter und Informanten frei zugänglich online. Ungefiltert und ungeprüft.

Dass man im Internet den Musik-, Literatur- und vielleicht auch Partnergeschmack von jedem einsehen kann, ist ein alter Hut. Die Kategorie „Verstrickungen in ehemalige Unrechtsregime“ ist neu. Der tschechische Staat hat jetzt eine Datenbank mit 140.000 Namen online gestellt, auf der man durch eine Suchfunktion schnell und einfach überprüfen kann, wer denn dabei war, damals. Dies berichtet die Prague Post.

Dass jemand in der Liste auftaucht, bedeuet jedoch nicht automatisch, dass er dem Sicherheitsapparat willentlich und wissentlich zugearbeitet hat. Vor allem ehemalige Profisportler sehen sich zu Unrecht denunziert, da sie als Militärangestellte in der Liste auftauchen. Sie beteuern jedoch, keine Spitzeltätigkeiten übernommen zu haben. Gleich mehrere Klagen hat die zuständige Behörde bereits erhalten, darunter auch vom ehemaligen Skispringer und heutigen Parlamentsabgeordneten Pavel Ploc, wie die Frankfurter Rundschau berichtet.

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