Politische Audio-Offensive via SoundCloud

Megaphone1Es wird ernst: Im Bund gehen die Beratungen zur Bildung einer Großen Koalition in die entscheidende Phase, und in Hessen beginnen schwarz-grüne Koalitionsverhandlungen. Nachdem einige Akteure die Audio-Plattform SoundCloud bereits zur Wahlkampfkommunikation genutzt haben, dokumentiert spd.de ausführlich Statements von Unterhändlern aus dem schwarz-roten Verhandlungsmarathon.

Schon seit Längerem unterhält die SPD ein SoundCloud-Profil, mit dem sie vor allem Pressestatements und ausgewählte Reden von Spitzenpolitikern der Partei bei Veranstaltungen auf Bundesebene dokumentiert. In der Regel ergänzen diese O-Töne auch die Berichterstattung auf der Website der SPD. Im Wahlkampf wurde diese Praxis noch erweitert, indem eine Kurzfassung des Regierungsprogramms kapitelweise von Wolfgang Thierse und der stellvertretenden Parteivorsitzenden Aydan Özoğuz vorgelesen sowie in die betreffenden Themenseiten eingebunden wurde. Darauf folgte eine vollständige Version, die in Kooperation mit der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland erstellt wurde – Umfang: sechs Stunden und 44 Minuten. Und auch der sozialdemokratische Wahlkampf-Song fand so seinen Weg ins Web.

Unterdessen kündigte seinerzeit die CDU im hessischen Landtagswahlkampf an: “Um unsere Inhalte möglichst barrierefrei anzubieten, werden wir weiter Soundcloud für Berichte und O-Töne nutzen (…).” So richtete beispielsweise Spitzenkandidat Volker Bouffier einen persönlichen Dank an seine Facebook-Fans.

Nun ist häufig das Phänomen zu beobachten, dass während des Wahlkampfs ausgefeilte Angebote zur Online-Kommunikation aufgesetzt werden, die dann nach der Wahl verwaisen. Interessanterweise ist beim SoundCloud-Profil der SPD das Gegenteil zu beobachten. Dort haben sich seit Beginn der Koalitionsverhandlungen mit der CDU schon etwa 70 (!) Beiträge angesammelt, die Statements vor oder nach Verhandlungsrunden dokumentieren. Und darin kommen nicht nur SPD-Politiker, sondern auch Vertreter der Union zu Wort. Dieses umfassende öffentliche Audioarchiv ist natürlich Bestandteil der Kommunikations-Offensive, mit der die Parteispitze die Basis dazu bewegen will, einem ausgehandelten Koalitionsvertrag am Ende zuzustimmen.

In diesem Zusammenhang ist auch Hessen wieder in der politischen Sound-Landschaft aufgetaucht: Dort wurden nach der Landtagswahl langwierige Sondierungsgespräche geführt. Nach deren Abschluss entstand eine Phase, in der die Konstellation der Regierungsbildung unklar war. Diese beendete der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel mit einem Pressestatement am 22. November 2013, in dem er die Absicht des hessischen CDU-Vorsitzenden und Ministerpräsidenten Volker Bouffier öffentlich machte, Bündnis 90/Die Grünen ein Angebot für Koalitionsverhandlungen zu unterbreiten. Zu diesem Zeitpunkt war Schäfer-Gümbel in Berlin, um an den Koalitionsverhandlungen im Bund teilzunehmen. Diesem Umstand verdanken wir nun die Aufzeichnung seines Statements und dessen Publikation im SoundCloud-Profil der SPD.

Schäfer-Gümbel kam damit der CDU zuvor, die am selben Nachmittag die Entscheidung über Koalitionsverhandlungen in den Parteigremien beriet. Am Abend verkündete dann Bouffier das Angebot zur Aufnahme von Koalitionsverhandlungen an die hessischen Grünen. Die Christdemokraten erinnerten sich nun ihres SoundCloud-Profils und publizierten das Statement ebenfalls dort.

Nachdem Bündnis 90/Die Grünen die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der CDU beschlossen haben, wurde auch die Reaktion von Bouffier darauf in diesem Format veröffentlicht.

Es lässt sich also feststellen, dass sich diese Praxis als Innovation in der Online-Kommunikation der Parteien etabliert hat. Die Nutzer verfügen somit über einen Kanal, um sich auch unabhängig von medialer Berichterstattung nahezu in Echtzeit, aber nicht notwendigerweise live, über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Die O-Töne ergänzen das multimediale Mosaik politischer Kommunikation in Online-Medien. Leider wird die Möglichkeit sowohl zur Einbindung der Audio-Angebote auf den Webseiten anderer Anbieter, als auch zur Kommentierung durch SoundCloud-Nutzer bislang kaum genutzt. Bleibt abzuwarten, wer uns am Ende in beiden Fällen den Koalitionsvertrag vorlesen wird.

 

Der Text basiert auf Beiträgen von Erik Meyer für sein SoundBlog. Er kuratiert Tweets von an den schwarz-grünen Koalitionsverhandlungen beteiligten Personen und Parteien auf RebelMouse.

 

Bild : ghwpix (CC BY-SA 2.0)

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