Politik nicht auf der CeBIT angekommen

Die CeBIT 2009 läuft in diesem Jahr unter dem Motto "Webciety", was frei übersetzt "vernetzte Gesellschaft" bedeutet. Mit großem Medienrummel wurde angekündigt: Internet is coming home. Leider steckt hier weniger dahinter als angekündigt.

Der relativ kleine Teil der "Webciety"-Insel in Halle 6 hat es nicht leicht: Überragend sind die Stände der anderen Anbieter, die professionelle Software und auch Hardware anbieten. Die kleinen Stände, die untereinander vernetzt sind, lassen kaum erahnen, was ihre Anbieter tun. Einzig Zanox, T-Systems und youtube sind bekannt.

Vernetztes Inselchen

Auf einer großen Bühne werden Vorträge präsentiert, die meisten Zuschauer surfen per UMTS gerade im Web oder twittern live auf die daneben stehende Leinwand. Man erkennt sofort: Hier ist die Insel der Glückseligen, derjenigen, die im Netz zu Hause sind. Verlässt man den schwarzen Teppich des vernetzten Inselchens, beginnt wieder die Welt des Kommerz.

Politik im Netz?

Einen Vortrag zum Online-Wahlkampf sollte es auch geben, leider war aber kein Programm verfügbar – der uninformierte Web-1.0 User verpasste so einen sehr interessanten Auftritt. Auch sonst scheint eCampaigning kein Thema zu sein, keiner der Stände will etwas mit Politik zu tun haben.

Politik im Netz gibt es hier nicht. Die Anbieter auf den Inseln der "Webciety" wirken ein wenig unscheinbar. Es sind die Persönlichkeiten auf den Vorträgen, wie etwa Sascha Lobo, die Besucher anlocken. Wirkt die "Webciety" auf der CeBIT verloren, so scheint "Politik im Netz" noch nicht einmal angekommen zu sein.

Web-2.0 und die CeBIT

Das Web-2.0 ist in aller Munde, auch bei den großen Anbietern. Und deswegen soll die "Webciety" gelebtes Web-2.0 darstellen. Gelungen ist die Vermittlung der dahinter stehenden Mechanismen und Kommunikationsstrukturen indes nicht. Die CeBIT bleibt eine kommerzielle Messe. Allein Zanox punktet hier mit dem Titel "Monetization 2.0", eine Art Anleitung zum Geldverdienen mit digitalen sozialen Netzwerken.

Wird die Begeisterung für das Web-2.0 reichen, um auf einer kommerziellen Messe erfolgreich sein zu können? Die "Webciety" jedenfalls ist symptomatisch für die diesjährige CeBIT: Qualität und Quantität gehen zurück. Es bleibt die Frage, ob die Aussteller der "Webciety" sich Arnold Schwarzenegger anschließen, der auf der Eröffnungsveranstaltung mit seinen berühmten Worten schloss: "I’ll be back!".

3 Antworten auf Politik nicht auf der CeBIT angekommen

  1. tobetop sagt:

    Bei den Global Conferences stand der komplette erste Tag im Zeichen Netz und Gesellschaft. Sprich auch Politik. Ihr wart dazu sogar explizit eingeladen!
    Nur so nebenbei…

  2. Auf zahlreiche Empfehlungen (Danke liebe Leser von politik-digital.de) habe ich heute auf der Webciety das Panel zum Thema Politik 2.0 besucht. Mit dabei waren Volker Beck (Grüne), Rüdiger Kruse (CDU), Frank Schäffler (FDP) undKajo Wasserhövel (SPD) (siehe Bild). Mein Eindruck war ein sehr guter saßen hier doch unter Leitung von Rolf Lührs 4 sehr internetaffine Politiker auf dem Podium. Am Ende waren sich alle einig: moderne Netzkommunikation darf trotz aller Bedeutung auch nicht zum Selbstzweck werden und muss zum jeweiligen Politiker passen. Wichtig ist dabei vor allem die Einbindung des neuen Mediums in eine umfassende Kommunikationsstrategie. Am Ende darf nämlich die politische Kommunikation im Netz während des Wahlkampfes nicht ebenso deplatziert wirken, wie die Webciety auf der CeBIT. Nicht dass ich missverstanden werde: diese hatte gute Themen und Aussteller – nur leider auf der falschen Messe…

  3. Gotthard sagt:

    Beim Bürger ist “Politik” bzw. die weltweite “wirtschaftliche Umnachtung” mangels vernünftiger Aufklärung bzw. eigener Erkenntis leider nicht angekommen.
    Soll oder darf man es dabei belassen ?
    Oder ist alles egal- weil wir uns- nach dem Rausch- ohnehin alle bald- im “Ausnüchterungsraum” wiedersehen !
    Schade um um unser wunderbares Land.

Kommentar verfassen