Petition gegen Online-Gebühren für Schwerbehinderte

Das Forum für Rollstuhlfahrer und Querschnittgelähmte,
www.startrampe.net
, startete letzte Woche mit Unterstützung von politik-digital eine
Online-Petition, die seit dem eine äußerst intensive und leidenschaftliche Diskussion
ausgelöst hat.

Florian Seelmann-Eggebert

Seelmann-Eggebert

Florian Seelmann-Eggebert, Initiator und erster Vorsitzender des Startrampe.net e.V., ist schon
ein wenig überrascht, über die Art und Weise wie die Petition gerade in Behindertenkreisen
diskutiert wird: "Eigentlich dachten wir, mit dieser Petition allen Behinderten ein Forum sowie
eine Stimme zu bieten, die auf die Möglichkeiten des Internet für Schwerbehinderte aufmerksam
macht." Dementsprechend ist auch der Text der Petition verfasst, indem die Petenten auf die
besonderen Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten des Internet für Schwerbehinderte
aufmerksam machen wollen, da dort selbständig die Chancen des Internet genutzt werden können.
Ausserdem gilt es zu beachten, dass die finanzielle Situation von Behinderten meist im
Verhältnis zum Durchschnitt der Bevölkerung eher bescheiden ist sowie Aufwendungen für
aussergewöhnliche Behandlungen, Medikamente und Hilfsmittel eine extrem hohe Belastung
bedeuten. Andererseits erschließen sich aber für behinderte Menschen durch die neuen Medien in
besonderem Maße neue Chancen. Denn über das Internet können sie Informationen erhalten sowie
Kontakte und Freundschaften aufbauen und pflegen. Gleichzeitig bietet das Medium die idealen
technischen Voraussetzungen zu Resozialisation und (Re-) Integration in das Arbeitsleben. So
wird auch das Prinzip der Telearbeit in nächster Zeit ein wichtiger Faktor der Arbeitsorganisation
sein. Schließlich weist die Petition darauf hin, dass im Internet alle Menschen chancengleich
sind, und das Dank spezieller Hard- und Software blinde, seh- und körperbehinderte Menschen,
Schwerhörige und Taube sowie in Ansätzen auch Menschen mit geistiger Behinderung gute
Voraussetzungen für einen selbständigen Zu- und Umgang mit dem Internet haben.

Eine gute Sache? Interessanterweise löste die Petition jedoch eine rege Diskussion aus,
die mittlerweile in diversen Foren ausgetragen wird. Neben zahlreichen Zustimmungen zu den
Forderungen, kam es bislang aber auch zu einigen kritischen Bemerkungen bzw. sogar zu direkten
Angriffen auf die Macher der Bittschrift. Zum einen wird Startrampe.net vorgeworfen mit einer
professionellen Agentur zu kooperieren, zum anderen wurde gerade dadurch immer wieder die
Glaubwürdigkeit dieser Petition für Behinderte angezweifelt. Oft fiel bislang dabei das
Argument, dass eine solche Aktion nur dann Sinn macht, wenn sie glaubwürdig sowie effektiv ist
und das Problem im Kern anpackt. Ein daraus resultierender Vorwurf an die Petenten ist, dass
durch die Petition nur eine Ablenkung von den wirklichen Problematiken geschieht und insgesamt
eher ein Appell an das Mitleid der Gesellschaft, als eine politisch-rechtlich begründete
Forderung resultiert.

Dies ist aber laut Seelmann-Eggebert ein wenig weit hergeholt, da Startrampe.net die Gründe für
die Zusammenarbeit mit der Agentur immer nach außen kommuniziert hat und ein Auftritt in dieser
Qualität ohne die Kooperation auch nicht möglich gewesen wäre. Auch die weit verbreitete Werbekampagne
für Startrampe.net war in diesem Zusammenhang als reine Sponsorangelegenheit durch die Vermittlung
der Agentur zustande gekommen.

Dass das Thema mehr Dimensionen als Online-Gebühren respektive deren Abschaffung hat, war und ist
mittlerweile allen Beteiligten bewusst. "Wir wollten mit diesem Thema auf ein äußerst sensibles
Problem aufmerksam machen, was uns anscheinend auch gelungen ist" meint deshalb auch
Seelmann-Eggebert, der sich dennoch ein wenig überrascht zeigt, von der Heftigkeit mit der sein
Verein in diesem Zusammenhang angegangen wird. "Eine Sache ist uns deshalb inzwischen klar
geworden", so Seelmann-Eggebert weiter, "eine ausführlichere Vorabdiskussion in den verschiedenen
Foren der Behindertenorganisationen hätte der ganzen Angelegenheit gut getan, aber wir sind
offen genug, die jetzt entstandene Diskussion auszuhalten, und wir setzen uns weiterhin gerne mit den
verschiedenen, sehr interessanten Argumenten auseinander."

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