OskarX macht mobil

Oskar_XDU HAST DIE MACHT ist eine Initiative zur politischen Bildung junger Menschen und will beweisen, dass Politik auch sexy sein kann. Gefördert wird das Projekt von der Robert-Bosch-Stiftung, umgesetzt wird es von der UFA GmbH. Ein Interview mit der Projektleiterin Anna Mauersberger über Jungwähler, die Begeisterung für Politik und das neue Format „Fix OskarX“.

politik-digital.de: Was macht Ihr auf “DU HAST DIE MACHT”?

Anna Mauersberger: DU HAST DIE MACHT hat den Auftrag, „politikferne Jugendliche“ anzusprechen, so heißt es im wissenschaftlichen Jargon. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es diese politikfernen Jugendlichen überhaupt gibt. Das sind Jugendliche, die von sich sagen, überhaupt kein politisches Interesse zu haben. Aber meist muss man da nur mal so ein bisschen kratzen, um zu merken, dass es sehr wohl ein politisches Interesse gibt. Nur von politischen Institutionen und Parteien wenden sich junge Menschen oft ab. Diese Gruppen will DHDM erreichen.

politik-digital.de: Welche Altersgruppen wollt ihr ansprechen?

Anna Mauersberger: Vor allem die Altersgruppen von 14 bis 23 Jahren, zur Bundestagswahl aber sicherlich auch ältere Menschen. Wir wollen all diejenigen erreichen, die vielleicht nicht soviel Lust auf Politik haben und Politik bei uns anders, mit bewegten Bildformaten oder aus künstlerischer Perspektive, erleben können.

politik-digital.de: Seit gut zwei Wochen ist das Live-Doku-Quiz zur Bundestagswahl „Fix OskarX“ online. Kannst Du in zwei bis drei Sätzen erklären, was OskarX macht?

Anna Mauersberger studierte Politikwissenschaften in Bayreuth, Lille und Grenoble, schrieb für die GEO, die taz, den Kölner Stadt-Anzeiger und die Internationale Politik und produzierte im Auftrag des ZDF die dreiteilige Dokumentation „Macht der Wunder“. Seit 2012 leitet sie im Auftrag der UFA GmbH und der Robert Bosch Stiftung das Projekt DU HAST DIE MACHT, das im Frühjahr 2013 mit dem Civis Online Preis für Integration und dem 3. Publikumsplatz beim Grimme Online Award bedacht wurde.

Anna Mauersberger: Der Android OskarX hat im Prinzip drei Aufträge. Zum einen soll er auf die Wahl aufmerksam machen und eine Art Countdown sein, um den Menschen zu sagen „Hey, wir bewegen uns auf ein spannendes Datum zu. Mit mir könnt ihr zur Wahl gehen und dabei Spaß haben“.

OskarX hat aber auch die Mission, Bildungsarbeit zu leisten. Auf fix-oskarx.de kann man zehn Tage lang Rätsel zu den wichtigsten Wahlkampfthemen lösen, wir haben aus dem Netz viel Hintergrundinformationen zu den Rätselthemen verlinkt, die man mindestens grob überfliegen muss, um das Lösungswort zu finden. Außerdem stellen wir dar, wie die wichtigsten Parteien zu den jeweiligen Themen stehen. Und OskarX führt mit vielen Politikerinnen und Politikern YouTube-Interviews  über ihre Programme.

politik-digital.de: Habt ihr das vorher in einer Fokusgruppe getestet?

Anna Mauersberger: Wir haben einen eigenen Jugendbeirat, der aus zehn Leuten in unserer Zielgruppe besteht. Mit denen gehen wir alle Formate durch, die wir entwickeln, und fragen sie nach ihrer Meinung.

politik-digital.de: Welches Budget habt Ihr für das Projekt?

AnnaMauersbergerAnna Mauersberger: Das Programmieren des Quiz’ war am kostenintensivsten. Den Rest haben wir im Prinzip im Team gemahct, das aus zehn Personen besteht. Wir haben z.B. alle in der Rahmenstory mitgespielt oder unsere WGs dafür hergegeben. Und der Protagonist OskarX dreht sich bei Interviews mit einer Snorricam selbst. Das ist eine Kamera, die er um den Bauch trägt und auf sich selbst richtet, das sieht ziemlich funky aus. Das kostet zwar nur wenig Geld, dafür muss man aber viel organisieren…

politik-digital.de: Mittlerweile hat OskarX mit einigen Politikern Interviews geführt. Welche Erfahrungen habt Ihr bisher gemacht?

Anna Mauersberger: Sehr gute. Vor allem bei schwierigen Interviews im Wahlkampf mit Politikern, die sonst nur Parteiprogramme und Zahlen runterbeten. Was bei OskarX super funktioniert, ist, dass er die Politiker mit seinem silbernen Kostüm und seiner Kamera verunsichert. Zudem muss man sich für die Interviews wegen der Bauchkamera eng zusammenstellen, und das finden nicht alle Politiker so angenehm. Sie werden dabei ein wenig aus dem üblichen Konzept gebracht. Wir haben festgestellt, dass die meisten Politiker am Anfang eine Weile brauchen, um sich zu fangen, und gerade dann ziemlich lustige Sachen sagen.

politik-digital.de: Politiker wollen natürlich junge Zielgruppen erreichen. Kommt das denn in der Zielgruppe an, wenn sich Politiker bei solchen Aktionen einen jugendlichen Anstrich geben?

Anna Mauersberger: Jugendliche sind sehr unterschiedlich. Erwachsene haben oft das Bild des „einen Jugendlichen“, den gibt es natürlich nicht. Viele Jugendliche eint aber der Eindruck: „Die da oben interessieren sich nicht für uns“. Deswegen sind viele von ihnen dankbar, dass sich Politiker für so eine Art von Gespräch Zeit nehmen.

politik-digital.de: Was sagst Du zu dem Vorwurf, dass sich Jugendliche und junge Erwachsene immer mehr zurücklehnen, um sich – ganz passiv – von der Politik informieren zu lassen? Ist es nicht Aufgabe eines jeden Bürgers, sich selbst zu informieren?

Anna Mauersberger: Ich sehe diese Haltung auch. Aber die Sache stellt sich meines Erachtens komplexer dar. Die Jugendlichen sind nicht daran schuld, sie sind in einer ganz anderen Welt aufgewachsen als die meisten Erwachsenen, mit einem völlig anderen Konsumverhalten. Viele haben zu wenig den kompetenten Umgang mit Medien vermittelt bekommen, um sich die richtigen Sachen im Netz herauszusuchen. Es gibt Studien, die zeigen, dass Jugendliche nur dann mit politischen Themen in Berührung kommen, wenn sie beim Einloggen in ihr E-Mail-Postfach einen Link angeboten bekommen oder wenn sie zufällig einen Post auf Facebook sehen. Jugendliche suchen selbst nicht aktiv nach Webseiten. Die Verfehlung liegt wenigerbei den Jugendlichen, sondern auch bei Eltern, Lehrern und Politikern. In diesem Zusammenhang ist übrigens auch die Studie „Sprichst du Politik“ sehr interessant, die zu dem Schluss kam, dass es vor allem an der Sprache der Politiker liegt, dass sich Jugendliche nicht für Politik interessieren.

politik-digital.de: Noch mal zurück zu OskarX. Er soll ja besonders die Zielgruppe der Jungwähler motivieren, aber auch Inhalte und Unterschiede zwischen den Positionen der Parteien deutlich machen. Das geschieht teilweise auf eine sehr aufdringliche Art und Weise. Habt Ihr da mit Absicht ein bisschen dick aufgetragen, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen?

Anna Mauersberger: Ja, das kann sein, dass es bei manchen so ankommt. Alles, was wir machen, ist neu und immer ein Experiment. Bei OskarX ist es sicher eine Geschmacksfrage, ob man ihn mag oder penetrant findet. Aber wir haben zum Beispiel bei öffentlichen Veranstaltungen festgestellt, dass es super ist, das er so auffällt. Denn die Leute gehen auf ihn zu und sprechen mit ihm über Politik – und genau das wollen wir ja. In dieser kurzen Zeit, die wir bis zur Wahl haben, müssen wir möglichst viele junge Leute erreichen. Deshalb haben wir uns bewusst dazu entschieden, eine so schrille Figur zu entwickeln, die im Gedächtnis bleibt. Egal, ob du sie gut findest oder nicht, wichtig ist, dass wir polarisieren. Wenn wir 30 Dislikes oder fiese Kommentare bekommen, ist das auch okay; dann kann man wenigstens darüber diskutieren.

politik-digital.de: Es sind jetzt nur noch wenige Tage bis zur Wahl. Was kann man da eigentlich noch machen?

Anna Mauersberger: Wahrscheinlich ist jetzt für alle die wichtigste Phase. In der letzten Woche ist unser Quiz online gegangen. Es gibt seitdem jeden Tag bis zum 22. September ein Rätsel und ein Bonusrätsel zu lösen. OskarX wird weiter unterwegs sein und Politiker interviewen, an Hangouts teilnehmen, und man kann ihn in seinem Wohnwagen besuchen, in dem er lebt. Das Wohnmobil steht im Moment vor dem Betahaus in Berlin-Kreuzberg – wir machen also im wahrsten Sinne des Wortes mobil!

 

Bild: Du hast die Macht, Anna Mauersberger

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