NRW-FDP: “Wer Onlinekommunikation verschläft, kann die Wahl verlieren”

Screenshot Homepage FDP NRWAm 13. Mai wird in NRW gewählt. Die FDP kämpft unter der Führung ihres Spitzenkandidaten Christian Lindner um den Einzug in den Düsseldorfer Landtag. Derzeitige Umfragen prognostizieren eine Zitterpartie für die Liberalen. Im dritten Teil der Interviewreihe zum NRW-Onlinewahlkampf sprach politik-digital mit Moritz Kracht, Pressesprecher der FDP Nordrhein-Westfalen.

politik-digital.de: Herr Kracht, aufgrund der vorgezogenen Neuwahlen sind keine lang angelegten Kampagnen möglich. Welche Schwierigkeiten und Besonderheiten ergeben sich aus dem kurzen Zeitfenster?

Moritz Kracht: Während man im Regelfall für einen Wahlkampf einen Vorlauf von neun bis zwölf Monaten hat, muss dieses Mal alles viel schneller gehen: Organisation von Parteitagen und Aufstellungsversammlungen, Programmerarbeitung, Kampagnenplanung und so weiter. Das ist natürlich für alle Parteien ein besonderer Kraftakt.

politik-digital.de: Spielt der verkürzte Wahlkampf Ihres Erachtens eher großen oder kleinen Parteien, eher Regierungs- oder Oppositionsparteien in die Hände?

Kracht: Eine allgemeine Aussage, ob es Regierung oder Opposition bei diesen Rahmenbedingungen leichter haben, ist in meines Erachtens nicht zu machen. In NRW ging dem Wahlkampf das Scheitern der Landesregierung voraus, das hat mit Sicherheit der Opposition Auftrieb gegeben. Ein verkürzter Wahlkampf von 60 Tagen kann aber für eine kleinere Partei eine Chance sein: Während in einem langen Wahlkampf die großen Parteien ihre Überlegenheit an personellen und finanziellen Ressourcen ausspielen können, kann man sich als kleinere Partei in einem kurzen Wahlkampf mit einer guten Kampagne oder unerwarteten Coups Aufmerksamkeit erarbeiten. Die Nominierung von Christian Lindner als Spitzenkandidat der FDP ist dafür der beste Beweis.

politik-digital.de: Wie fügt sich der Online-Wahlkampf in die Gesamtstrategie ein?

Moritz Kracht

Moritz Kracht

Kracht: Unser Wahlkampf steht auf mehreren Säulen: Klassische Werbung, Großflächen, Events, Zielgruppenbriefe… und, ja, natürlich Onlinekommunikation. Die Themen, die wir offline setzen, spielen wir natürlich auch online. Auch in der Ansprache der Zielgruppen machen wir keine Unterscheidung, versuchen aber jeweils das Umfeld richtig zu nutzen. Während wir auf unserer Website mit längeren Texten informieren, verknappen wir das in den Sozialen Netzwerken und nutzen die Interaktionsmöglichkeiten. Insgesamt nimmt ein starker Onlineauftritt in der Bedeutung zu.

politik-digital.de: Eine aktuelle Studie der Universität Hohenheim kommt zu dem Ergebnis, dass das Internet in der NRW-Wahl noch nicht wahlentscheidend sein wird. Sehen Sie das auch so?

Kracht: Die gesamte Onlinekommunikation, also die eigene Website und die Sozialen Netzwerke, sind ein wichtiger Bestandteil in der Gesamtkampagne. Sowohl für die Kommunikation nach außen als auch nach innen, in die Partei hinein. Wer online gut aufgestellt ist, kann schnell und direkt kommunizieren – aber das ersetzt keinesfalls andere Maßnahmen und Kanäle. Man kann eine Wahl nicht alleine online gewinnen, aber wer die Online-Kommunikation vollkommen verschläft und nicht als ernsthaften Kanal ansieht, kann die Wahl sehr wohl verlieren.

politik-digital.de: Inwiefern konkurrieren Sie mit den Piraten um Wählerstimmen? Hat das Umfragehoch der Piraten Einfluss auf die Strategie?

Kracht: Bislang zeigen die demoskopischen Analysen, dass sich die Piraten in erster Linie aus dem Nichtwählerlager und sehr stark aus der Anhängerschaft der Grünen speisen, aber weniger eine direkte Konkurrenz zur FDP sind. Wir haben schon im Wahlkampf 2010 auf unterschiedliche Online-Maßnahmen gesetzt und verfolgen auch jetzt unser eigenes Konzept. Uns ist es wichtig, 100 Prozent FDP zu zeigen. Wir wollen nicht die besseren Online-Piraten sein, werben aber um jede Stimme.

politik-digital.de: Welche Sozialen Netzwerke nutzen Sie für den Wahlkampf? Wie werden Facebook, Twitter und Co. eingesetzt?

Kracht: Wir nutzen die meisten Plattformen bereits seit mehreren Jahren. Gerade Facebook und Twitter verwenden wir als Distributionsweg. Sobald wir auf unserer eigenen Website einen neuen Artikel oder ein größeres Update haben, holen wir die Leute in ihrem privaten Umfeld ab – über Facebook versuchen wir, auf unser Anliegen hinzuweisen und sie auf unsere Seite zu lotsen. Und natürlich nutzen wir auch die interaktiven Möglichkeiten, die Twitter und Facebook bereithalten. Auch auf Flickr veröffentlichen wir regelmäßig Fotoeindrücke von Veranstaltungen oder posten bei YouTube Spots und Interviews.

politik-digital.de: Christian Lindner arbeitet mit einer stark personalisierten Kampagne: Wie ist die Balance zwischen Kandidat und Sachthemen? Welche Themen werden online stärker gewichtet?

Kracht: Natürlich setzen wir in unserer Kampagne auf unseren Spitzenkandidaten Christian Lindner, rücken aber gleichzeitig auch verstärkt die entscheidenden Themen für die Landtagswahl in den Vordergrund: den Weg zur Schuldenfreiheit, den Erhalt des Gymnasiums und einen starken Wirtschaftsstandort NRW.
Christian Lindner selbst hat bei Twitter über 6.000 Follower, bei Facebook folgen seiner Seite rund 9.000 Menschen – damit sind wir an der Spitze im Vergleich zu unseren Konkurrenten. Und die meisten Postings sind übrigens von Christian Lindner selbst verfasst.


Interview-Reihe zum Online-Wahlkampf #nrw12:

CDU: „Wir führen keinen bunten ‘Gute-Laune-Wahlkampf‘“

Grüne: “Wir verstehen uns als digitale Vorreiter”

Linke: “Unser Wahlkampf ist ein harter Kampf gegen Zeit und Geld”

Piraten: “Ein mangelndes finanzielles Budget fördert die Kreativität der Mitglieder”

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