Netzkunst Teil 1: Videospiel mit echten Toten

Anlässlich der transmediale08 stellen wir Ihnen bis zum Wochenende täglich eine Netzkunstaktion vor. Heute sind es gleich zwei miteinander in Verbindung stehende Arbeiten des Künstlers Joseph DeLappe. Zum einen das bereits seit Herbst 2006 laufende Kunstprojekt „Dead in Iraq“ – welches als Online-Mahnmal für gefallene US-Soldaten im Irakkrieg konzipiert ist – und zum anderen die Plattform „Iraq Memorial“, bei der die irakischen zivilen Opfer des Krieges im Vordergrund stehen.

Die Transmediale (30.01.08 – 03.02.08) feiert dieses Jahr ihren 20ten Geburtstag. Der Fokus des jährlich stattfindenden Festivals liegt auf dem Zusammenspiel zwischen Medien und Kunst. Wie jedes Jahr werden im Programm ausgewählte Netzkunstaktionen vorgestellt. Anlass für den Start einer kleinen Reihe. Heute lesen Sie Teil 1: „Dead in Iraq“ und „Iraq Memorial“.

Dead in Iraq

Der Künstler Joseph DeLappe nutzt das vom US-Amerikanischen Militär eigens für Rekrutierungs-Zwecke entwickelte Online-Kriegsspiel „America´s Army“ für eine Netzperformance. Mit dem Kunstprojekt „Dead in Iraq“ protestiert er gegen den Krieg im Irak. Er beschreibt das Projekt als vergängliches Online-Mahnmal für die bisher getöteten Soldaten.

DeLappe hat sich als Spieler mit dem Namen dead-in-iraq angemeldet. Statt zu kämpfen. marschiert er jedoch passiv durch das Spiel, bis er getötet wird, um sich dann erneut wieder anzumelden. Und statt sich mit anderen Spielern auszutauschen sendet er über die integrierte Instant-Messaging-Funktion die Namen und Todestage real gefallener Soldaten im Irak-Krieg – inzwischen umfasst seine Liste bereits über 3000 Namen.

 

dead marine

 

Iraq Memorial

Um auf den wirklichen Preis des so genannten „War of Terror“ aufmerksam zu machen, initiierte DeLappe im Oktober 2007 ein zweites Projekt. Nicht die gefallenen amerikanischen Soldaten sondern die Erinnerung an die tausenden getöteten irakischen Zivilisten steht hierbei im Mittelpunkt. Der Künstler ruft weltweit dazu auf, ein Online-Archiv für Kunstprojekte zu erstellen, die auf die gefallenen Zivilsten im Irak aufmerksam machen. Derzeit umfasst die Sammlung auf der Plattform Iraq Memorial 42 Performances, Installationen, Videos aber auch einige Web-Kunst-Aktionen. So zum Beispiel das erst vor wenigen Tagen gestartete Web-Art-Projekt „Crude Cruft (1 minute memory)“ von Robert Spahr . Mit einem automatischen Skript verknüpft er täglich ein vom amerikanischen Verteidigungsministerium herausgegebenes Bild der amerikanischen Flagge mit tagesaktuellen Berichten über zivile Opfer im Irak.

Kommentar verfassen