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Neuer Ratgeber der Stiftung Mitarbeit und pol-di.net e.V. erschienen: Der stellvertretende Geschäftsführer der Stiftung Mitarbeit Hanns-Jörg Sippel erläutert die Problemstellungen für Initiativen und NGOs auf dem Weg zu einem erfolgreichen Internet-Auftritt.

Als Mitte der 90er Jahre das Internet am Beginn seiner massenhaften Nutzung stand, verbanden sich mit den neuen Kommunikationstechnologien gerade auch für die Demokratisierung der Gesellschaft die Verheißung völlig neuer Möglichkeiten und Chancen. Ein weltumspannender Raum ohne Zensur, demokratisierte Bürger/innen, die per Mausklick wichtige gesellschaftliche und politische Entscheidungen mitbestimmen, neue Formen der Kommunikation, der demokratischen Beteiligung und Beratung. Prophezeit wurde gar eine »schöne neue Welt«, in der sich jenseits räumlicher und zeitlicher Beschränkungen gesellschaftliche Utopien verwirklichen lassen.

Utopie und Wirklichkeit

Die euphorischen Verheißungen sind bekanntlich nicht Wirklichkeit geworden. Spätestens mit dem Ende des Internetbooms und dem Börsencrash wird auch das demokratische Potential des Internet nüchterner betrachtet, die Grenzen des Netzes sind allenthalben kritisch in den Blick geraten. Heute glaubt niemand mehr, allein die interaktiven Möglichkeiten des Netzes – jeder »Informationsempfänger« kann selbst auch »Sender« sein – reichten aus, um aus einer »Zuschauerdemokratie« eine lebendige Bürgergesellschaft zu machen.

Internet als demokratisches und bürgernahes Medium

Geblieben ist die Vision einer Informationsgesellschaft, in der nicht die Wirtschaft, Wissenschaft und große Medienunternehmen im Vordergrund stehen, sondern die sich frei und ungehindert informierenden und mit anderen kommunizierenden Bürger/innen. In dieser Bürgergesellschaft geht die Initiative von unten, von den Bürger/innen aus, die sich die besonderen Eigenschaften des Netzes zu nutze machen und im Internet den demokratischen Umgang mit Informationen etablieren und einüben. Und tatsächlich haben sich neue Formen des demokratischen Dialogs zwischen Bürger/innen und politischen Institutionen wie auch innerhalb der Bürgergesellschaft entwickelt. Erste Erfahrungen zeigen, dass das Internet insbesondere die lokale politische Kommunikation intensivieren kann und neue Formen globaler Kommunikation ermöglicht. So ist das Internet mit seinen Vernetzungsmöglichkeiten zu einem wichtigen politischen Werkzeug für weltweit koordinierte politische Kampagnen geworden. Es haben sich neue internetspezifische Kampagnen- und Protest-Formen entwickelt, um netzinterne oder -externe gesellschaftspolitische Themen durchzusetzen.

Vernetzung und politische Aktivierung

So begannen sich Ende der 90er Jahre verstärkt Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen wie auch Globalisierungskritiker zu organisieren und ihren Protest auf globaler Ebene zu koordinieren. Zugute kam ihnen dabei, dass es mit Hilfe des Internets – durch die weltweite Vernetzung mit Partnern und Informationsquellen – leicht ist, Kampagnen mit globaler Reichweite durchzuführen. Was früher großen Organisationen vorbehalten war, ist heute selbst kleinen Aktivistengruppen möglich. Es entstehen politische Aktionsgemeinschaften, die durch den virtuosen Einsatz alter und neuer Medien eine effektive, globale Vernetzung und politische Aktivierung erreichen. Die Do-It-Yourself-Medien wie Mailboxen, Internet-Mailinglisten, Newsgroups, Websites, Streaming-Technologien schaffen alternative Öffentlichkeiten und Gemeinschaften, sind vergleichsweise preiswert zu realisieren und relativ frei zugänglich. Zum Symbol für die Kraft eines auf diese Weise organisierten weltweiten Protestes wurde die 3. Konferenz der World Trade Organisation (WTO) Ende 1999 in Seattle. Tausende von Protestierenden reisten in einer großen Mobilisierungswelle aus aller Welt an, um gegen die Wirtschaftspolitik der WTO zu protestieren.

Netzwerkförderung durch „Wegweiser Bürgergesellschaft“

Neben diesen spektakulären und medienwirksamen Aktionen stehen die vielfältigen Online-Initiativen von Nicht-Regierungsorganisationen, Verbänden, Zusammenschlüssen, von gesellschaftlichen Initiativen und Projekten. Die Stiftung MITARBEIT hat mit dem »Wegweiser Bürgergesellschaft« (
www.buergergesellschaft.de) ein Angebot geschaffen, das diese oft voneinander isolierten Internet-Aktivitäten zusammenführt. Das Internetportal für die Bürgergesellschaft will neue Formen des Austauschs und der Kooperation zwischen zivilgesellschaftlichen Netzwerken fördern und in den neuen Medien einen Informationsverbund etablieren, der nah an der Bürgergesellschaft ist und alle Formen der demokratischen Teilhabe nachhaltig fördert. Zugleich können sich Interessierte umfassend über die Möglichkeiten des bürgerschaftlichen Engagements informieren.

Seit 40 Jahren unterstützt die Stiftung MITARBEIT (
www.mitarbeit.de) bürgerschaftliches Engagement und Selbsthilfeaktivitäten. Dies geschieht durch Publikationen und Öffentlichkeitsarbeit, Weiterbildungsveranstaltungen, Fachtagungen, Methoden- und Finanzierungsseminare, Projekte zur Demokratieentwicklung und Starthilfeförderung für neue Initiativen. Mit dem »Wegweiser Bürgergesellschaft« überträgt die Stiftung ihre Idee und ihren Auftrag, die »Demokratieentwicklung von unten« zu fördern, ins Internet.

Virtuelle Netze nutzen lernen

Mit der Publikation »Virtuelle Netze nutzen lernen. Der erfolgreiche Weg ins Internet« reagiert die Stiftung auf das Problem vieler Non-Profit-Organisationen, Zusammenschlüsse, Initiativen und Projekte, eine erfolgreiche Website zu konzipieren und dann auch umzusetzen. Zwar sind in der ersten Boomphase des Internets, als nach dem Motto »Be fast or be last« ein großer Run auf das neue Medium einsetzte, von vielen Organisationen eigene Websites ins Netz gestellt worden. Manchmal wurden mit diesen Internet-Auftritten auch neue Wege beschritten und erfolgreiche Lösungen für die eigene Kampagnen- und Öffentlichkeitsarbeit gefunden. Oft aber wurde auch wenig Wert auf Qualität gelegt. Das Ergebnis: Ein Großteil dieser Websites fristet ein Schattendasein im Niemandsland des Netzes. Ganz zu schweigen von den kleinen Organisationen und Projekten, die aus Mangel an Ressourcen oder technischem Verständnis erst gar nicht den Weg ins Internet suchten.

Die Stiftung MITARBEIT und pol-di.net e.V. wollen mit dem Ratgeber die ersten Schritte ins Internet so verständlich wie möglich beschreiben. Am Ende der Lektüre sollen sich die Leser/innen gerüstet fühlen, die wichtigsten Entscheidungen bei der Erstellung oder Überarbeitung einer Internet-Site zu fällen und – falls es einen Etat dafür gibt – mit einer Agentur den Auftritt selbstbewusst zu planen.

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