Mit Massen-Mails ins Weiße Haus

Für ihre Online-Kampagnen investieren US-Präsidenschafskandidaten vor allem in Massen-E-Mails: 60 Prozent des Gesamtbudgets für den Online-Wahkampf flossen bisher ins E-Mail-Marketing, stellt eine Studie der PQ Media Medienforschung fest. Einige Blogger fühlen sich von den Massen an Spendenaufrufen regelrecht gespammt.


Als Spam-Opfer sieht sich zum Beispiel Allen Stern. Im
centernetworks-Blog macht er seiner Enttäuschung über Obama Luft. Als dessen Homepage online ging,
entschied er sich, den Newsletter zu abonnieren. Nachdem die ersten zwei bis drei
Mails eher durch Inhaltslosigkeit glänzten, bestellte er den Newsletter wieder
ab und bekam das auch bestätigt. Jedoch sei er weiter mit Mails belästigt
worden, in denen er um Spenden gebeten wurde.

Ein Einzelfall? Für politik-digital.de wagte ich den
Selbstversuch und abonnierte Obamas Newsletter: In einem Zeitraum von einer
Woche bekam ich drei E-Mails. In denen rief der Präsidentschaftskandidat zu
aktiver Mithilfe beim Wahlkampf auf, beteuerte sein Engagement für mehr
Bürgerbeteiligung an der Politik und verwies auf Youtube-Videos, in denen er um
Spenden bat. Nach Abbestellung des Newsletters gingen auch nach einer Woche
keine weiteren E-Mails mehr ein.

73 Millionen US-Dollar beträgt laut Patrick Quinn von der PQ Media das
Gesamtbudget für den Online-Wahlkampf.
Das ist nur ein kleiner Teil der Summe, die der gesamte Wahlkampf nach Schätzungen
kosten wird: Das Institute for Politics, Democracy and
the Internet
von
Wahlkampfkosten zwischen 12 und 15 Milliarden US-Dollar aus, wie epolitics.com berichtet.
Der
Großteil dieses Geldes werde in Fernsehwerbung investiert. Neben E-Mails
steigen Online-Anzeigen, Videos und Banner in der Gunst der Politiker: 11
Prozent des Online-Budgets fließen in diese Maßnahmen.

Spendenaufrufe per E-Mail besonders effektiv

Die Investion in E-Mails ging seit 2004 zwar etwas zurück –
von 74 Prozent auf eben 60 Prozent – anscheinend sind die politischen
Marketing-Strategen aber nach wie vor vom Erfolg der elektronischen
Postwurfsendung überzeugt. Nicht zu unrecht: Wie die Washington Post
im Februar verkündete, nahm Obama im Januar von 32 Millionen Dollar
Spendengeldern allein 28 Millionen Dollar nur durch seine Onlinekampagne ein.

Warum Obamas Mail-Kampagne so erfolgreich ist, wird im
US-Wahlkampfblog "prodialog" erklärt: „In E-Mails an seine Sympathisanten denken sich Obamas
Kampagnenmacher immer neue Techniken des Fundraising aus. […] In E-Mails
werden Obamas Unterstützer zur Zeit täglich mit Kampagnen-Updates versorgt. Man
fühlt sich wahrhaftig als Teil des Wahlkampfes, schnell ist man ein Glied in
der großen E-mail-Kette der Kampagne."

Eine Antwort auf Mit Massen-Mails ins Weiße Haus

  1. sgerdesmeier sagt:

    Einen Vergleich zwischen Obamas und Clintons Ausgaben für den online-Wahlkampf findet man beim “Democratic Strategist”: http://www.thedemocraticstrategist.org/strategist/2008/04/change_vs_more_of_the_same_onl.php

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