ProDialog schreibt Nichtwählern

Die Initiative ProDialog und das Siegfried Vögele Institut wollten prüfen, ob sich Nichtwähler durch gezielte Mobilisierung zum Urnengang bewegen lassen. Dazu wurde eine Woche vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ein Brief, ein so genannter „Wahlaufruf an Nichtwähler“, an 320.000 Haushalte verschickt. Die Ergebnisse dieses Versuchs stellte die Initiative am heutigen Mittwoch vor.

Im Vorfeld der Versendung versuchte man, die typischen soziographischen Eigenschaften des Nichtwählers zu identifizieren, um den Wahlaufruf zielgruppenspezifisch gestalten und versenden zu können. Die politische Postwurfsendung bestand aus einem Anschreiben, das den Adressaten zur Wahl aufforderte, und einem Flyer, der 10 Gründe für die Beteiligung an der Landtagswahl aufzählte und die Bürger so von der Wichtigkeit ihrer Stimme überzeugen sollte.
Eine Woche nach der Wahl wurden in einer repräsentativen Umfrage 1003 Personen, die das Schreiben erhielten, telefonisch nach ihrer Reaktion befragt. Etwa ein Drittel der Befragten erinnerte sich an das Anschreiben, davon gaben 18 Prozent an, der Brief habe ihnen „wertvolle Informationen“ zur Landtagswahl geliefert, 19 Prozent der potenziellen Nichtwähler meinten gar, der Wahlaufruf habe sie überzeugt, doch noch ihre Stimme abzugeben. 44 Prozent zeigten sich von dem Schreiben gänzlich unbeeindruckt.
Es wurde deutlich, dass viele Nichtwähler keineswegs aus mangelndem Interesse an den politischen Vorgängen ihre Stimme nicht abgeben: Bei der Befragung gaben 91 Prozent sogar an, die Beteiligung an der Landtagswahl für wichtig zu halten. Die Adressaten des Briefes waren außerdem aufgefordert, bei Fragen oder Reaktionen eine Mail an ProDialog zu verfassen. Nicht Wenige folgten diesem Aufruf – Kerstin Plehwe, Vorsitzende von ProDialog, zeigte sich positiv überrascht von der Konstruktivität dieses Feedbacks und von der Auseinandersetzung mit politischen Ereignissen, die sich hier widerspiegelte. Aus diesen Reaktionen und den Ergebnissen des Wahlaufrufs schließt sie auf eine grundsätzliche Mobilisierungsfähigkeit der Nichtwähler: „Gerade die direkte Ansprache mobilisiert offenbar. Dies sollte für alle Parteien und Institutionen ein Signal für mehr Aktivität in diesem Bereich sein.“

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