Sprachbarriere

Trotz des großen Involvements und der zahlreichen Webprojekte im Onlinewahlkampf 2005 scheinen die üblichen Verdächtigen im Ausland das Geschehen in Deutschland nicht besonders intensiv zu verfolgen. (Weder Cyberjournalist noch politicsonline haben meines Wissens den Bundestagswahlkampf auch nur erwähnt. Selbst im BBC Action Network ist kauf den ersten Blick kein Eintrag zu finden.)


Jetzt ist es ja nicht so, daß nichts los wäre: Die Parteien nutzen bloggen und podcasten, und rekrutieren ihre Helfer online. Da sind ich-gehe-nicht-hin, ich-geh-hin und egal-ich-geh-zur-wahl.

Die Akteure, kann man wohl also sagen, are getting the basics right.

Und trotzdem scheint das die Mehrheit der Wahlbeobachter im Ausland nicht besonders mitzubekommen. Gerade im Onlinewahlkampf finde ich das doch sehr überraschend: Jede Online-Kampagne entwickelt das Medium weiter, entwickelt neue Tools und frische Strategien. Und D2005 ist da keine Ausnahme.

Liegt es an der kurzen Vorbereitungsfrist durch die vorgezogene Wahl? Wohl kaum: Wenn die Zeit reicht, eine Kampagne zu planen und durchzuführen, reicht es für die Berichterstattung allemal.

Ist Deutschland nicht relevant? Unwahrscheinlich: Dank hoher Internetpenetranz und sehr informierter Wahlkämpfer (die neue Technologien geradezu aufzusaugen scheinen, wie man an Weblogs und Podcasts sehen kann…) ist der Wahlkampf hier ja durchaus eine konsequente Weiterentwicklung der Kampagnen in den USA und Großbritannien.

Oder ist die Sprachbarriere wirklich so hoch? Tatsächlich scheint mir das der Hauptgrund zu sein. Während Parteien, Agenturen, Bürgerinitiativen, ThinkTanks und Magazine in Deutschland durchaus einen Blick auf die englischsprachigen Kampagnen werfen können, haben die britischen und amerikanischen Wahlkämpfer diese Chance wohl einfach nicht: Sei es mangels Motivation, oder mangels Ressourcen.

Das zeigt wohl zweierlei: Erstens, bis die Erkenntnisse und Analysen des Wahlkampfs 2005 ins Ausland vordringen, wird es wohl eine Weile dauern. Und zweitens, Wahlkämpfer&Analysten hierzulande haben dadurch einen gewissen Vorsprung, denn sie haben ihre Hausaufgaben gemacht. Und können auch einfach mal einen Blick auf ihre Nachbarn werfen und schauen, was die denn so treiben.

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