China: Dotcom-Hype vs. politisches Kontrollbedürfnis

Die Strategie der chinesischen Führung, den maroden und festgefahrenen staatlichen Mediensektor durch eine schrittweise Liberalisierung und die Öffnung für ausländisches Kapital zu modernisieren, scheint erfolgreich gewesen zu sein. Vor allem im Bereich der Internetwirtschaft ist dies spürbar: Neue Start-Ups schießen wie Pilze aus dem Boden, ausländische Medienunternehmen investieren Millionenbeträge und an der Börse herrscht eine Goldgräberstimmung wie zu den Boom-Zeiten der New Economy. Ein Blick auf den Monat August verdeutlicht diese Euphorie: Reuters berichtet über einen neuen Dotcom-Hype im Zusammenhang mit Weblogs, Yahoo kauft sich für über eine Milliarde US-D Anteile an der chinesischen E-Business-Firma Alibaba und die Aktien des chinesischen Google-Konkurrenten Baidu steigen beim Börsengang um satte 353,9 Prozent.

Die Gegenseite dieser ökonomischen Erfolgsstory beleuchtet der britische Economist:Dieser berichtet in seiner neuesten Print-Ausgabe unter der Überschrift “China´s Media – Back on the leash” über eine immer stärkere Angst der Regierung, die Kontrolle über die Medienlandschaft und vor allem die neuen Medien wie das Internet zu verlieren. Ähnliches war auch schon Anfang des Monats in der Washington Post zu lesen.

Der Konflikt zwischen dem ökonomischen Imperativ auf der einen und dem politischen Kontrollbedürfnis des autoritären Regimes auf der anderen Seite scheint sich im Bereich der neuen Medien immer weiter zu verschärfen. Bleibt spannend zu sehen, ob der bisher erfolgreich vollführte Spagat auch weiterhin gelingt.

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