Schade. Schade. Schade.

‘Gesine Schwan for President’ – dieser Slogan kommt mir irgendwie bekannt vor: Mitte der 90er Jahre, Gesine Schwan war Dekanin der Politologen am Osi der FU Berlin, wirkte ich in der Politologen-Postille “oz – osi-Zeitung” mit. Als wieder einmal Uni-Präsidenten-Wahlen anstanden, gab es zaghafte Versuche einiger Studenten, sie als Nachfolgerin ins Gespräch zu bringen. Schwan wurde zwar als konservativ wahrgenommen, galt aber als gute Lehrerin, ernstzunehmende Wissenschaftliern und integer. Das konnte man von der Männerseilschaft im Präsidialamt (die offenbar bis heute regiert) nicht behaupten. Im Interview mit der ‘oz’ winkte Schwan ab: “Vielleicht in 10 Jahren”. Später wurde sie von der FU vergrault. Ich frage mich schon, warum sich diese intelligente Frau jetzt als reine Zählkandidatin zur Verfügung stellt.

Bei der Friedrich Ebert Stiftung fanden wir dank Hinweis eines Lesers vor einigen Tagen einen alten Text von Schwan, der sie auch den Themen von politik-digital.de etwas näher rückt: Im Januar 2001, die New Economy lag frisch am Boden, hob sie an zu einem Angriff auf die damals im Trend liegenden Konzepte für eine “virtuelle Universität”. Schwan sah bereits das Ende der direkten Kommunikation dämmern und fürchtete: ” … die an Raum und Zeit gebundene Universität durch eine virtuelle zu ersetzen, bedeutet, sich freiwillg um den Erkenntnisreichtum, die Reflexionstiefe und die Kreativität zu amputieren, die uns Menschen mit unseren vielfältigen Sinnen potentiell geschenkt sind.”

Hoppla, Frau Schwan! Weder erkennt Schwan ausreichend an, dass die Debatte schon damals nie von einer ausschließlich virtuellen Zukunftsuniversität ausging, sondern dass das Internet schon immer vorrangig als mögliche ERGÄNZUNG zu vorhandenen Bildungsstrategien gedacht wurde. Zudem erkennt sie eben die demokratisierenden und kreativen Potenziale der neuen Medien (und damit ihre Bedeutung auch für politische Aus-/ Bildung) aus Unkenntnis nicht an. Johannes Rau hat schon mit politik-digital.de gechattet. Doch demokratische Potenziale des Netzes sind mehr als chatten. Frau Schwan, rufen Sie uns an, wir überzeugen Sie, dass Sie den Text heute so nicht mehr schreiben könnten!

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