Inhaftierter Journalist erhält Preis für Medienfreiheit

Für die chinesische Regierung ist er ein Verräter, für den Weltverband der Zeitungen (WAN) ein Held der Pressefreiheit: Der Journalist Shi Tao, der momentan in China eine zehnjährige Haftstrafe absitzt. Der WAN hat ihm auf seiner Tagung in Kapstadt die “Goldene Feder der Freiheit” verliehen. Hinter dem blumigen Namen verbirgt sich eine Auszeichnung für den Kampf um Medienfreiheit.

Shi Taos Fall gilt als Paradebeispiel für die Internet-Zensur der chinesischen Regierung: 2005 verschickte er zwei E-Mails an US-amerikanische Websites. In diesen verriet er eine geheime Regierungsanweisung, wie Journalisten über den Jahrestag des Aufstands auf dem Platz des Himmlischen Friedens berichten sollten – nämlich gar nicht. Diese Mails versandte er über Yahoo. Das Unternehmen gab die Informationen an die chinesische Regierung weiter, Shi Tao wurde verhaftet und zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Der WAN-Vorstand kritisierte sowohl die chinesische Regierung als auch das Verhalten Yahoos. Es sei nicht akzeptabel, dass ein Unternehmen ein Regime bei der Gängelung freier Medien unterstütze, so George Brock, Präsident des Internationalen Forums der Chefredakteure.

Pikantes Detail: Noch bis kurz vor der Preisverleihung drängte der chinesische Zeitungsverband, auf die Auszeichnung zu verzichten, blitzte damit aber beim WAN-Präsidium ab. Daraufhin sagte die chinesische Delegation ihre Teilnahme an der Konferenz wieder ab.

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