Wem kann man vertrauen?

Tatsächlich habe ich mich also nach Leipzig aufgemacht, um auf der Konferenz "Mehr Vertrauen in Inhalte", die als Teil der EU-Ratspräsidentschaft von der Bundesregierung durchgeführt wird, teilzunehmen. Wie schafft man das, mehr Vertrauen in Inhalte zu organisiere, steht hier über allem – mich interessiet aber auch: Wer hat Interesse daran, Vertrauen im Internet zu schaffen und warum?
Daher habe ich für den Rest mein eigenes persönliches Ranking beschlossen, was die Vortragenden betrifft:

1. Vertraue ich dem was die Person sagt?

2. Würde ich der Person einen Gebrauchtwagen abkaufen?

Und hier geht’s schon los. Den Aufschlag machte Staatsminister Bernd Neumann, Staatsminister für Kultur. Er glaubt an die Selbsregulierungskräfte der Wirtschaft und an die Freiwillige Selbstkontrolle, was die Inhalte angeht. Daher sollen die Anbieter auch in Zukunft für ihre Inhalte haften.

Vertauen in Inhalte: JA! Denn es tut kaum weh.

Gebrauchtagen: NEINI! Da war mal was mit der CDU-Spendenaffäre als Neumann noch CDU-Chef in Bremen war. Seitdem kann ich mir das beim besten Willen nicht mehr vorstellen.

Weiter machte Kurt Beck, in seiner Funktion als Chef der Rundfunkkommission. Seine Aussage: Die EU ist toll und wir schaffen das schon mit der Harmonisierung des europäischen Medienrechts ohne die nationalen Unterschiede zu verwischen.

Vertrauen in Inhalte: JA. Denn die Aussagen tun noch weniger weh als die von Neumann. Der Redenschreiber hatte einen schlechten Tag, dass kann nicht mal Beck mit seiner unterhaltsamen Art und lebendigen Ausstrahlung rausreißen.

Gebrauchtwagenkauf: JA! Ich mag den Kerl, weil er sich in seinem Bundesland für bürgeschaftliches Engagement einsetzt (mehr als andere Landesväter), auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass er Kanzler werden wird.

Als nächstes sprach Dana Dunne, AOL-Chef in Deutschland. Er stellte sein Unternehmen vor, redete nicht über das Thema der Konferenz, aber über die Kompetenz des Unternehmens im Bereich Social Software. Aussagen: "Wir haben Web 2.0 immer schon gemacht"; "Social Networking has been our mission for over 20 years"; "Die Konkurrenz ist einen Klick entfernt"; "20 neue oder reformierte Produkte im Jahr 2007"; "Wir haben eine social vision"; "Trust is a way of life". Gar nicht passte das zu seiner Aussage: "We just sold all our subscribers".

Inhalte: NEIN! Der Mann ist eine PR-Maschine.

Gebrauchtwagen: NEIN. Typischer Veteter der Fraktion, die einen IMMER übers Ohr haut.

Dann war da noch Viktor Mayer-Schönberger (Harvard University). Sympathisch: Schmiss sofort sein Jackett auf den Boden (hallo, alle wach), rief "let’s get some activity in here" und vestand es so halbwegs, die Spannung zu halten. Inhaltlich von Gutenberg bis Google – naja, wer’s noch nicht gehört hat.

Inhalte: Ja. Alles richtig und gut.

Gebrauchtagen: Ja, warum nicht.

Eine Antwort auf Wem kann man vertrauen?

  1. Ich frage mich gerade, wer von den Konferenzgästen wohl welche Gebrauchtwagenmarke verkauft:
    Beck ganz klar VW-Passat, Neumann vermutlich irgendsoeine Intellektuellnkutsche (Citroen vermutlich), der AOL-Chef 3er-BMW und der Harvard-Mensch garantiert Volvo.

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