Internationale Preise für Daten-Missbrauch

Bereits seit 10 Jahren vergibt die britische Nichtregierungorganisation “Privacy International” Auszeichnungen, über die sich die Preisträger nicht freuen dürften: Die Big Brother Awards werden in 18 Ländern an Unternehmen und Institutionen verliehen, die es mit dem Datenschutz nicht ganz so genau nehmen. Im kanadischen Montreal fand nun am 3. Mai die Verleihung der ersten internationalen Big Brother Awards statt.


In der Kategorie “größte Fehlleistung beim Schutz der Privatsphäre” gewann Stewart Baker, Vizeminister im US-Ministerium für innere Sicherheit. Baker wird für die verschärften Sicherheitsvorschriften nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 verantwortlich gemacht. Er setzte sich gegen die “Mitbewerber” Wladimir Putin, Tony Blair und den amerikanischen Justizminister Alberto Gonzales durch.

Den Titel “abscheulichste Regierung” bekam das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland verliehen. Unter den demokratischen Staaten sei Großbritannien die größte Überwachungsgesellschaft, so die Begründung der Jury. Damit ließ das UK sowohl die USA als auch China und Tunesien hinter sich.

Mit dem Verkauf personenbezogener Daten qualifizierte sich das Unternehmen Choicepoint für einen Preis. Die Internationale Fluggastgesellschaft (International Civil Aviation Organiation, ICAO) darf ebenfalls als schlechtes Beispiel gelten: Sie führte den Biometrie-Pass und den Austausch von Fluggastdaten ein.

Ausgerechnet das “Gute” wurde zur “lebenslangen Plage” ernannt. Das Atribut “gut für die Gesellschaft” komme nämlich immer dann zum Einsatz, wenn schlechte Maßnahmen gerechtfertigt werden müssen, die sich gegen die Rechte des Einzelnen richten.

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