“Das eGovernment in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf”

Das Drama, Erster Akt (im holzgetäfelten Ratssaal einer ehemals blühenden Industriestadt in Brandenburg kommen die Lokalpolitiker zusammen und nehmen Platz- streng nach Fraktionen getrennt)

Dagmar Püschel (Linkspartei.PDS): “Was die in Schwedt können, können wir in Eisenhüttenstadt schon lange. Wir sollten dafür sorgen, dass der Bürger schnell und bequem an Informationen kommt. Wir stellen den Antrag, dass die Protokolle unserer Ratssitzungen ins Internet gestellt werden.”


Auftritt (von rechts) Wilfried Steinberg (Republikaner): “Wer Interesse hat, der kommt ins Rathaus!”

Holger Wachsmann (SPD): “Ich sehe Diskussionsbedarf für den nächsten Hauptausschuss. Wir sollten allerdings bedenken, dass die Sitzungsprotokolle mit zu viel Zeitverzögerung erstellt werden.”

Marina Marquardt (CDU): “Auch wenn der Antrag von der SE… äh…PDS kommt, haben wir nichts dagegen. Tatsächlich fordern wir, dass nicht nur die Protokolle, sondern sogar die Vorlagen und Tagesordnungen in dieses Netz gestellt werden!”

Thomas Kühn (stellvertretender Bürgermeister): “Das ist doch alles auf dem Weg. Wir arbeiten an einem Bürger- und Ratsinformationssystem, so wie das vom Landkreis. Aber alles Schritt für Schritt. Sie wissen doch: Überholen ohne einzuholen! So können wir sogar Papier sparen.”

Erwin Linke (Bürgerfraktion): “Da müssen Sie mir aber erst noch einen Computer besorgen!”

Das Drama, Zweiter Akt (Ein Bürger nähert sich der Rathauspforte, ein griesgrämig dreinblickender Pförtner öffnet missmutig das kleine Sprechfensterchen in seinem Glaskasten)

Bürger: “Guten Tag, ich würde gerne die Protokolle der letzten Ratssitzung einsehen…”

Pförtner: “Da könnte ja jeder kommen, sehe ich aus wie die Auskunft? Die Protokolle liegen öffentlich aus: Auf schriftlichen Antrag in dreifacher Ausfertigung in ungeraden Monaten nach einer Mondfinsternis freitags von 9 Uhr bis 9:15 Uhr im Rathauskeller hinter der verrosteten Eisentür, die von einem bissigen Schäferhund bewacht wird…”

Das Drama basiert auf einem Bericht der Märkischen Oderzeitung, Zitate wurden übernommen und teilweise zwecks stärker Herausarbeitung der Realsatire ergänzt.

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