Pinochet ist tot: grimmige Freude.

Ich wünsche niemandem den Tod an den Hals, aber die Nachricht des Todes von Augusto Pinochet erfüllt mich mit sowas wie grimmiger Freude. Allerdings erschent es unglaublich, dass der Greis tatsächlich sein Leben lang mit den Verbrechen davon kam, die unter seiner Diktatur verübt wurden. Ich habe in meinem Studium und davor Menschen kennen gelernt, die in chilenischen Internierungslagern in der Wüste saßen aber über das, was sie da erlebten, fast niue sprechen wollten. Einer Frau, die mir ihre Geschichte erzählte, zeigte mir Narben, wo man Zigaretten auf ihrer Haut ausgedrückt hatte. Andere Frauen mit denen ich sprach, berichteten von Ihren Männer und wie diese eines Tages verschwanden und die bis heute nicht wissen, ob sie erschossen und vergraben oder lebendig aus einem Hubschrauber geworfen wurden. Ich habe eine Frau in meinem Alter kennen gelernt, deren Vater verschwand einfach, und sein Name taucht in keiner Liste auf. Ich erinnere mich an eine Frau, die gab mir nach der Diktatur den Bericht der demokraischen Regierung über die Menschenrechtsverletzungen und riet mir, bei Militärkontrollen zu behaupten, ich sei von der UNO – weil der Besitz des Berichts sonst zu Schwierigkeiten führen könne. Ich kenne einen Familienvater, der davon kam und Jahre später in einem demokratischen Land noch Panik bekam, wenn seine Kinder auch nur den Anflug von politischem Aktivismus zeigten. Ich habe in die spiegelverglasten Brillen von chilenischen Polizisten geschaut, während sie alle Chilenen um mich herum schikanierten, aber den Ausländer in Ruhe ließen. Ich habe gesehen, wie die Polizei mit Gewehren auf Demonstranten zielten, die den Tag des Putsches nicht feiern wollten. Ich habe einen Arzt kennen gelernt, der mir fast emotionslos berichtete, er sei aus einer Ärztevereinigung ausgeschlossen worden, weil man ihm nachgewiesen habe, dass er bei Folterungen dabei gewesen war. Ich habe einen der Rechtsanwälte des Ex-Geheimdienstchefs kennen gelernt (der einzige, der im Knast landete), der im Vertrauen klar sagte: "Natürlich war er schuldig". Jetzt ist Augusto Pinochet tot. Ich wünschte, das wäre viel früher passiert.

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