“Lichtenberg ist nicht Amerika”

Am gestrigen Montag fand in Berlin der 18. Social Media Club statt, diesmal zum Thema „Internet im Landtagswahlkampf Berlin 2011“. Juliane Witt (Die Linke), Stefan Gelbhaar (Bündnis 90/Die Grünen), Yannick Haan (SPD) und Thomas Heilmann (CDU) diskutierten über die Rolle, die soziale Netzwerke im Wahlkampf spielen.

Eröffnet wurde die Diskussionsrunde mit einem kurzen Vortrag von Jochen Koenig, Student und ehemaliger Mitarbeiter der VZ-Netzwerke, der bereits 2009 anlässlich der Bundestagswahlen in die Veranstaltung eingeführt hatte. Er zog den Vergleich zwischen den Online-Wahlkampfmethoden von 2009 und 2011 und kam zu dem Schluss, dass man im Netz noch keine Wahlen gewinnen könne, dass es aber auch nicht mehr ganz ohne ginge. „iPhones hängen keine Plakate auf“, erklärte er und forderte ein Zusammenspiel von Online- und Offline-Kampagnen.

Der Landesvize der Berliner CDU Thomas Heilmann beschrieb, wie seine Partei im Vorfeld der Wahlen die Bürger mittels E-Partizipations-Methoden erfolgreich hatte zu Wort kommen lassen. Er betonte jedoch, dass man nicht jeden Vorschlag auch mit in die Zielsetzungen der Partei übernehmen könne. „Es geht nicht darum, ein Wünsch-dir-was-Konzert zu machen“, man höre sich stattdessen die verschiedenen Meinungen an, um diese dann abzuwägen und zu bewerten.

Stefan Gelbhaar, Kandidat der Grünen für den Wahlbezirk Lichtenberg, erklärte, dass man sich mit Hilfe des Online-Wahlkampfs und sozialer Medien einen direkten Dialog mit den Bürgern erhoffe. Er wies aber auch darauf hin, dass nach der Kommunikation mit den potenziellen Wählern auch die entsprechenden Aktionen folgen müssten.

Bereits in der vorangegangenen Legislaturperiode sei es versäumt worden, den Austausch mit den Bürgern zu suchen, beschwerte sich Yannick Haan, der als Autor unter anderem beim Forum Netzpolitik der SPD schreibt. Der Blogger und Journalist räumte aber auch ein, dass man sich trotz der großen Möglichkeiten, die soziale Netzwerke und das Internet sowohl für Werbung als auch für die parteiinterne Kommunikation bieten, nicht erhoffen sollte, mit Online-Kampagnen unerwartet eine Wahl zu gewinnen. „Lichtenberg ist nicht Amerika“, ließ Haan verlauten und verlieh damit dem Gedanken Ausdruck, dass vor allem auf kommunaler Ebene Wahlen immer noch auf der Straße gewonnen werden.

Die Politik stecke noch in den Kinderschuhen, was das Internet angehe, stellte Julia Witt, Kandidatin der Linken in Marzahn/Hellersdorf und Büroleiterin des Senators Harald Wolf, fest. Zum einen liege dies daran, dass aktuell nur ein kleiner Teil der Bevölkerung das Internet dazu nutze, sich am politische Geschehen zu beteiligen. Andererseits sei es aber auch ein Problem, dass viele Politiker noch Angst hätten, „sich ins Netz zu wagen“. Dass dort sogar kleine Tippfehler zu einem Skandal in der Presse werden könnten, erzeuge Zurückhaltung. Es müsse erlaubt sein, Menschlichkeit zu zeigen, schließlich seien kleine Fehler manchmal viel authentischer. Dies bekräftigte auch Moderator Stefan Gehrke und kam zu dem Schluss: „Politiker sind ja nicht nur Maschinen“.

Hier der Link zum Video der Veranstaltung.

Eine Antwort auf “Lichtenberg ist nicht Amerika”

  1. Björn Stecher sagt:

    danke für die Review. War eine sehr gute Gesprächsrunde.

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