Kopieren statt kapieren

Engagiert versucht die Kampagne des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain auf Barack Obamas aufwändigen Internetwahlkampf zu reagieren. Besonders die aggressiven YouTube-Videos bekommen große Aufmerksamkeit. Nun ruft McCain aber dazu auf, die Offenheit des Mitmachwebs zu missbrauchen.

Das Web 2.0 basiert darauf, dass in offenen Foren jeder seine Meinung sagen und seine Geschichte erzählen kann. Barack Obama weiß dies zu nutzen; auf allen großen Seiten ist er vertreten und seine Anhänger machen Stimmung für den Demokraten. John McCain stellt sich weniger glücklich an. In einem Interview outete er sich kürzlich als Internetamateur, dann nutzte er unerlaubt ein Musikstück in einem Video. Nun ruft er zum unsachgemäßen Gebrauch des Internets auf.

Im Action Center seiner Webpräsenz kann man vorgefertigte, täglich aktuelle Texte beziehen, um sie wörtlich in den großen Foren des Internet oder Kommentarbereichen von Blogs einzustellen. Insgesamt 97 verschiedene Websites schlägt die McCain-Kampagne hierzu vor. Kritisch dabei: Dass die Texte offizielles Wahlkampfmaterial sind, ist nicht erkenntlich und soll auch nicht erwähnt werden. „Please use your discretion“, heißt es auf der Seite.

„Netzverschmutzung“

Hat ein User einen der Texte platziert, kann er sich dafür belohnen lassen. In einem Formular auf der McCain-Seite kann er eintragen, wo er etwas hinein kopiert hat und bekommt dafür Bonuspunkte. Das Blog Textdepot spricht von „schlichtem Kommerz“ und „Netzverschmutzung“, Todd Defren von der „feigen Benutzung unschuldiger Einfaltspinsel“. Der Blogger ChubbyChaser sieht das Ganze lockerer: Er postet den gewünschten Text gleich als Blogeintrag und fragt dann: „Mr. McCain, bekomme ich jetzt ein Hovercraft?“

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