Kinder, Kinder: Digitale Bildung in der Generation Z

johann-digitaler-salon-oktoberDas Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft lud im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Digitaler Salon“ zur Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen wirksamen Jugendmedienschutzes im Internetzeitalter ein. Produktive Kontroversen fehlten der Diskussion jedoch – was nicht zuletzt an der Abwesenheit der Zielgruppe gelegen haben mag.

„Generation Golf“, „Generation Praktikum“, „Generation Y“ – jetzt also „Generation Z“. Zumindest, mit Blick auf die Alterskohorte – Jugendliche, die in den Jahren von 1995 bis 2008 geboren wurden – war das Thema der in Kooperation mit D Radio Wissen veranstalteten und vom Medienboard Berlin-Brandenburg geförderten Diskussion halbwegs eingegrenzt. Eine für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in vielerlei Hinsicht hochinteressante Zielgruppe, die ein Leben ohne das Internet bewusst gar nicht mehr kennengelernt hat. Eine Altersgruppe zudem, die mit dem Netz – und hier insbesondere mit Social Media-Angeboten – als neben Eltern, Freunden und Schule „viertem Sozialisationsfaktor“ aufwächst. Eine Altersgruppe, die in ihrem „Medienalltag“ wie keine Generation zuvor jeden Tag aufs Neue mit den Chancen und Herausforderungen, die digitale Angebote für die eigene Persönlichkeitsbildung bereithalten, konfrontiert ist.

Genug Diskussionsstoff also und – angesichts aktueller tagespolitischer Debatten über den Umgang mit sowie die Regulierung von Hasskommentaren im Netz oder dem seitens der Bundesregierung auf dem nahenden Nationalen IT-Gipfel gesetzten Thema Digitale Bildung – auch genug Raum für kontroverse Zugänge zum Thema Jugendmedienschutz im Netz. Möchte man meinen.

Zwar waren mit der Medienpädagogin Jördis Dörner, dem Jugendkulturforscher Matthias Rohrer und Björn Schreiber, Referent für Medienbildung bei der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM e. V.), Praktiker aus der Welt des Jugendmedienschutzes anwesend. Doch gerade die Perspektive der drei Panelisten auf Thema und Zielgruppe, ließ die angekündigte Diskussion bereits bald nach Beginn zu einem überraschend einseitigen Frage-Antwort-Spiel, einem – durchaus kenntnisreichen – Referat von Fakten werden.

It’s the Medienkompetenz, stupid!

Medienkompetenz – kein anderer Terminus durchzog die gesamte Debatte derart hochfrequent. Naheliegend – und kaum ein anderer Terminus harrte am Ende der Veranstaltung so sehr einer abschließenden Eingrenzung. Ein Alter jedenfalls, ab dem Kinder und Jugendliche ihre „digitale Volljährigkeit“ erreichten, gäbe es ihrer Ansicht nach nicht, so die Medienpädagogin Jördis Dörner. Es handle sich vielmehr um einen steten Prozess. Einen Prozess, in dem Kinder und Jugendliche in den Dimensionen „Wissen über Medien“, „Praxis“ und „Urteilsfähigkeit“ ihre Fähigkeiten schärften. Abhängig sei dieser Prozess viel eher von milieuspezifischen Faktoren wie dem Elternhaus oder dem Freundeskreis.

„Fürs Leben lernen wir, nicht für die Schule.“ – ein Sinnspruch aus dem vordigitalen Zeitalter, der wohl kaum jemals so viel Wahrheit besaß wie derzeit, denn – so viel wurde im Verlauf der Diskussion ebenfalls deutlich: Der Ort, an dem Kinder und Jugendliche ihre Fähigkeiten im Umgang mit (neuen) Medien herausbilden, liegt nach wie vor im Nebel. Das Problem scheint hier nicht grundsätzlich die Infrastruktur an den Schulen und Weiterbildungseinrichtungen zu sein, sondern Lehrerinnen und Lehrer, die die neuen digitalen Möglichkeiten für den Unterricht nicht nutzen (können) bzw. sich nicht trauen. Wer also nimmt den Pädagogen die Sorge, sich im Umgang mit Smartphone, Tablet & Co. vor der Schülerschaft zu blamieren? Und in welchem Fach sollte digitale Bildung verortet werden? In einem spezifischen Schulfach oder fächerübergreifend?

Allerpätestens an diesem Punkt hätte es der Diskussion gut getan, einer Lehrerin oder einem Lehrer – möglicherweise im Dialog mit Schülerin oder Schüler – die naheliegenden Fragen zu stellen, die auf der Veranstaltung durchaus an- aber zu keinem Zeitpunkt ausdiskutiert wurden.

Kontroversen, Widerreden, zumindest aber Einsprüche mochten trotz zahlreicher engagierter Nachfragen und Impulse der Moderatorin Katja Weber von DRadio Wissen, nicht oder kaum aufkommen.

Die Diskussion über die Aufgaben digitaler Bildung steht erst am Anfang

Nicht zuletzt mit dem Schwerpunktthema Digitale Bildung und dem von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka jüngst vorgestellten „DigitalPakt #D“ hätte es genügend aktuelle tagespolitische Anknüpfungspunkte für Diskussionen zum Thema gegeben. Der jugendliche Diskussionsteilnehmer jedenfalls, der – in Begleitung eines Erziehungsberechtigten – ursprünglich zugesagt hatte und dann, so Moderatorin Weber, doch verhindert war, hätte der Debatte gutgetan.

In der Reihe Hörsaal auf DRadio Wissen steht die Zusammenfassung der Diskussion ab November hier zum Nachhören bereit.

Titelbild von Johann Eggert

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