Kann man Demokratie hacken? #DataDebates

fdp artikelbildMit der zunehmenden Vernetzung der digitalen Infrastruktur steigt das Risiko, dass diese angegriffen wird. Fälle über Cyber-Attacken werden publik und wir fragen uns zunehmend, wer uns schützt und wer verantwortlich ist für die Gewährung unserer Cybersicherheit.

Zum Thema „Kann man Demokratie hacken? Sicherheit von Wahl, Wirtschaft und Behörden“ lud der Tagesspiegel mit dem Telefónica Basecamp am 08.11.2017 zu einer spannenden Diskussionsrunde mit den Experten Prof. Dr. Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, Dr. Karsten Nohl, Geschäftsführer der Security Research Labs, Guido Eidmann, CIO und Mitglied des Vorstandes von Telefónica Deutschland und Dr. Sandro Gaycken, Direktor des Digital Society Institute. Eine facettenreiche Diskussion gab Denkanstöße und sensibilisierte für das Thema Cybersicherheit.

„Wir brauchen eine digitale Genfer Konvention“

In einem vorangestellten kurzen Vortrag präsentierte Prof. Dr. Ischinger seine Vorstellungen eines angemessenen Umgangs mit der stattfindenden Veränderung durch die Technologisierung. Wichtig sei es, den neuen Technologien nicht per se mit ablehnender Haltung zu begegnen, sondern sie mit gesunder Skepsis zu akzeptieren. Relevant sei es ebenfalls, soIschinger, sich Gedanken über die dadurch eintretenden Veränderungen der Infrastruktur zu machen. Er habe auch gehäuft die Erfahrung gemacht, dass Politiker und Vertreter der Technikvertriebe oftmals aneinander vorbeireden oder aufgrund mangelnder Expertise auf dem Gebiet des Gesprächspartners sich nicht verstünden. Von Vorteil könnte der Einsatz von Dolmetschern auf beiden Seiten sein. Der Staat sei vor große Herausforderungen gestellt und es fehle an Regeln. Helfen könnte eine Art digitale Genfer Konvention, die den Bürgern, Unternehmen und Behörden mehr Schutz bietet.

Konkrete Ansätze für mehr Cybersicherheit

In der Diskussionsrunde präsentierten die eingeladenen Gäste ihre Lösungsvorschläge zu der Frage: „Wer ist für die Herstellung und Bewahrung unserer Sicherheit im Netz verantwortlich?“ Der allgemeine Konsens lautete, der Staat solle sich allgemein mehr mit der Sicherheitstechnik beschäftigen, mehr Sicherheitslücken kaufen und Sicherheitsupdates durchführen.

Jedoch nicht nur der Bund, sondern auch die EU trage die Verantwortung, die Cyber-Politik voranzutreiben und Gesetze und Regelungen auf europäischer Ebene zu etablieren. Jedoch könne die Verantwortung nicht allein bei der Politik liegen. Die Gesellschaft sei aufgefordert, Initiativen und Stiftungen zur Aufdeckung von Sicherheitslücken zu gründen und damit ihren Beitrag zu mehr Sicherheit im Netz zu leisten. Nur ein gutes Zusammenspiel zwischen den großen Polen Gesellschaft, Politik und Technologie könne zu zufriedenstellenden Lösungen führen.

Wichtig sei ebenfalls die Transparenz seitens der Technik-Unternehmen, so Ischinger. Diese sollen ihre Sicherheitslücken benennen und die Öffentlichkeit informieren. Aber auch das Bewusstsein über Risiken bei der Nutzung der digitalen Medien sei von großer Bedeutung, betont Guido Eidmann. Dadurch können die Nutzer zu mehr Verantwortungsgefühl in Bezug auf die Preisgabe ihrer Daten motiviert werden.

Eine Diskussion ist dann spannend, wenn das zugrundeliegende Problem noch nicht gelöst wurde und viele Lösungswege offen stehen. So gestaltete sich die DataDebates als sehr informativ und bot viele Denkimpulse. Und gleichzeitig zeigte sie den wahrscheinlich noch etwas längeren Weg bis zu einer verlässlichen Cybersicherheit auf.

Titelbild: © Henrik Andree; eigene Bearbeitung

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