Kabellos glücklich?- Neue Studie zum „mobilen Internet“

Jesus am Kreuz  neben einem Kabel- Internet Shop Gestern wurde eine neue Studie zum Thema mobile Internetnutzung veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen: Die Nutzung von mobilem Internet steigt, genau wie die Verkaufszahlen von Smartphones und Tablets. Parallel dazu wachsen aber auch Bedenken zur Datensicherheit und Angst vor Vereinsamung innerhalb der Bevölkerung.

Wer sich in der U-Bahn oder im persönlichen Umfeld umschaut, den wird das zentrale Ergebnis der Studie von Initiative D21 zunächst wenig überraschen: die Nutzung von mobilem Internet hat zugenommen. Insgesamt 40% der Befragten nutzen mittlerweile das mobile Internet, was einem Zuwachs von 13% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Lässt man die Gruppe der Offliner weg, so hat mittlerweile jede/r zweite InternetnutzerIn das mobile Internet für sich entdeckt. Auch die Gruppe der SmartphonebesitzerInnen ist auf 37% angewachsen und die Nutzung von Tablets von 5 auf 13% gestiegen.

Positive Bilanz

Die Vorteile des mobilen Internets aus Sicht der NutzerInnen liegen vor allem in der ständigen Verfügbarkeit einer Vielzahl an Informationen, der Schnelligkeit der Informationsbeschaffung, sowie der vereinfachten Vernetzung mit Freunden.

Hans-Joachim Otto, MdB und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie begrüßt den starken Anstieg an NutzerInnenzahlen im letzten Jahr. Insbesondere freut ihn die dynamische Entwicklung der neuen Technologie LTE, die zwar schon 27% der Befragten kennen, die aber bisher nur von 7% genutzt wird. Die Zahlen sind für Otto allerdings zukunftsweisend und bestätigten das Technik-offene Vorgehen des Ministeriums. So habe Minister Rösler außerdem als Ziel vorgegeben, Deutschland bis zum Ende des Jahrzehnts als IKT Standort im internationalen Ranking, vom momentanen 6. Platz auf das „Siegertreppchen“ zu bringen.

Die NutzerInnenstruktur des mobilen Internets zeigt, laut des Vizepräsidenten der Initiative D21 Robert A. Wieland, dass Männer häufiger als Frauen das mobile Internet nutzten und auch Menschen mit einem höheren Bildungsgrad eher zum NutzerInnenkreis zählten.

Dabei steigt offenbar vor allem die Nutzung sozialer Netzwerke auf mobilen Endgeräten, aber auch Emails oder die Suche nach Themen und Inhalten sowie der Online- Einkauf wird, der Studie zufolge, zunehmend über Smartphone und Co. getätigt.

Stationäres Internet immer noch beliebt

Neben allem gebotenen Optimismus zeigt die Studie aber auch deutlich, dass den AnhängerInnen des mobilen Internets eine Mehrheit von Nicht-NutzerInnen gegenübersteht, denen die Vorteile bisher nicht einzuleuchten scheinen. So geben die meisten Nicht- NutzerInnen an, mit dem stationären Internet zufrieden zu sein und mehr als die Hälfte der Befragten sieht sogar überhaupt keinen Nutzen im mobilen Internet. Datenschutz- und Sicherheitsbedenken spielen immerhin bei über 60% der befragten Nicht-NutzerInnen eine Rolle. Diese Ergebnisse wollen die Initiatoren der Studie zum Anlass nehmen, die Bevölkerung über Gefahren und Risiken des mobilen Internets aufzuklären. Es sei offensichtlich geworden, dass die Einführung von Technik allein nicht ausreiche, vielmehr müsse der Prozess der Technisierung gesellschaftlich begleitet werden, so Mitinitiator Wieland.

Gesellschaftliche Skepsis

Ein weiteres Ergebnis der Studie, welches die EnthusiastInnen des mobilen Internets ebenfalls weniger begeistern dürfte, ist das negative Image der mobilen Internetnutzung. Selbst innerhalb des NutzerInnenkreises erwarten nur 20% der Befragten eine nachhaltig positive Auswirkung des mobilen Internets auf das gesellschaftliche Miteinander-ein Ergebnis welches auch die Macher der Studie überrascht habe, so D21 Vizepräsident Wieland. Fast 60% der NutzerInnen denken außerdem, dass durch mobiles Internet die Kommunikation immer oberflächlicher wird und immerhin noch 45% befürchten, dass persönliche Kontakte abnehmen und Menschen vereinsamen.

An dieser Stelle bietet die Studie leider keinen Raum für differenziertere Aussagen über die jeweiligen Bedenken der NutzerInnen und lässt so noch einige Fragen offen. Aufgrund des eher negativen Images des mobilen Internets ist es fraglich, ob die Einführung neuer Technologien überhaupt sinnvoll ist, bevor nicht den bestehenden Vorbehalten der Bevölkerung auf den Grund gegangen wurde.

 

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