InfoMonitor Oktober 2008: Finanzkrise bleibt Topthema

Fast siebeneinhalb Stunden (447 Minuten) berichteten die Hauptnachrichtensendungen der vier größten Sender im deutschen Fernsehen im Oktober über die weltweite Finanzkrise und ihre Auswirkungen. Laut InfoMonitor des Instituts IFEM, Köln, folgten an zweiter und dritter Stelle mit weitem Abstand der Machtwechsel in der CSU (75 Minuten) und der US-Wahlkampf (65 Minuten).

Weitere Top-10-Themen im Oktober waren die Lage in Afghanistan (50 Minuten), Konjunkturanreize und Autokrise (30 Minuten), die Verleihung der Nobelpreise (30 Minuten), Einschränkungen im Fernverkehr der Bundesbahn (25 Minuten), der tödliche Unfall des österreichischen Politikers Jörg Haider (24 Minuten), ein Datenskandal bei der Deutschen Telekom (21 Minuten) sowie der Bildungsgipfel in Dresden (18 Minuten).


Untersuchungszeitraum: 1.10.-31.10.2008
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten.
Quelle: IFEM, Köln Grafik: politik-digital.de

Das Topthema der weltweiten Finanzkrise war zwar bei allen untersuchten Nachrichtensendungen das Thema Nr. 1 im Monat Oktober. Der Umfang der Berichterstattung war jedoch sehr unterschiedlich, ob öffentlich-rechtlich oder privat, Hauptnachrichtensendung oder Nachrichtenmagazin. Mit deutlichem Vorsprung vor den anderen Sendungen berichteten die Nachrichtenmagazine „Tagesthemen“ (ARD) und „heute-journal“ (ZDF) am häufigsten über die Finanzkrise, 227 Minuten bzw. 296 Minuten wendeten sie allein für dieses Thema auf. Rund zweieinhalb Stunden betrug die Berichterstattung bei „Tagesschau“ (141 Minuten) und „heute“ (154 Minuten). Etwa die Hälfte dessen, nämlich jeweils 76 Minuten, investierten die beiden privaten Nachrichtensendungen „RTL aktuell“ und „Sat.1 Nachrichten“.


Untersuchungszeitraum: 1.10.-31.10.2008
Topthema Finanzkrise insgesamt 971 Minuten
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten, Tagesthemen, heute-journal
Quelle: IFEM, Köln. Grafik: politik-digital.de

Im direkten Vergleich zwischen den vier öffentlich-rechtlichen und privaten Hauptnachrichtensendungen zeigt sich, dass „Tagesschau“ und „heute“ über den gesamten Monat Oktober hinweg teilweise erheblich umfangreicher über die weltweite Finanzkrise berichteten als ihre privaten Gegenparts „RTL aktuell“ und „Sat.1 Nachrichten“. An neun Tagen des Monats erreichte die Berichterstattung in „Tagesschau“ und „heute“ einen Umfang von zusammen 15 Minuten und mehr, einen Wert, den RTL und Sat.1 nur einmal annähernd erreichten (14 Minuten, 13.10.).


Untersuchungszeitraum: 1.10.-31.10.2008
Topthema Finanzkrise insgesamt 447 Minuten
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten.
Quelle: IFEM, Köln. Grafik: politik-digital.de

CSU mit meisten Politikerauftritten

Das Topthema Finanzkrise verschaffte zwar Bundesfinanzminister Peer Steinbrück mit 111 Auftritten einen zweiten Platz in der Rangliste der am häufigsten in den Fernsehnachrichten präsenten deutschen Politiker, hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel (190 Auftritte). Die CSU „profitierte“ jedoch noch deutlicher von ihren parteiinternen Diskussionen sowie dem Wechsel an der Spitze von Partei und bayerischer Landesregierung: Mit insgesamt 381 Auftritten hatte die CSU im Oktober die stärkste Präsenz aller Parteien in den Fernsehnachrichten. Nicht weniger als drei CSU-Politiker finden sich unter den ersten Fünf der Politikerrangliste. Denkbar knapp hinter der CSU folgt die SPD mit 380 Auftritten vor der CDU mit 355 Auftritten. Die Grünen erzielten 72 Auftritte, die FDP kam auf 56 Auftritte und Die Linke auf 46 Auftritte.


Untersuchungszeitraum: 1.10.-31.10.2008
Insgesamt 1292 Politikerpräsentationen (genannt, gezeigt oder O-Ton).
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten; Tagesthemen; heute-journal.
Quelle: IFEM, Köln. Grafik: politik-digital.de


Untersuchungszeitraum: 1.10.-31.10.2008
Insgesamt 1292 Politikerpräsentationen (genannt, gezeigt oder O-Ton).
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten; Tagesthemen; heute-journal.
Quelle: IFEM, Köln. Grafik: politik-digital.de

Hoher Anteil an Wirtschaftsnachrichten

Bereits im Vormonat sorgte die weltweite Finanzkrise für einen hohen Wirtschaftsanteil in den Fernsehnachrichten. Für Oktober wurden nochmals erhöhte Anteile an Wirtschaftsthemen bei allen sechs untersuchten Nachrichtensendungen gemessen. Im „heute-journal“ erreichte Wirtschaft einen Anteil von 22 Prozent an der Gesamtsendedauer (entspricht 6 Minuten pro Ausgabe), in „heute“ und den „Sat.1 Nachrichten“ 19 Prozent, „Tagesthemen“ 17 Prozent, „Tagesschau“ 16 Prozent und „RTL aktuell“ 11 Prozent.

Unter anderem wegen des Führungswechsels in der CSU und des US-Wahlkampfs stieg aber auch der Politikanteil bei einigen Nachrichtensendungen, besonders deutlich bei der „Tagesschau“ (52 Prozent, 8 Minuten) und „heute“ (44 Prozent, 8 Minuten). Auch RTL und Sat.1 weisen höhere Anteile an Politikthemen gegenüber dem September auf, bei allerdings deutlich geringerem Umfang der Politikberichterstattung im Vergleich zu ARD und ZDF.


Untersuchungszeitraum: 1.10.-31.10.2008
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten; Tagesthemen; heute-journal.
Quelle: IFEM, Köln. Grafik: politik-digital.de


Untersuchungszeitraum: 1.10.-31.10.2008
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten; Tagesthemen; heute-journal.
Quelle: IFEM, Köln. Grafik: politik-digital.de

2 Antworten auf InfoMonitor Oktober 2008: Finanzkrise bleibt Topthema

  1. Sven sagt:

    7 Stunden Berichterstattung und dennoch hat man eigentlich das Gefühl nichts zu Wissen. Den Banken geht es angeblich gut, lediglich die Automobilbauer haben Probleme, nicht jedoch direkt aus Ihren Finanzgeschäften, sondern weil die Bürger einfach keine Autos kaufen.

    Irgendwie beschleicht einen da schon das Gefühl, dass viel geredet, aber wenig gesagt wurde. Das gleiche gilt auch für die Gegenmaßnahmen. Viel geld wurde in Aussicht gestellt, aber wie es konkret helfen soll, weiß weder Bürger noch Politik, so hat es zumindestens den Anschein.

  2. sgievert sagt:

    Hallo Sven, sie sprechen da einen wichtigen Punkt an. Vielleicht kann der Infomonitor ja eine erste Grundlage sein, um die reine Nennung der Themen deutlich zu machen.

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