InfoMonitor Mai 2008: Naturkatastrophen in Birma und China waren Topthemen

Die Naturkatastrophen in Birma und China führen im Mai die Liste der Topthemen in den deutschen Fernsehnachrichten an, wie der InfoMonitor des Instituts IFEM, Köln, ermittelt hat.

 

Über die Folgen des Wirbelsturms in Birma berichteten „Tagesschau“, „heute“, „RTL aktuell“ und „SAT.1 News“ zusammen zweieinhalb Stunden (152 Minuten), über die Erdbeben-Katastrophe in China insgesamt gut zwei Stunden (124 Minuten). Mit erheblichem Abstand folgen auf den Rängen drei bis fünf der Inzest-Fall von Amstetten mit 43 Minuten, die steigenden Benzin-, Öl- und Gaspreise mit 37 Minuten sowie die SPD-interne Debatte über die Kandidatur zur Bundespräsidentenwahl und den weiteren Kurs der Partei mit 35 Minuten. Die weiteren Themen der Top-10 im Mai waren: die Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom (30 Minuten), die Aufklärung des Holzklotz-Wurfs von einer Autobahnbrücke (26 Minuten), der 60. Jahrestag der Staatsgründung Israels (25 Minuten), die Proteste der Bauern für höhere Milchpreise (21 Minuten) und der Dalai-Lama-Besuch in Deutschland (17 Minuten).


Untersuchungszeitraum: 1.5.-31.5.2008
Untersuchte Sendungen: Tagesschau 20 Uhr; heute 19 Uhr; RTL aktuell; Sat.1
News. – Quelle: IFEM, Grafik: politik-digital.de

Der Wirbelsturm und die Überflutungen in Birma waren bei allen Hauptnachrichtensendungen das Thema Nr. 1, außer bei „RTL aktuell“, bei dem die Erdbebenkatastrophe in China noch davor rangierte. Auffällige Unterschiede zwischen den Sendungen zeigen sich u.a. bei dem Inzest-Fall im österreichischen Amstetten, der bei den privaten Nachrichten Rang 2 bzw. 3 einnahm, aber in keiner der öffentlich-rechtlichen Sendungen unter die Top-10 gelangte. Die Berichterstattung über Tornados in den USA erreichte bei „RTL aktuell“ Rang 7 und bei „SAT.1 News“ Rang 8, spielte aber in den Nachrichten von ARD und ZDF keine Rolle. Auch die Vorwahlen in den USA waren bei RTL und SAT.1 unter den Top-10 platziert, nicht jedoch bei ARD und ZDF. Dagegen nahm der 60. Jahrestag der Gründung des Staates Israel in der „Tagesschau“ Rang 5 und in „heute“ Rang 4 ein, während das Thema bei RTL und SAT.1 weiter hinten in der Topthemenliste rangierte.

Auch in den beiden Nachrichtenmagazinen von ARD und ZDF führten die beiden großen Naturkatastrophen die Themenliste an. Deutlich mehr als in den anderen Nachrichtensendungen wurde außerdem in den „Tagesthemen“ und im „heute-journal“ über die Diskussionen in der SPD über die Bundespräsidentenwahl und den Kurs der Partei berichtet, ebenso über die Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom und die Kontroverse um den Besuch des Dalai Lama in Deutschland. Die „Tagesthemen“ berichteten dazu im Mai vergleichsweise häufig über gesundheitspolitische Themen, das „heute-journal“ dagegen häufiger als die anderen Sendungen über das Film-Festival in Cannes.


Die Linke erstmals an vierter Stelle im Auftritts-Ranking

Die Partei Die Linke war im Mai Gegenstand und Akteur einiger politischer Auseinandersetzungen, so zum Beispiel im Zusammenhang mit der Kür einer SPD-Kandidatin für die Wahl des Bundespräsidenten sowie wegen der Stasi-Vorwürfe gegen ihren Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Gregor Gysi. Diese Diskussionen waren vor allem dafür verantwortlich, dass Die Linke mit 85 Auftritten ihrer Politiker in Nachrichtensendungen erstmals Platz 4 im Parteienvergleich einnehmen konnte, direkt hinter der CSU mit 89 Auftritten. SPD und CDU lagen allerdings mit 443 bzw. 441 Auftritten weiter klar an der Spitze.


Untersuchungszeitraum: 1.5.-31.5.2008
Insgesamt 1158 Politikerpräsentationen (genannt, gezeigt oder mit O-Ton)
Untersuchte Sendungen: Tagesschau 20 Uhr; heute 19 Uhr; RTL aktuell; Sat.1 News; Tagesthemen; heute-journal. – Quelle: IFEM, Grafik: politik-digital.de

Mit Gregor Gysi und Oskar Lafontaine sind auch zwei Politiker der Linken unter den Top-20 der am häufigsten in den Fernsehnachrichten präsenten Politiker vertreten. Angeführt wird die Liste von Angela Merkel vor Kurt Beck, Bundespräsident Horst Köhler und der SPD-Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, Gesine Schwan.

Untersuchungszeitraum: 1.5.-31.5.2008
Insgesamt 1158 Politikerpräsentationen (genannt, gezeigt oder mit O-Ton)
Untersuchte Sendungen: Tagesschau 20 Uhr; heute 19 Uhr; RTL aktuell; Sat.1 News; Tagesthemen; heute-journal. – Quelle: IFEM, Grafik: politik-digital.de


SAT.1 mit stabilem Politikanteil

Seit SAT.1 im März seine Hauptnachrichtensendung „SAT.1 News“ erstmals auf einem neuen Sendeplatz, werktags um 20 Uhr, ausstrahlte, hat sich der Politikanteil der Sendung erhöht. Dieser Trend hat sich auch im Mai bestätigt, in dem der Politikanteil bei SAT.1 mit 28 Prozent (entspricht durchschnittlich 3 Minuten pro Ausgabe) deutlich über dem von RTL mit 15 Prozent (ebenfalls 3 Minuten) lag. Dies ist allerdings kein Ergebnis eines Ausbaus der politischen Berichterstattung, sondern eine Folge der Verkürzung der SAT.1-Sendung bei in etwa gleichgebliebenen Sendeminuten für politische Themen.

Der Umfang der Politikberichterstattung war demgegenüber bei den Hauptnachrichtensendungen und Nachrichtenmagazinen von ARD und ZDF auch im Mai erheblich größer als bei den Privaten, wenn auch insgesamt wegen der Katastrophen in Birma und China etwas niedriger als in den Vormonaten. Die „Tagesschau“ kam auf 43 Prozent (7 Minuten), „heute“ auf 36 Prozent (7 Minuten), die „Tagesthemen“ auf 32 Prozent (8 Minuten) und das „heute-journal“ auf 39 Prozent (10 Minuten).


Untersuchungszeitraum: 1.5.-31.5.2008
Untersuchte Sendungen: Tagesschau 20 Uhr; heute 19 Uhr; RTL aktuell; Sat.1
News; Tagesthemen; heute-journal. – Quelle: IFEM, Grafik: politik-digital.de


Untersuchungszeitraum: 1.5.-31.5.2008
Untersuchte Sendungen: Tagesschau 20 Uhr; heute 19 Uhr; RTL aktuell; Sat.1
News; Tagesthemen; heute-journal. – Quelle: IFEM, Grafik: politik-digital.de

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