ICANN-Kandidatenvorstellung

Sabine Reul

 


Frage 1: Wer sind Sie, was macht ihr Profil, Ihre Qualifikation aus?

Sabine Reul: Mein fachlicher Background:
Dr.-Ing. für Informatik, Thema Leistungsmanagement in
Rechnernetzen. Dozent für Rechnernetze, Netzwerkmanagement,
Softwareengineering, Betriebssysteme und Programmiersprachen am
bib. Bitte lesen Sie auch unter http://www.dd.bib.de/~reul. Ich habe
mit der TU Dresden ein Patent zum Leistungsmanagement in
Rechnernetzen.

Frage 2: Was bedeutet die Icann-Kandidatur für Sie? Warum haben Sie
sich dazu entschlossen?

Sabine Reul: Ich wurde von DECUS http://www.decus.de, einer großen
Nutzerorganisation in Deutschland, für die Kandidatur vorgeschlagen.
Als mir von der Gesellschaft für Informatik http://www.gi-ev.de signalisiert wurde, mich bei der Kandidatur
zu unterstützen, entschloss ich mich, diesen Schritt zu wagen. Die gute Plazierung
zeigt, daß ich richtig entschieden habe.
Mein Arbeitgeber (ab September die Fachhochschule Leipzig) wird mir
den notwendigen Freiraum für eine solche Arbeit geben, ohne meine
Entscheidungen zu beeinflussen. Ich möchte an der Entwicklung des
Internet beteiligt sein, das ist ein unheimlich interessantes Medium,
das es für alle zu erhalten gilt. Es wäre unverantwortlich, dieses Netz
mit zu vielen Regeln oder zuviel Kommerz oder durch zu viele
gesetzlose Seiten verkommen zu lassen. Hier einen goldenen
Mittelweg zu finden, wird (nach der Aufgabe mit den Nummern) zu
den nächsten Aufgaben im Internet gehören. Daran möchte ich mich
beteiligen. Auch wenn ich nicht Direktor werde, möchte ich mit den
Kandidaten und Nutzern in Kontakt bleiben und weiter an der
Gestaltung des Internet mitwirken.

Frage 3: Warum glauben Sie, dass Sie im Icann-Direktorium sitzen
sollten?

Sabine Reul: Ich habe durch die Nutzerorganisationen DECUS, GI und
webgrrls einen sicheren Background, kann also die Nutzer fragen, wie
das Internet sein soll. Außerdem bin ich selbst aktiver Nutzer und
habe demzufolge entsprechende Vorstellungen und Wünsche, zum Beispiel was das DNS betrifft.
Zusätzlich habe ich die nötigen Fachkenntnisse, um bei Diskussionen,
bei denen es um Bits und Protocolheader geht, nicht zu verzweifeln.
Durch meine Kenntnisse in Softwareengineering kann ich einschätzen,
was programmtechnisch möglich ist, also insgesammt eine gute
Grundlage für einen Direktor.

Frage 4: Was können Sie beitragen zu einer konstruktiven
Weiterentwicklung von Icann?

Sabine Reul: Das Feedback, die Meinung und Interessen der Nutzergruppen,
die mich vorgeschlagen haben und bei meiner Kandidatur
unterstützen. Das kann ich mit meinen Fachkenntnissen verbinden
und so ein adequater Gesprächspartner für die anderen Icann-Mitglieder sein.
Da es einen Direktor für Europa geben wird und die Nutzer der
anderen europäischen Länder Sorgen haben, daß ein deutscher
Direktor nur die deutschen Interessen vertritt, möchte ich dazu
folgendes sagen: Das Internet soll für alle erreichbar, nutzbar sein.
Ich möchte ein Internet ohne Grenzen. Also werde ich auch ohne
Grenzen die Interessen der Nutzer in diesem Gremium vertreten.


Frage 5: Wen vertreten Sie?


Sabine Reul: Ich möchte Sprecher der einachen Nutzer sein. Diese Rolle
kann ich um so besser gerecht werden, da ich über den technischen
Background verfüge, um diese Interessen entsprechend vertreten kann.

Frage 6: Werden Sie von irgend jemandem "gestützt", ideell oder
finanziell?

Sabine Reul: Es hat sich bei mir noch kein Sponsor gemeldet. ;-)
Ich werde von den Nutzergruppen DECUS, GI und
webgrrls und den Mitgliedern von
Tiefenrausch.de, ein Internet-Forum für Sporttaucher,
unterstützt. Diese Unterstützung ist ideell, erfolgt durch Hinweise,
die ich zu Wünschen und Interessen zum Internet erhalte.
Heute ist es wichtig, das die Menschen miteinander kommunizieren
und Interessen und Informationen austauschen. Nur damit erreichen
wir es, daß nicht mit jedem neeu erforschten Wissen genausoviel
Wissen durch Vergessen verloren geht.

Frage 7: Wo sehen Sie die Hauptprobleme und -Aufgaben der Icann?

Sabine Reul: Die ersten Aufgaben bestehen darin, die momentanen
technischen Beschränkungen im Internet, die durch die zur Zeit
verwendeten Protokolle begründet sind, zu lösen. Danach sind Regeln
für ein freies Kommunizieren in Internet zu finden, die dem oben
beschriebenen goldenen Weg nahekommen. Im Internet soll es ein
ausgewogenes Verhältnis zwischen Kommerz, Fun und Information
geben. Eine vollständige Überwachung der Nutzer soll nicht möglich
sein (ein gläserner Nutzer entspricht nicht meinen Vorstellungen von
der Internet-Zukunft).
Probleme sehe ich darin, daß mit der weltweiten Wahl große
Erwartungen in Icann gesetzt werden, die diese Organisation mit der
jetzigen Ausrichtung als eine von der US-Regierung unterstützter
Verein nicht erfüllen kann. Auch ich habe hohe Erwartungen in dieses
Gremium. Ob diese durch Icann realisiert werden können, wird die
Zukunft zeigen.
Ein wesentliches Ergebnis hat diese Wahl bereits gebracht: Viele
Interessenten haben sich durch diese Wahl über Grenzen hinweg
kennengelernt. Daraus kann ein starkes Netzwerk entstehen. Aus
dem passiven Komsumenten wird ein aktiver Nutzer, der an der
Entwicklung des Internet mitwirken möchte. In diesem Prozeß mitten
drin zu sein, ist einfach toll.

 



Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Spiegel-Online.

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