ICANN-Kandidatenvorstellung

Marc Lehmann

 


Frage 1: Wer sind Sie, was macht ihr Profil, Ihre Qualifikation aus?

Marc Lehmann: Marc Lehmann, bekannt
vor allem in der Freien-Software-Szene.
Neben vielen bekannten Programmen (gcc/pgcc, ich bin Mitglied im
GCC-Steering-Commitee), die ich eher in meiner Freizeit pflege,
arbeite ich in der Forschung (Netze und Protokolle) und als
unabhängiger Konsultant (z.B. für Sicherheitsfragen im Bezug auf das
Internet).

Frage 2: Was bedeutet die Icann-Kandidatur für Sie? Warum haben Sie
sich dazu entschlossen?

Marc Lehmann: Drei Gründe (die auf meiner Seite unter
http://icann.plan9.de genauer ausgeführt sind):

1. Das vornomminierte beziehungsweise bisher existierende
Direktorium besteht vor allem aus abhängigen Vertretern der
Industrie, des Kommerzes. Dass Belange von Privatleuten
vertreten werden, ist sehr unwahrscheinlich, genauso
unwahrscheinlich, wie diese Vertreter vollkommen
unneigennützig Protokolle verbessern (nämlich unabhängig und
nur an technischen Standards orientiert).

2. Datensicherheit wird sich in der Zukunft zu dem Thema
entwickeln, und wahrscheinlich auch zu dem Problem. Ich
besitze sowohl den nötigen Weitblick, die nötige Paranoia als
auch das nötige Fachwissen um Problemen dieser Art (und das
fängt bei DNS an!) frühzeitig entgegenwirken zu können.

3. Protokolle müssen transparent sein und bleiben. Eine
Verkomplizierung der Protokolle durch
commodity-Erweiterungen, wie zum Beispiel von Microsoft
betrieben, darf keine offizielle Hilfe bekommen.

Marc Lehmann

Marc Lehmann

Frage 3: Warum glauben Sie, dass Sie im
Icann-Direktorium sitzen sollten?

Marc Lehmann: Ich besitze sowohl die
fachlich-technischen Qualitäten wie
auch die politische Erfahrung durch
Arbeit in verschiedenen Gremien.
Ausserdem bin ich in der Lage, mich
vollkommen von kommerziellen
Interessen abzukoppeln, wie meine
Vergangenheit zeigt.

Frage 4: Was können Sie beitragen zu einer
konstruktiven Weiterentwicklung von Icann?

Marc Lehmann: Wie die Lage ist, werden die
maximal zwei zukünftigen europäischen Vertreter alleine nicht
viel Ausrichten können. Ich bin jedoch kein Freund fauler
Kompromisse, und durch stetigen Zug erreicht man auch das
Ziel
(" man kann nur jemand auf seine Seite ziehen, wenn man
noch weiter weg steht" ).


Frage 5: Wen vertreten Sie?


Marc Lehmann: Die Internet-Endnutzer, keine Firma, keine
Regierung, keine Organisation, lediglich die Gesamtheit der
Personen der Internet-Nutzer.

Frage 6: Werden Sie von irgend jemandem
" gestützt", ideell oder finanziell?

Marc Lehmann: Nein.

Frage 7: Wo sehen Sie die Hauptprobleme und
-Aufgaben der Icann?

Marc Lehmann: Hauptaufgabe von Icann ist die Verbesserung
technischer Implementation im Zusammenhang mit dem
Internet, und da vor allem DNS. Lösungen im Bereich des
domain-mangaments zu finden ist überaus schwierig und
Aufgabe genug für Icann. Dennoch erachte ich es als möglich,
daß in Zukunft zusätzliche Protokolle und Vergabefunktionen
unter Aufsicht von Icann gestellt werden.

 


Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Spiegel-Online.

Kommentar verfassen