ICANN-Kandidatenvorstellung


Olivier Muron
aus Frankreich studierte an der Ecole Centrale de Paris und der
University of California – Berkeley. Er leitet derzeit die Abteilung IP-Technologie und
Electronic-Commerce bei France Telecom. Für politik-digital beantwortete er fünf zentrale Fragen zu seiner Kandidatur.


Frage 1: Was bedeutet das Internet für sie?

Olivier Muron : Bei der INRIA (französisches Forschungsinstitut) hatte ich die Leitung für
Förderprojekte, die mit dem Internet zusammenhingen. Das reichte von e-commerce bis zu
Hochgeschwindigkeits-Zugängen für Kabelfernsehen. Während meiner Tätigkeit als Berater des französischen
Ministers für Telekommunikation habe ich dazu beigetragen, dass die Bedeutung der Internet-Revolution in
Frankreich stärker ins Bewußtsein der Menschen gelangte. In meiner momentanen Position bei der France
Telecom leite ich fortgeschrittene Internet-Projekte, die ebenfalls von Hochgeschwindigkeits-Netzwerken
bis zum e-commerce reichen. Sie sehen also, dass ich sehr intensiv an verschiedenen Projekten beteiligt
war, die mit dem Internet verbunden sind. Dabei konnte ich die Umwandlung des Internet in ein vielseitiges,
globales Kommunikationsmedium beobachten.

Olivier Muron

Olivier Muron

Frage 2: Welche Motivation hatten sie, sich als ICANN-Kandidat zu bewerben?

Olivier Muron: Ich habe bereits sehr früh auf das Ziel eines stabilen, umfassenden und transparenten
Gerüstes für das technische Managment des Internet hingearbeitet. Dieses sollte auf dem Konsens aller Beteiligten basieren
und in Übereinstimmung mit dem internationalen Rahmen des Netzwerkes geschehen. Ein großer Teil dieser
Arbeit wurde von ICANN in weniger als zwei Jahren erledigt. Ich wünsche mir noch stärker etwas zu diesem
dynamischen Prozess beitragen zu können.

Frage 3: Wo sehen sie die europäischen Möglichkeiten und Bedürfnisse im
Rahmen der ICANN-Politik? Was würde bei ihnen auf der Tagesordnung stehen, wenn sie Mitglied des
ICANN-Vorstandes würden?

Olivier Muron: Mein Ziel
wäre es, eine stärkere europäische Beteiligung zu erreichen. Ich
glaube, diese Wahl wird zu diesem Ziel beitragen, indem sie zu einem
erhöhten Bewußtsein für die Arbeit von ICANN in Europa beiträgt. Die
größte Herausforderung für ICANN ist es, alle vom Prozess Betroffenen
verstärkt einzubinden: aus diesem Grunde müssen wir Vertrauen aufbauen.
Dabei sollten wir uns immer daran erinnern, dass IANA seinen Zweck
erfüllt hat, weil jeder Jon Postels Führung vertraut hat.

Frage 4: Ein bisschen Wahlkampf: Warum sollten sich deutsche oder
europäische Wähler für sie entscheiden?

Olivier Muron : Die schnelle Entwicklung von dauerhaften IP-Verbindungen, zukünftig angeschlossenen
Haushalten und Netzwerken, die Ausbreitung des e-commerce, die flexiblen Netzwerke der neuen Generation. All
dies sind Schlüsselfaktoren, die einen starken Druck auf die Architektur des Netzes und vor allem auch auf
das Namen- und Adressen-System ausüben werden. Einen sanften Übergang für dieses System vorzubereiten ist
eine der Herausforderungen für das ständig wachsende Internet. Das Netz ist heute ein sehr großes und
komplexes System: man muss sich sehr vorsichtig bewegen, um seine kurz- und langfristige Stabilität zu
sichern.
Es ist eine sehr aufregende Arbeit in diesem neuen Bereich des Netzes mitzuwirken.
Ein entscheidender Beitrag der meisten Vorstandsmitglieder wird es sein, beim Aufbau eines Konsens zwischen
den verschiedenen Teilnehmergruppen mitzuhelfen und das Vertrauen in ICANN zu erhöhen. Ich glaube, meine
ausführliche fachliche Erfahrung in der akademischen Welt, in der Forschungsgemeinschaft, im
Öffentlichkeitssektor und in der Telekommunikationsindustrie werden mir helfen zu diesem Ziel beizutragen.
Diese Herausforderungen stehen ganz eindeutig über nationalen Interessen.

Frage 5: Momentan werden Vorwürfe an ICANN laut, was die Auswahl der
Kandidaten (zu viele mit eindeutigem wirtschaftlichem Hintergrund) und die Wahlmodalitäten (nicht jeder
hatte die Möglichkeit sich registrieren zu lassen, weil Server zusammengebrochen sind) betrifft. Was sagen
sie zu diesen Beschwerden?

Olivier Muron: Ich glaube, der ausführliche Prozess, der mit der Nominierung durch ein Komitee und
die Eigen-Nominierungen, gewählt wurde, hat zu einer Kandidatenauswahl geführt, die die gesamte
Internetgemeinschaft repräsentieren kann. Es ist mir bewußt, dass es einige Schwierigkeiten mit der
technischen Infrastruktur gab.Ich glaube, dass ist ein geringer Preis, den man bezahlen muss, um einen so
offenen, innovativen und flexiblen Wahlvorgang zu haben.

Das Interview führte Carolin Welzel.
You may download the English version of this interview as Word document.

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