ICANN-Kandidatenvorstellung

Der Norweger
Alf Hansen
ist einer der führenden Köpfe bei UNINETT, dem host der norwegischen "Denic" Nornet. Für politik-digital
beantwortet er fünf zentrale Fragen zu seiner Kandidatur


Frage 1: Was bedeutet das Internet für sie?

Alf Hansen: Das Internet ist eine globale, offene Infrastruktur für Kommunikation, die jeder nutzen
kann.
Es gibt den Menschen die Möglichkeit, unabhängig von nationalen Grenzen, politischen Systemen,
Übertragungssystemen und Benutzerzubehör zu kommunizieren, weil es auf einem international anerkannten und
geprüften Standard basiert.
Das Internet gibt dem einzelnen Kunden die Möglichkeit, zwischen Angeboten aus aller Welt zu wählen,
unabhängig von räumlicher Entfernung. Es eröffnet Behinderten neue Möglichkeiten, weil man über neue
Benutzeroberflächen auf ganz neue Art mit anderen Menschen kommunizieren kann.
Außerdem ist es eine Möglichkeit für Menschen, die in abgelegenen Gebieten wohnen, weil Arbeit jetzt ganz
unabhängig vom Standort erledigt werden kann.
Das Internet ist eine Möglichkeit für Regierungen, weil der Fluß der Information so reorganisiert werden
kann, dass er auf die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten ist. Interne Reorganisation wird die Regierung
selbst (und andere) effektiver machen.
Es gibt neue Möglichkeiten für die Industrie, weil es neue Märkte eröffnet und neue Dienstleistungen
heranziehen wird. Reorganisation und Standortwechsel werden es der Industrie möglich machen bessere und
billigere Serviceleistungen zu liefern.
Internet ist der Schlüssel zur Information, eine Art globale Bibliothek.
Das Internet ist aber auch für jeden eine Herausforderung. Es ist immer noch nicht für jeden
erhältlich/zugänglich. Es kann missbraucht werden. Die Privatsphäre kann verletzt werden. Neue Sorten der
Kriminalität werden entstehen.

 

Alf Hansen

Alf Hansen

Frage 2: Welche Motivation hatten sie, sich als ICANN-Kandidat zu bewerben?

Alf Hansen: Ich habe gesehen, wie sich ICANN entwickelt hat. Meine Motivation gründet in meiner
festen Überzeugung, dass eine minimale, stabile, zentrale Koordination des Internet notwendig ist. Ich
fürchte dass die ursprüngliche Internet-Idee einer einzigen, globalen, zusammengebundenen Infrastruktur
auseinander fallen könnte. Mein Hintergrund und meine Erfahrungen qualifizieren mich, um dazu beizutragen,
das "wirkliche" Internet am leben zu erhalten.

Frage 3: Wo sehen sie die europäischen Möglichkeiten und Bedürfnisse
im Rahmen der ICANN-Politik? Was würde bei ihnen auf der Tagesordnung stehen, wenn sie Mitglied des
ICANN-Vorstandes würden?

Alf Hansen: Die europäischen Bedürfnisse und Möglichkeiten in der ICANN-Politik sind folgende:
Wenn wir es richtig anstellen, wird die ICANN-Politik den Boden für gleichberechtigte Möglichkeiten in
Europa und allen anderen ICANN-Regionen bereiten. Der Aufbau von ICANN muss sicherstellen, dass beim
DNS-System, bei Adressen und Nummern gleiche Wettbewerbsregeln für alle gelten.
Das Internet ist für jeden da, nicht nur für Europa. Ein guter Domain-Name ist nichts wert, wenn du ihn dazu
gebrauchst, schlechte Produkte zu verkaufen. Eine Chancen für Europa ist, dass das Internet eine globale
Infrastruktur sein wird, mit gleichberechtigten Wettbewerbsregeln was Namen und Adressen betrifft.
Die Herausforderung für Europa ist es, eine Hochgeschwindigkeits-Infrastruktur für jeden Haushalt
aufzubauen, und sie richtig zu nutzen. Ein stabiles ICANN wird diese Investition absichern.

Unter der Adresse:
http://domen.uninett.no/fas/ICANN/aha-priorities.html
gehe ich noch einmal ausführlich auf meine Ziele ein.

Frage 4: Ein bisschen Wahlkampf: Warum sollten sich deutsche oder
europäische Wähler für sie entscheiden?

Alf Hansen: Das Internet hat eine globale Perspektive. Europäer sollen mich wählen, wenn sie an meine
Ansichten glauben. Ein rein europäisches Internet, das nur von Norwegen (oder irgend einem anderen
europäischen Land aus) gemanagt wird, wäre nicht gut. Da ich für eine nicht-kommerzielle Firma arbeite,
habe ich gelernt, neutral zu bleiben und das Gleichgewicht zwischen Kunden und Versorgern aufrecht zu
erhalten. Deutsche, Europäer und andere Weltbürger sollten Stabilität wählen, nicht irgendein
kurzfristiges Einkommen.

Frage 5: Momentan werden Vorwürfe an ICANN laut, was die Auswahl der
Kandidaten (zu viele mit eindeutigem wirtschaftlichem Hintergrund) und die Wahlmodalitäten (nicht jeder
hatte die Möglichkeit sich registrieren zu lassen, weil Server zusammengebrochen sind) betrifft. Was sagen
sie zu diesen Beschwerden?

Alf Hansen: Das Nominierungs-Komitee hatte eine schwierige Aufgabe. Die Kombination von
Nominierung durch das Komitee und Eigen-Nominierungen ist ein guter Grundsatz, und hat Möglichkeiten für
jeden bei dieser ersten großen Gesamt-Wahl eröffnet. Das Ziel ist es eine Wahl im Oktober zu veranstalten,
und in dem beschränkten Zeitrahmen sehe ich kaum Alternativen wie man es sonst machen könnte. Man könnte
argumentieren, der Oktober sei zu früh, aber ich bin sicher, dass der ICANN-Vorstand eine richtige
Entscheidung getroffen hat. Diese erste Wahl ist nicht perfekt, aber es ist wichtig anzufangen und bis zur
nächsten Wahl wird ICANN über ausgereiftere Verfahren verfügen.

Das Interview führte Carolin Welzel.
You may download the English version of this interview as Word document.

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