Global Media Forum 2013: Wohin will die Welt?

Avram Noam Chomsky: A Roadmap to a Just World - People Reanimating DemocracyDas Global Media Forum 2013 geht heute zu Ende. Drei Tage lang diskutierten Teilnehmer aus über 100 Ländern, welchen Weg die Globalisierung einschlagen muss, um eine gerechte Welt zu ermöglichen. Dabei wurde viel diskutiert, aber auch gefeiert. Ein Bericht über runde Geburtstage, ein ungleiches Paar und eine Auszeichnung für Online-Aktivismus.

Am heutigen Mittwoch geht das 6. Global Media Forum in Bonn zu Ende. Zu ihrem 60. Jubiläum lud die Deutsche Welle gemeinsam mit der Stiftung „Internationale Begegnung“ der Sparkasse in Bonn namhafte Persönlichkeiten zu der Medienkonferenz ein, allen voran den Globalisierungskritiker Avram Noam Chomsky, den “geistigen Vater” der Occupy-Bewegung, Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sowie die indische Umweltaktivistin Vandana Shiva, Trägerin des „Right Livelihood Award“. Drei Tage lang diskutierten in Bonn 2.500 Journalisten, Mitglieder von NGOs sowie interessierte Schüler und Studenten aus über 100 Staaten über die künftigen Herausforderungen der Globalisierung. Im Zentrum stand die Frage, ob wirtschaftliche Entwicklung immer auf den Schultern von Menschenrechten und der Natur ausgetragen werden muss. Dabei stand die Rolle der Medien besonders im Fokus.

60 Jahre Deutsche Welle – 60 Jahre Brücken bauen

Vor gut 60 Jahren, am 3. Mai 1953, ging die Deutsche Welle erstmals auf Sendung. Als deutschsprachiger Hörfunk fürs Ausland konzipiert, dauerte es nicht lange, bis die Deutsche Welle “deutsche Radiosendungen“ in verschiedene Sprachen anbot. Erst in den 1990ern kam mit „DW-TV“ der offizielle staatliche deutsche Auslandsfernsehsender der Deutschen Welle hinzu. Seitdem expandierte die Deutsche Welle zunehmend und berichtet seither „on-air“ sowie zunehmend online aus Deutschland und den zahlreichen Länderbüros.

Chomsky und Westerwelle: ein ungleiches Paar

Ein unterschiedlicheres Paar gibt es wohl nicht. Während am Montag der 85-jährige Globalisierungskritiker Avram Noam Chomsky vor den Gefahren der Globalisierung warnte, konnte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) am Dienstag der Globalisierung Positives abgewinnen. Von einer „Globalisierung der Werte“ und einer „gleichförmigen freien Gesellschaft“ war dort die Rede. Mit anderen Worten: Demokratie und Wohlstand für alle. Dass diese viel gelobten westlichen Werte nicht immer positiv betrachtet werden können, zeigte Chomsky in seiner Rede. Er warnte insbesondere vor der Einschränkung von Freiheitsrechten in den USA und anderen westlichen „kapitalistischen Demokratien“. Je mehr Freiheit gewonnen sei, desto intensiver würde die Gesellschaft wieder auf den von ihnen gewollten Kurs gebracht, so Chomsky.

Eine Auszeichnung für Online-Aktivisten

Der Dienstagabend stand ganz im Zeichen des Online-Aktivismus. Die Gewinner der sogenannten „Bobs – Best of Online-Activism“ sollen im Sinne der Meinungsfreiheit den offenen Diskurs im Internet vorantreiben und bereichern. Eine 15-köpfige internationale Jury hatte bereits im Vorfeld sechs Gewinner festgelegt, dazu kamen Preisträger aus 14 Sprachkategorien, darunter hindi, bengalisch, arabisch und türkisch.

Den Preis in der Kategorie „Most Creative & Original“ gewann Me & My Shadow der internationalen Organisation „Tactical Technology Collective“, eine englischsprachige Webseite, die den Nutzern zeigt, welche digitale Spuren ihre Aktivitäten im Netz hinterlassen und wie sie diese umgehen können. Etwas umgehen will auch die Webseite FreeWeibo und zwar die chinesische Internetzensur. Während auf SinaWeibo.com, eines der am meisten genutzten Sozialen Netzwerke in China, regimekritische Beiträge von der chinesischen Zensurbehörde gelöscht werden, will FreeWeibo nun zeigen, welche Inhalte zensiert wurden, um „einen flüchtigen Eindruck zu bekommen, wie ein freies Internet in China aussehen würde“. Dafür erhielt die Webseite die Auszeichnung „Best Innovation“.

Eine Verbindung von Online- und Offline-Aktivismus ist das Sozialprojekt Info-Lady. Die sogenannten „Infoladies“ sind 65 Frauen aus Bangladesh, die mit dem Fahrrad entlegene und verarmte Dörfer besuchen, um – mit Solar-Laptops und Smartphones ausgestattet -, den Ärmsten in Bangladesch lebenswichtige Informationen zur Verfügung zu stellen und Probleme zu lösen. Für diese Tätigkeit wurden die Infoladies von der Deutschen Welle mit dem „Global Media Forum Award“ geehrt.

Bild: Deutsche Welle (CC BY-NC 2.0)

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