Gesichtslose Demo gegen Internetzensur

Die „24-Stunden-Demo“ der „Reporter ohne Grenzen“ (ROG) für Meinungsfreiheit im Netz läuft mittlerweile seit über zwei Tagen. Mit gesichtslosem Avatar und vorgefertigten Demosprüchen protestieren seit dem 12. März 2008 derzeit über 20.000 Internetuser gegen Internetzensur und Inhaftierung von „Cyber-Staatsfeinden“ und Journalisten.

 

Sreenshot der Protestwebsite

Protestwebsite der ROG

China liegt heute, am 14. März, mit nahezu 8000 Online-Demonstranten weit vor den anderen „Enemy-States“ wie Burma, Ägypten oder Vietnam. Nach Auswahl des Landes auf der Protestwebsite startet ein virtueller Flug zum „Platz des himmlischen Friedens“. Hier kann man seinen Avatar mit Protestschildern wie „Welcome to the country of censorship“ ("Willkommen im Land der Zensur") oder „Shi Tao innocent, Yahoo accomplice“ ("Shi Tao unschuldig, Yahoo mitschuldig") ausstatten.

Eigene Demosprüche können die Nutzer allerdings nicht eingeben. Die Avatare selbst sind zudem recht spartanisch gestaltet: Gesichtslose weiße Figuren füllen die Demo-Plätze. Es gibt keine Möglichkeit, den Avatar zu verändern oder etwa ein Foto hochzuladen, um dem digitalen Protest ein Gesicht zu verleihen.

China: 49 Journalisten und Blogger in Haft

Die Reporter ohne Grenzen (ROG) bezeichnen China als das „weltweit größte Gefängnis für Cyber-Verbrecher“. Derzeit säßen hier 49 Journalisten und Blogger in Haft. Das Internetportal Yahoo! trage laut ROG eine Mitschuld an der chinesischen Zensur: Yahoo! zensiere die eigenen Webseiten und stelle Equipment für Firewalls zur Verfügung.

Am wenigsten Unterstützung findet bis zum jetzigen Zeitpunkt Turkmenistan mit 1591 Protestanten. „Zentralasiens Nordkorea“, wie die ROG es betiteln, sei eine der am geringsten vernetzten Städte der Welt. Trotz Wahlversprechen des Präsidenten Gurbanuly Berdimuhamedov vor seinem Amtsantritt im Februar 2007 hätten Internetzugänge und Meinungsfreiheit im Netz hier keine Priorität.

Bereits 2006 gab es eine ähnliche Online-Demo. Diese stieß laut einem Bericht der e-media mit über 40000 Nutzern auf doppelt so große Resonanz.

2 Antworten auf Gesichtslose Demo gegen Internetzensur

  1. msaip sagt:

    Etwas absurd wirkt in diesem Zusammenhang die Bilderstrecke von sueddeutsche.de: 10 Screenshots, die alle diese weißen, gesichtslosen Avatare zeigen – nur der Hintergrund und die Überschrift wechseln (jetzt mal absichtlich ohne Link auf diesen Klickgenerator.)

  2. storge sagt:

    Wie die ROG auf ihrer Website berichten, besuchten ca. 100.000 User die Protestwebsite zwischen dem 12. und 13. März.
    An den Protesten beteiligten sich mehr als 21.000 virtuelle Demonstranten. Die “Plattform bleibt aktiviert und jeder kann mitmachen”.

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