Gefälschte Karadzic-Webseite in den Medien

Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Radovan Karadzic lebte als Arzt unter dem Decknamen Dragan Dabic 13 Jahre unerkannt in Belgrad und soll eine Homepage gehabt haben: dragandabic.com. Die wurde aber den Whois-Einträgen zufolge erst am 22. Juli 2008, also einen Tag nach der Festnahme des ehemaligen bosnischen Serbenführers, registriert. Nachrichtenagenturen und Onlinemedien brachten die News dennoch.

Offenbar hatten die Nachrichtenagenturen AFP und Reuters die Falschmeldung in die Welt gesetzt. bild.de, der westen.de, Welt Online, express.de und andere berichteten. Eine Gegenrecherche wäre leicht zu machen gewesen. Auf speziellen Seiten (Whois), ähnlich wie denen der deutschen Domaivergabestelle Denic, wird in der Regel das Datum der Registrierung vermerkt. Eine Abfrage ist innerhalb von Sekunden online möglich.

Anscheinend waren die Medien einem Hoax, einer Art Internet-Scherz, aufgesessen. Gerne bauen die Menschen hinter solchen Hoaxes auch angebliche Internetseiten von ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit geratenen Menschen. In 2007 tauchte beispielsweise ein Facebook-Profil von Bilawal Bhutto Zardiri auf, der nach dem Attentat auf seine Mutter Benazir Bhutto als Parteichef der Pakistan People Party nachrückte.

Eine Antwort auf Gefälschte Karadzic-Webseite in den Medien

  1. Kosmopolit sagt:

    Auch in der internationale Presselandschaft sind Verweise auf die Seite gerne ohne Recherche übernommen worden.

    Nachdem wir über die Geschichte heute morgen gebloggt hatten, war es France 24 abends eine Meldung wert.http://observers.france24.com/en/content/20080723-afp-fake-radovan-karadzic-website

    Ist aber generell schon sehr interessant wie wenig überall recherchiert wird…

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