Frißt die Informationsrevolution ihre Kinder?

Sechs provokante Thesen zur informationellen
Revolution der Online-Medien und ihrer
gesellschaftspolitischen Bedeutung in der
"Informationsgesellschaft"

Das erleben wir tagtäglich: Ob durch Zeitung, Fernsehen oder Internet –
Informationen aus aller Welt durchdringen unsere beruflichen und privaten Lebensräume.
Gerade die Neuen Medien haben nicht nur eine andere Infrastruktur der Informationsverbreitung
entstehen lassen, sondern auch eine neue Informationslawine losgetreten, deren Masse sich
mit noch größerem Getöse unaufhaltsam auf uns zubewegt als bisher der Fall. Das Schlimme
an der Info-Flut: Im Informationszeitalter kann ihr niemand entkommen. Aktuelle
Informationen sind zu einem lebensnotwendigen Bestandteil unseres Alltags geworden – ob
als bloße Mitteilung, als brisante Nachricht oder rein kommerzielle Ware. Die klassischen
"vertikalen" Steuerungsmedien, wie z. B. Macht, Geld oder Recht wurden unlängst abgelöst;
ein intakter Informationsfluß bestimmt nun als neues "horizontales" Steuerungsmedium
Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit in der modernen Informationsgesellschaft: "Nicht mehr
Eisen und Stahl, sondern Informationen sind die Ressourcen von heute." (1)

Die neuen Techniken erheben dabei einen "fast totalen Informationsanspruch" (2). In diesem
Sinne kann man sogar schon von einer "Informationsrevolution" sprechen, die dank Online-Medien
und Multimedia ausgebrochen ist: Noch nie zuvor war es möglich, so schnell, so günstig und
mit derart wenig Energieaufwand an Informationen aus allen Teilen der Erde zu gelangen.
Einzige Voraussetzung: ein Internet-Anschluß.
Revolutionär und neu an der Online-Nutzung sind dabei vor allem die weitverzweigten
Übertragungswege, auf denen Informationen rund um den Globus ihr Ziel finden.
Mit ihnen haben sich nicht nur die Möglichkeiten der Informationsübermittlung grundlegend
verändert. Auch die Verarbeitung von Informationen ist derzeit durch einen strukturellen
Wandel gekennzeichnet, der sich vorrangig in den Köpfen der Mediennutzer vollzieht:
" … Die Art und Weise, wie Informationen gewonnen, verbreitet und verwertet werden, haben
in den letzten Jahren in vielerlei Hinsicht einschneidende Neuerungen erfahren." (3)

Die Suche nach der Nadel im digitalen Heuhaufen
Einen erheblichen Anteil an den sich neu etablierenden Formen der Informationsverarbeitung
haben vor allem die Suchmaschinen. Die "search engines" versprechen eine komfortable Recherche,
indem sie nach Eingabe eines Suchbegriffs aus den Millionen Dokumenten im Internet diejenigen
auswählen, die neben dem gesuchten Begriff auch qualitativ brauchbare Daten enthalten.
In der Praxis freilich mangelt es hier und da noch an Komfort: Während herkömmliche Maschinen,
wie z. B. "Fireball" (www.fireball.de) oder
"Alta Vista" (www.altavista.com) zuweilen immer noch
endlos lange Listen mit Zehntausenden von Fundstellen ausspucken, von denen die meisten
uninteressant oder gar irrelevant sind, lassen hingegen einige neuere Konzepte schon jetzt
auf einen erkennbaren Mehrwert für den Nutzer schließen: Hier funktioniert die Sondierung
von "guten" und "schlechten" Informationen nach dem Prinzip einer systematischen Beurteilung
und Verarbeitung. Unter www.spiderview.de findet
sich beispielsweise eine schweizerische Suchmaschine für neuere Wirtschaftsinformationen,
die die eingegebene Anfrage nicht nur mehrsprachig übersetzt, sondern auch mit weiteren
Daten bündelt und die Quellen durch zusätzliche Benutzer-Rückkopplung auf eine übersichtliche
Anzahl reduzieren kann. (4)


Die gesuchten Informationen können alternativ dazu nach dem gängigen Verfahren von
Katalogisierung und Schlagwortsuche ebenfalls von "externen" Suchservices bezogen werden.
Zumeist handelt es sich hier immer noch um die – teilweise kostenpflichtigen – traditionellen
Pressearchive online (z. B. www.washingtonpost.com/wp-srv/searches/mainsrch.htm),
brauchbare Link-Listen von Privatpersonen (z. B. members.aol.com/bkliebhan/pressarc.htm)
oder kommerzielle Wissenanbieter mit unterschiedlichen Schwerpunkten (als Klassiker für
Wirtschaftsinformationen gilt z. B. www.genios.de).
Wem diese Art der Suche immer noch zu umständlich oder unübersichtlich erscheint, der kann
sich die Informationen auch von einer "elektronischen Zeitung" individuell zusammenstellen
lassen. Bei www.paperball.de für die deutschsprachige
Presse oder dem Pendant www.paperboy.net für
internationale (vor allem US-amerikanische und europäische) Quellen, werden nach Angabe
persönlicher "key words" ausgewählte Pressemedien nach den benötigten Informationen
durchforstet und – wenn gewünscht – sogar an die eigene E-Mail-Adresse versandt. Dieses
vor wenigen Jahren noch als Zukunftsvision eher belächelte Konzept der elektronischen
Tablett-Zeitung nach Roger Fidler (5) oder besser bekannt als Nicholas Negroponte’s Vorstellung
vom virtuellen "daily-me" (6), erfreut sich heute nicht nur bei Journalisten zunehmender
Beliebtheit. Bleibt die Datensuche selbst hier erfolglos, dann forschen – als letzte
Recherche-Möglichkeit – sogenannte "Info-Broker" auftragsweise nach den gewünschten
Informationen im Netz. Diese Wissen-Informationsdienste arbeiten teils maschinell, teils
aber noch von menschlicher Hand gesteuert und entwickeln dabei Suchstrategien, die dem
normalen Internet-Nutzer vorbehalten bleiben. Wer diese professionellen Dienste in Anspruch
nimmt, bekommt gegen Bezahlung nebst relevanten Informationen auf Wunsch auch den
Rechercheweg geliefert. Bei www.infobroker.de
gibt es beispielsweise obendrein kostenlose Tips und weitere Wissen-Adressen für
die Online-Recherche.

Die Internet-society ist per
se basisdemokratisch organisiert, bedingt in erster Linie durch die dezentrale Topologie
des Netzwerkes. Beispielhaft dafür steht die potentielle (und auch tatsächlich genutzte)
Kommunikation der netizens mit dem Weißen Haus (www1.whitehouse.gov)
oder auch erste Versuche einiger Mitglieder des Deutschen Bundestages
(www.bundestag.de), mit der Netzwelt Kontakt aufzunehmen. (7)
Dezentralisierung von Informationen und Informationspluralismus verhindern die Bildung von
totalitären Machtmonopolen. Politische Hierarchien werden durch die plebiszitäre,
heterarchische Struktur des Internet quasi aufgehoben. Verstopfte Informationskanäle
und die asymmetrische Verteilung von Know-how können jedoch zu politischer
Machtkonzentration und sozialer Benachteili-gung führen: "Es wäre ja denkbar, daß der
Mensch keineswegs immer willens und in der Lage ist, Informationen optimal zu geben und
aufzunehmen …" (8)

Mit der weltweit anwachsenden Online-Gemeinde geht auch ein enormes Wachstum des
Informationsvolumens und eine gleichzeitige Dezentralisierung des Informationsangebotes
einher. Diese beiden Phänomene spiegeln sich auch im Schlagwort der
"In-for-ma-tions-ge-sellschaft" wieder, zu deren charakteristischem Medium der Information
Superhighway geworden ist. In dem Begriff steckt aber vor allem, daß die "Informierung"
des Individuums zunehmend nur noch über Informationen als kommerzielle Ware erfolgen kann.
Im folgenden sollen deshalb die Auswirkungen der Informationsrevolution durch die Online-Medien
auf die soziale Wirklichkeit in sechs zugespitzten Thesen unter der Fragestellung
"Frißt die Informa-tionsrevolution über kurz oder lang ihre eigenen Kinder?" umrissen werden.
Insbesondere die Aspekte Machtkonzentration, Informationswertigkeit, Selektionsprozesse
durch User und marktliche Selbstregulierung durch Kommerzialisierung spielen hinsichtlich
der gesellschaftspolitischen Konsequenzen eine große Rolle.

These 1: Information gleich Wissen gleich Macht
Information ist Grundgut, Rohstoff und Produktionsfaktor. Der amerikanische Philosoph und
Ethnologe Gregory Bateson bietet folgende, zunächst trivial klingende Definition von
"Information" an: Sie ist "irgendein Unterschied, der bei einem späteren Ereignis einen
Unterschied ausmacht." (9)
Im Sinne der Informationsökonomie will Information als Ware verstanden werden und ist
gleichzeitig in der Informationssoziologie als "Zufuhr von Wissen" definiert und somit
als ein Prozeß, der dank intakter Informationswege der Beseitigung von Unkenntnis dient.
Ein Mehr an Information, umgewandelt in Wissensvorsprünge, gilt im betriebswirtschaftlichen
Kontext als Mehrwert. Gesellschaftspolitisch gesehen übt Information als akkumuliertes Wissen
einen entscheidenden Einfluß auf das Demokratisierungsverhalten, die politische Mitbestimmung
und den sozialen Status des Individuums aus. Wissen durch Information erwächst gerade in der
Informationsgesellschaft zum potentiellen Machtinstrument. Ergo: Information gleich
akkumuliertes Wissen gleich Konzentration von Macht.

These 2: Mehr Informationen führen zu mehr Desinformiertheit
Al Gore, der heutige Vizepräsident der Vereinigten Staaten, prägte 1993 den Begriff des
Information Superhighway: Jedem Amerikaner solle an jedem Ort, zu jeder Zeit und zu einem
akzeptablen Preis Zugang zu jeglicher Art von Information ermöglicht werden. Information ist
prägendes Merkmal unserer Informations- und Wissensgesellschaft. Die Informationsgesellschaft
stellt sich aber nicht – wie vielleicht qua definitionem anzunehmen wäre – als informierte
Gesellschaft dar. Im Gegenteil: Die einem ständigen Alterungsprozeß unterworfenen
Informationsmengen erzeugen eine zunehmende Desinformiertheit in der Informationsgesellschaft
und werden zum Dilemma des global citizen. Die exponentielle Verbreitung der
Internet-Technologie und die damit einhergehende Informationsexplosion vergrößern zwar die
Bildungs-, Entfaltungs- und Lebenschancen des Individuums, sie begünstigen aber auch eine
weitergehende Verwissenschaftlichung aller Lebensbereiche und führen zunehmend zu Irritationen
und Desorientierung. Das postindustrielle Zeitalter ist durch ein neues Menschenbild
charakterisiert: Mit dem Wandel von der Industrie- zur Informationsgesellschaft wird der
"homo oeconomicus" durch die Gestalt des "homo informaticus" abgelöst. Eine informatisierte
Dienstleistungsgesellschaft, die sich aus nach Informiertheit strebenden Individuen
konstituiert, läßt schließlich eine zentrale Frage in den Vordergrund rücken: die nach der
optimalen Informationsverarbeitung.

These 3: Differenzierungsfähigkeiten bestimmen die sozialen Spaltungslinien
Die Gesellschaft wird bereits unaufhaltsam von der Informationswelle erfaßt. Rettungsboote
sind nur vereinzelt in Sicht. Orientierungs- und Medienkompetenz auf der Datenautobahn und
ein zieladäquater Umgang mit Informationen können nur durch das Funktionieren eines
ausgeprägten Selektions- und Differenzierungsapparates gewährleistet werden. Obwohl der
Informationszugriff auf Abruf und der blitzschnelle Datentransfer einen erheblichen Beitrag
für die globalen Kommunikationsstrukturen leisten, können Authentizität und Fundiertheit von
Informationen jedoch in den seltensten Fällen gewährleistet werden. Das mit Trivialität
übersättigte Informationschaos im Internet läßt das global village schnell zur glocal village
degenerieren. Soziale Abgeschiedenheit gilt dem, der entweder durch eine Verhinderung des
public access nicht am Informationsprozeß teilnehmen kann oder dem – angesichts der
Informationsflut – der Differenzierungsmechanismus versagt. Die Zielgerade des Information
Superhighway endet geradewegs im Szenario einer Zweiklassengesellschaft;
fehlende Differenzierungsfähigkeiten als Schlüsselkompetenzen beschreiben die soziale
Spaltungslinie von morgen.

These 4: Kommerzialisierung bietet nur eingeschränkte Selektionsmöglichkeiten
Die zunehmende Kommerzialisierung des Netzes kann nur kurzfristig als wirksamer
Filtermechanismus aufgefaßt werden: "Da mit ihr die ökonomischen Gesetze der Regulierung durch
den Markt zu greifen beginnen, ist in den nächsten Jahren vereinzelt mit einer qualitativen
Verbesserung des Online-Angebots durch Gebührenfinanzierung zu rechnen." (10)
Mit der Einführung einer nutzungsabhängigen Preisstruktur ist es bereits heute möglich,
zuverlässige Dienste maßgeschneidert über die Internet-Plattform anzubieten. Kommerzialisierung
läuft aber auch Gefahr, Qualität an ausschließlich marktwertorientierten Kriterien bezüglich
der Verkäuflichkeit an Werbeträger zu messen. Eine realistisches Szenario, das vor allem
zu Lasten von Bildungswesen und Jugendschutz geht: "Es wird dereguliert, und die Jugend wird
der kommerzialisierten informationellen Umwelt ausgeliefert." (11) Um den free flow
of information auf der Datenautobahn und damit die gesellschaftliche Integration des
Individuums dennoch gewährleisten zu können, muß eine qualitative Informationsinfrastruktur
geschaffen werden, die dem Verbraucher künftig erlaubt, zwischen infotainment, infotisement
(information + advertisement) und wahren Informationen – kurz: low-quality-
und high-quality-Informationen – unterscheiden zu können.

These 5: Grenzenlose Infomasse gleich Nutzlosigkeit des Internet
Bei der nahezu grenzenlosen Zunahme des Informationsvolumens besteht für den Nutzer die
Gefahr, die jeweils gesuchte Information gar nicht oder nur schwer aus dem Informationswust
herausfiltern zu können. In diesem Zusammenhang ist der Verfall von Informationen ohne Pflege
zu nennen: Da es für Daten-Müllhalden keine Müllabfuhr gibt, wird sich die Infomasse
sukzessive vergrößern, ohne daß veraltete Informationen ausgewechselt oder erneuert werden.
Datenrückstände und kommerzielles infotisement können die Kommunikationsleitungen im Internet
verstopfen und lassen – wie im realen Leben – Müllberge von nicht mehr aktuellen und
irrelevanten Informationen zurück, um deren Entsorgung sich niemand Gedanken macht und die
als wertlose Ausscheidungen der sozialen Elite nur noch der Informationsparia angeboten werden:
"Die sozial Schwachen werden auf die "Informationsmüllhalden" der Informationsgesellschaft
verwiesen werden, wo sie dann in der dort ausgekippten "kostenlosen" Information wühlen können." (12)
Die unkontrollierbare Infomasse verringert damit den Gebrauchswert des Internet bis hin zur
völligen Nutzlosigkeit.

These 6: Kommerzielle Suchdienste als Zensurinstanzen für Privilegierte
Zwar ergibt sich durch die Be- oder Entwertungsverfahren der Suchmaschinen für den Nutzer
rasch eine sehr viel kleinere Menge an zu verarbeitenden Informationen. Der Vorteil, direkten
Zugriff auf sämtliche zur Verfügung stehende Informationen zu haben, wird somit jedoch von
vorne herein eingeschränkt. Die so gewonnenen Daten unterliegen bereits einer Zensur und
Prüfung, so daß das theoretische Prinzip der Informationsdezentralisierung in der Praxis seine
Grenzen findet – also dort, wo zwischen Anbietern originärer Inhalte und dem Nutzer zusätzliche
Instanzen zwischengeschaltet werden, denen Vorauswahl und Manipulation von Daten offenstehen.
Ferner zeugt die Informationsselektion durch Dritte nicht nur von einer Umwandlung in
Informationen zweiter Ordnung, sondern gleichzeitig von einer Tendenz zum Informationsforum
für Privilegierte. Hier kann – langfristig gesehen – nur Informationen bekommen, wer sowohl
die finanziellen Mittel als auch das nötige Know-how mitbringt, um über kommerzielle
Suchdienste an qualitativ bewertete Daten zu gelangen – mit welchen Maßstäben auch immer
diese Qualität gemessen wird.

Informationsgesellschaft: Transformationsgesellschaft?
Die weltweite Vernetzung trägt epochale Züge hinsichtlich der
Verbreitung von Informationen. Der Informationsnutzung jedes Einzelnen
wird sie bislang hingegen nicht oder nur ansatzweise gerecht. Die
Bedingungen der Informationsverarbeitung werden auch weiterhin das
gesellschaftliche Zusammenleben und die Teilhabe an
gesellschaftspolitischer Mitbestim-mung maßgeblich beeinflussen.
Informiert sein heißt dabei längst nicht mehr nur in Fachdis-kussionen
mitreden zu können. Informiertheit in der Informationsgesellschaft
bedeutet vor allem eines: die "richtigen" Informationen zu selektieren.
Wer ein Mitspracherecht an gesell-schaftspolitischen Entscheidungen
erhalten will, muß in erster Instanz gezielt auswählen kön-nen, um am
politischen Meinungs- und Willensbildungsprozeß teilnehmen zu können.
Selek-tion und Verwertung von Informationen werden in naher Zukunft
somit ganz zweifellos und mehr denn je die individuellen
Existenzgrundlagen bilden. Dafür erfordert der Umgang mit der
Online-Technik zunehmend Schlüsselkompetenzen und Kunstfertigkeiten,
die eine persönliche Auswahl der nötigen Informationen erst
ermöglichen. Das Internet unterliegt derzeit jedoch einem
unvorhersehbaren Strukturwandel nicht nur wirtschaftlicher, sondern vor
allem gesellschaftlicher Natur. Alte Informationsinfrastrukturen
verlagern sich, neue Finanzierungs- und Nutzungsstrukturen entstehen.

In dieser dynamischen Transformationsphase, in der es vor allem um die Konvergenz von alten
und neuen Medien geht, kann von einer generellen Nutzlosigkeit des Netzes vorerst nicht die
Rede sein. Dabei wäre es jedoch leichtfertig, sich auf die neuen Kommunikationsformen zu
verlassen, ebenso wie sich ausschließlich auf die klassischen Informationsstrukturen zu
versteifen. Der Wandel der Informationskultur und ihrer Instrumente bietet trotz der
zunehmenden Inflation von Informationen ein unbegrenztes Potential zur Erweiterung des
Wissens, für Innovationen und Entfaltung von Kreativität. Ob die informationelle Revolution,
die uns Online und Internet beschert haben, jedoch nicht früher oder später ihre Kinder
frißt, sich also gegen die ursprünglichen Ideen jener richtet, die so vehement für die neue
Informationstechnologie als der Demokratisierung förderliches Medium gekämpft haben, bleibt
indes abzuwarten.

Anmerkungen:

 

  1. Der Autor und Publizist Rudolf Maresch auf der 13. Hamburger Mediendebatte am 9. Dezember 1998.

     

  2. Roß, Dieter: Der Markt als sozialverträglicher
    Regelungsmechanismus. Unveröffentlichtes Manuskript zum Mediensymposium
    in Luzern im Dezember 1998, S. 5.

     

  3. Sonnleitner, Martin / Stadthaus, Markus / Weichert,
    Stephan A. et al.: Online Recherchieren. In: Neverla, I. (Hrsg.): Das
    Netz-Medium. Kommunikationswissenschaftliche Aspekte eines Mediums in
    Entwicklung. In-stitut für Journalistik. Opladen 1998, S. 245.

     

  4. Innovativ an Spiderview sind vor allem die
    Quellenbündelung, die mehrsprachige Suchanfrage und die Verarbeitung
    von Satzteilen oder ganzer Sätze. Zudem arbeitet das Programm mit einer
    sogenannten "Rele-vanzrückkopplung", durch die der Informationsradius
    immer mehr eingegrenzt werden kann und dem Cross-Language Information
    Retrieval, einer Art Synonym-Suche, die mittels Pseudoübersetzungen
    funk-tioniert. Vgl. Weber, Felix: Mit einem Griff die Nadel aus dem Heu
    ziehen. In: Neue Zürcher Zeitung vom 4.12.1998, S. 53.

     

  5. Siehe Fidler, Roger: Die digitale Zeitung. In: Zeitungstechnik. Januar 1994, S. 4.

     

  6. Vgl. dazu Negroponte, Nicholas: Bits are Bits: The
    Consequences of Being Digital. In: CSC Vanguard (Hsrg.): The Future of
    Print Journalism in the Digital Age. Cambridge 1994, S. 10.

     

  7. In Deutschland mangelt es, sowohl inhaltlich als auch
    formal, bislang noch an kreativer Umsetzung politi-scher
    Online-Kommunikation. Die Partizipationsmöglichkeiten fallen eher
    dürftig aus (vgl. dazu die Ergeb-nisse der Online-Studie von Philipp
    Stradtmann unter www.politik-digital.de); hartnäckig kreisen hier
    der-zeit die Debatten noch um Krypto-Politik und den Standort
    Deutschland. Vgl. z. B. Sudik, Claudia: Wahl-kampf der
    Paragraphen-Surfer. In: die tageszeitung vom 24.09.1998, S. 19.

     

  8. Seiffert, Helmut: Information über die Information. München 1968, S. 125.

     

  9. Bateson, Gregory: Ökologie des Geistes. Anthropologische,
    psychologische, biologische und epistemologi-sche Perspektiven.
    Frankfurt a. M. 1981, S. 488.

     

  10. Sonnleitner, Martin / Stadthaus, Markus / Weichert, Stephan A. et al.: a. a. O., S. 260.

     

  11. Haefner, Klaus: Bildung einer computerisierten
    Gesellschaft – Trend- und Wunschszenario. In: Schell et al. (Hrsg.):
    Jugend auf der Datenautobahn. Sozial-, gesellschafts- und
    bildungspolitische Aspekte von Multi-media. München 1995, S. 84.

     

  12. Ebd., S. 99.

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