Facebook als Kampagnenwerkzeug: Online-Wahlkampf in den USA

Vor vier Jahren war der Einsatz von sozialen Medien wie Facebook im US-amerikanischen Wahlkampf revolutionär. Eine Online-Kampagne in diesem Ausmaß hat es vor 2008 noch nicht gegeben. Vier Jahre später stellt sich die Frage, welche Rolle Facebook im diesjährigen Wahlkampf spielt. In ihrem Vortrag auf dem Politcamp beschäftigte sich die Facebook-Repräsentantin Elizabeth Linder am Wochenende mit dieser Frage.

Elizabeth Linder, die sich bei Facebook um „Politics & Government“ in Europa, dem Nahen Osten und Afrika kümmert, hat eine klare Antwort auf diese Frage: Facebook ist auch im US- Wahlkampf 2012 wichtig. Denn die Wahrscheinlichkeit, jemanden über Facebook von seiner Person oder Partei zu überzeugen, sei um 57 Prozent höher als mithilfe anderer Medien.

Allerdings habe sich die Nutzung von Facebook als Kampagnenwerkzeug seit 2009 erheblich verfeinert und ausdifferenziert. Statt auf der eigenen Facebook-Seite Wahlwerbung zu betreiben, zielten Politiker heute darauf ab, die Gesellschaft Informationen für sie verbreiten zu lassen, „weil man seinen Freunden mehr vertraut“. Dieser Prozess wird ”micro-listening” genannt, also Zuhören auf Mikro-Ebene. Vor allem Barack Obama nutze diese Strategie. So wolle der Amtsinhaber mit der Webseite “Latinos for Obama” per „micro-listening“ die Unterstützung der in den USA lebenden Latinos gewinnen. Die Wähler sollen öffentlich teilen, was sie interessiert, damit andere Leser dies auch erfahren: “making the community spreading the message for you” beschreibt Elizabeth Linder diesen Prozess.

Dabei findet sich eine nicht geringe Anzahl an Politikern in der Community: So veröffentlicht beispielsweise der republikanische Vizepräsidentenkandidat Paul Ryan auf seiner Homepage Videos von anderen führenden Republikanern, um diese zu unterstützen.

Neu sei auch die enge Verzahnung von Online- und Offline-Wahlkampf, erklärt Lindner. Die Wähler möchten ihre Politiker demnach nicht nur online treffen, sondern auch die Chance auf den realen Kontakt haben, wie bei einem Abendessen mit Barack Obama oder auf Bootstouren mit Mitt Romney. Der Wähler müsse selbst feststellen können, dass das Online-Ich des Politkers zum Offline-Ich passe.

Um die Aufmerksamkeit der Facebook-Nutzer auf sich zu ziehen, sei es außerdem wichtig, unterschiedliche Themen aufzugreifen. Selbst in Zeiten der Wirtschaftskrise müsse der Umweltschutz weiter thematisiert werden. Und vor allem wolle der Wähler bzw. Facebook-Nutzer das Gefühl haben, dass er in die Diskussion einbezogen werde. Die Gesellschaft zu involvieren, wie es Scheich Mohammed tat, als er für die Vereinigte Arabischen Emirate die Bürger nach einer neuen Regierungs-Strategie auf Facebook suchte, ist nur ein erfolgreiches Beispiel für diese Methode.

Die Bedeutung von Online-Medien gegenüber klassischen Medien sieht Linder realistisch. Letztere blieben weiterhin relevanter im Wahlkampf, glaubt die Facebook-Vertreterin.

Fazit ihres erfrischend informativen Vortrags war, dass auch Facebook immer mit dem Trend gehen und sich den Gegebenheiten anpassen müsse. Denn der bestimme, was gerade wichtig und volksnah in der Politik ist: ”Everything you learned today will probably be completely different in twelve months”, schloss Linder.

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