Eingeloggt im Beta-Test

Direkte
Demokratie leicht gemacht. Ein politisches Bildungsangebot im aktuellen
Look. Wie funktioniert ein Online-Tool im Wahlkampf? Was kann der
registrierte Nutzer im Kampf um virtuelle Wählerstimmen alles
erreichen? Eine Einführung in das Politiksimulations-Spiel der CDU
‘www.wahlkreis300.de’.

Wählen kann im interaktiven Wahlkreis 300
der CDU jede und jeder. Weder die deutsche Staatangehörigkeit, noch
Volljährigkeit sind erforderlich und selbst ein Wahlschein wird nicht
verlangt, um am virtuellen Wahlspiel der Christdemokraten teilnehmen zu
können.

Im Internet
gelten andere Regeln als das deutsche Wahlrecht. Seit der Eröffnung
durch die CDU-Parteivorsitzende Angela Merkel am vergangenen Dienstag
auf der CeBIT,
hat sich eine beträchtliche Zahl von virtuellen Parteimitgliedern um
die fünf offenbar vertretenen Bundestagsparteien im neuen Wahlkreis 300
geschart.
Einmal eingeloggt in den vorläufigen Beta-Test, eröffnet sich ein
vollständig simulierter Wahlkampf. Hinter den Symbolen von CDU,
SPD, FDP,
PDS und den Grünen
finden sich Parteiprogramme, aktuelle Informationen, Termine virtueller Meetings,
fiktive Spitzenkandidaten und verschiedene Foren, die Raum schaffen sollen zur
Diskussion zwischen Parteianhängern und der politischen Konkurrenz.

Als registriertes
Parteimitglied kann man Pressemitteilungen und Werbebanner erstellen,
Plakate kleben und Flugblätter verteilen. Parteispenden und eine aktive
Partizipation an der interaktiven Kampagne bringen Virtuelle Euros
(VE), erhöhen den Community Credit (CC) und erlauben somit einen
Aufstieg im Wahlkreis-Ranking, gleichbedeutend mit mehr
Einflussmöglichkeiten innerhalb der Wahlkampfstrategie. Doch auch als
parteiloser Teilnehmer kann man den Wahlkampf verfolgen und am Tag der
realen Bundestagswahl am 22. September zweimal wählen gehen: Zum einen
den virtuellen Bundestagsabgeordneten für den Wahlkreis 300 und zum
anderen die Besetzung der Bundesregierung in Berlin.

Sinn der
Wahlanimation scheint die Erprobung des Verhaltens der jungen
Wählerschaft im Hinblick auf die Bundestagswahlen im September diesen
Jahres zu sein. Wie reagiert die Zielgruppe des Spieles, die politisch
interessierte Jugend Deutschlands, auf verschiedene Kampagnen und
Strategien und welchen Nutzen kann die Berliner CDU-Wahlkampfzentrale
daraus für den Wahlkampf auf Bundesebene ziehen?

Die Authenzität
der Kampagnen ist das grosse Manko der Simulation, denn zu leicht
vergisst der Teilnehmer, dass es sich nicht um ein parteiübergreifendes
Wahlspiel handelt, sondern um ein von den Christdemokraten inszeniertes
Projekt.
Allein die CDU kann auf die Internet-Seiten zugreifen, um Inhalte zu erstellen und Strategien zu verändern.

Diese subjektive
Publikation von Informationen mit der Verwendung der offiziellen
Parteisymbole war der Ansatzpunkt für die Kritik der vier anderen
Bundestagsparteien, die rasch mit rechtlichen Schritten drohten, würden
die Partei-Logos nicht umgehend durch fiktive ersetzt.


Doch
CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer liess die gestellten Ultimaten
verstreichen und legitimierte das Angebot in seiner Antwort unter
Berufung auf die öffentliche Zugänglichkeit der Plattform für alle
Wähler. Noch sind die realen Symbole der vier anderen Parteien online,
bleibt abzuwarten wie lange.

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