Digital ist besser?

Das haben sich auch Jens Oenicke und einige seiner
Mitmenschen gefragt, und gründeten kurzerhand am 8. Juni diesen Jahres ihre Partei
"Die Digitalen".

Knapp einen Monat später wurde die neue Partei vom Landeswahlleiter zur Wahl
zum Berliner Abgeordnetenhaus zugelassen. Um aber auch tatsächlich daran teilnehmen zu können,
benötigen die Digitalen insgesamt 2200 Unterstützungsunterschriften von Wahlberechtigten
Berlinern.

Jens Oenicke

Jens Oenicke

Jens Oenicke (33), Gründer, Vorsitzender und Spitzenkandidat der "Digitalen", möchte kein Politiker
der alten Schule sein (siehe auch das Interview). So erinnert seine vita doch
irgendwie auch an einen anderen Politik-Quereinsteiger, der vergeblich versuchte der Politik seinen Stempel
aufzudrücken und schließlich "freiwillig" seinen Verzicht erklärte. Oenicke ist ausgewiesener Marketing- und
Kommunikationsfachmann, Vorstandsmitglied der VIRBUS AG und Buchpreisträger ("Online-Marketing") und müßte sich eigentlich
nicht in der Politik engagieren, da er seine Brötchen offensichtlich woanders verdient. Doch anscheinend hat Oenicke wie auch
seine Mitstreiter eine Vision dieser Gesellschaft, die auch ein anderes Verständnis von Politik impliziert.

Deshalb wollen die Digitalen sich
hauptsächlich der Neuen Medien bedienen, um höchste Transparenz
gegenüber den Bürgern und Bürgerinnen zu erreichen. Dabei sollen die
Neuen Medien dazu eingesetzt werden, um möglichst flexibel und schnell
zu reagieren, Abstimmungen und Meinugsbildung vorzunehmen und
Informationen zu verbreiten. Dies alles sei im Rahmen des Grundgesetzes
durchsetzbar, meinen die Digitalen. In ihrem Programm, das sich nicht
an konkreten politischen Beispielen aufhält, sondern eher
"Pauschallösungen" anbietet, heißt es "wir verfolgen die Absicht, die
eingefahrenen Bahnen der heutigen Politik mit den Mitteln des
Informationszeitalters zu verändern". Die neuen Medien seien ein
ideales Mittel, um Problemen angemessen zu begegnen und so langfristig
die gesellschaftliche Veränderung aktiv zu steuern. Ganz groß
geschrieben wird bei den Digitalen die "Open Idea Policy", das heißt
eine "zeitgemäße pragmatische Politik jenseits von dogmatischen
links/rechts Debatten". Sogar das Sparproblem scheint ganz einfach
gelöst werden zu können, denn "gespart werden muß nicht, wenn man nicht
krampfhaft versucht, alte und erstarrte Strukturen künstlich am Leben
zu erhalten." Stattdessen sollte man, laut Parteiprogramm, neue Wege
finden, um den politischen und gesellschaftlichen Alltag zu
revolutionieren. Daß die etablierten Parteien noch nicht
darauf gekommen sind, ist bei so einfachen Lösungsmöglichkeiten kaum zu
glauben.


Obwohl sich die Digitalen von jeglichen Ideologien freisprechen, wünschen sie sich
– ganz idealistisch – eine Gesellschaft, die tolerant, offen, grenzenlos, selbstbewußt und
komplett eigenverantwortlich ist. Doch wenn dort steht "Es soll wieder Spaß machen zu leben",
fragt man sich schon, ob die anderen Parteien etwas anderes erreichen wollen.
Nach Antworten soll erst gesucht werden, wenn die richtigen Fragen gestellt wurden. Damit
wollen die Digitalen nach der Wahl am 10.Oktober anfangen.

Kommentar verfassen