Die Front ist überall. James Bond und der Cyberwar

Was haben James Bond, Otto Schily und die Pakistanis gemeinsam?
Sie alle, und nicht nur sie, haben Angst vor dem Cyberwar


James Bond war wieder einmal schneller. Bereits 1995 machte er sich in "Golden Eye" auf die Hatz nach einer
Wunderwaffe, die mittels Computer-log-in die ganze Welt beherrschbar oder wahlweise vernichtbar machen konnte.
Natürlich musste er dazu in den russischen Winter fahren und einem beachtlichen Aufgebot an Überbleibseln aus
dem sowjetischen Sortiment herkömmlicher Waffen trotzen. Letztlich rettete er das goldene Auge aus den Fängen
der in diesem Fall vollbusigen russischen Mafia und die Welt war wieder sicher. Bis zur nächsten Mission.

Was James vor Jahren bereits charmant zwischen zwei Drinks erledigte, steht den wackeren Mitgliedern der
Task-Force zum Thema Cyberwar noch bevor. Im Auftrag "Unseres Innenministers" erst in diesem Jahr ins Leben
gerufen, spüren die Mitglieder der Truppe den potentiellen Risiken eines Cyber-Angriffs auf wichtige Behörden und
öffentliche Einrichtungen nach. Alles weitere ist allerdings streng geheim. Die Task-Force tagt geheim, wer ihr
angehört ist geheim und was genau dort herausgefunden wird ist quasi staatsgeheim. Was so geheim ist, muss
sehr gefährlich sein. Ein winziges bisschen Licht ins Spiel brachte der Spiegel, als er aus einem unveröffentlichten,
natürlich geheimen Bericht der digitalen Abwehr-Konferenz berichtete. Es "kann eine Kettenreaktion
ausgelöst werden, die eine ernsthafte Krise nach sich zieht und die innere Sicherheit Deutschlands tangiert,"
heisst es in diesem Bericht zum Thema Angriff aus dem Netz.

Nun ist immerhin klar, dass die virtuelle Kriegsführung auch in Deutschland ein ernst genommenes Thema ist. Wir
können uns zwar nicht vor einem nationalen Großmachtstrauma im Stile eines virtuellen Vietnam oder eines
digitalen Pearl-Harbours fürchten, aber immerhin wäre es ja möglich, dass sich einige Apo-Veteranen, alt und
gehfaul geworden, aufs Hacken verlegt haben. Dass wäre dann endlich mal wieder eine neue Gefahr von links.
Oder aber die Fraktion der aufgebrachten Cyber-Inder nimmt sich die Homepage von Herrn Rüttgers vor und rächt
sich für dessen kinderfreundliche Statements. Oder der Krieg bricht in der pfälzischen Provinz aus und Helmut Kohl
legt den Untersuchungsausschuss lahm. Immerhin sind die gefährlichen Mikrowellen-Waffen mit denen der
gemeine Cyberterrorist jegliche Hardware kaputt stören kann, gerade mal Geldkoffer-groß. Live and let die.

Allmählich wird deutlich: der Krieg kann tatsächlich von überall ausgehen und ohne Wahrung von nationalen
Grenzen und traditionellen Feindbildern virtuelle Trümmerwüsten hinterlassen. Wo die Front gerade ist, wird schwer
festzustellen sein. Hinter jeder bürgerlichen Fassade können die Cyber-Terroristen und digitalen Soldaten zum
Großangriff aufrüsten. Im Moment. Jetzt.

Dagegen ist Star-Wars Kinderkram und Akte-X kalter Kaffee. Selbst James Bond muss sich jetzt was Neues
ausdenken. Aber eine Lösung wird er sicher finden. Übrigens: Der neue "Q" im nächsten Bond soll von einem
Pakistani gespielt werden.

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