Deutsche Angst vor Modernisierung hält an

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Die Ergebnisse des eGovernment MONITOR 2015 zeigen, dass der Großteil der Deutschen die Digitalisierung nach wie vor mit Skepsis sieht. Dem Formular zum Anfassen, dem Gang ins Rathaus und dem Stempel des Beamten traut man mehr als modernen Online-Bürgerdiensten. Unsere Nachbarn aus Schweden, Österreich und der Schweiz sind uns hier ein paar Schritte voraus.

Beim eGovernment hinkt Deutschland seinen europäischen Nachbarn hinterher. Der am Donnerstag von der Initiative D21 e.V. veröffentlichte eGovernment MONITOR 2015 zeigt, dass Nutzung und Akzeptanz von Online-Bürgerdiensten in Deutschland weniger ausgeprägt sind als in Schweden, Österreich und der Schweiz. Während die Nutzungszahlen in diesen Ländern im letzten Jahr deutlich zunahmen, sanken sie in Deutschland um sechs Prozentpunkte. Trotz dieses negativen Wachstumstrends ist der Wunsch nach einem „Digitalen Bürgerbüro“ mit 58 Prozent der Befragten in Deutschland aber überraschend groß.

Zum sechsten Mal haben die Initiative D21 e.V. und das Münchener Forschungsinstitut ipima letzten Donnerstag den eGovernment MONITOR dem Bundesinnenministerium vorgestellt. Die repräsentative Studie wird seit 2010 jährlich von Marktforschern von TNS in Form von 1.000 Online Interviews durchgeführt, um ein Bild der Nutzung und Akzeptanz von eGovernment-Angeboten, also der Verbesserung des Verhältnisses Bürger-Staat mittels neuer Medien, zu bekommen. Die Ergebnisse aus Deutschland werden anschließend mit den Ergebnissen aus Schweden, Österreich und der Schweiz verglichen.

Deutschland lag mit 39 Prozent im Vergleich zu seinen drei europäischen Nachbarn durchschnittlich 30 Prozentpunkte weiter hinten. In der Schweiz nutzten während des vergangenen Jahres 69 Prozent der Bevölkerung eGovernment, in Österreich waren es 73 und in Schweden sogar 75 Prozent. Zu diesem Umstand äußerte sich auch die Staatssekretärin im Bundesinnenministerium Cornelia Rogall-Grothe besorgt: „Es gibt nichts zu beschönigen: Deutschland tritt in Sachen Akzeptanz und Nutzung von eGovernment-Angeboten auf der Stelle. Diese Feststellung sollte uns allen, die wir tagtäglich an der Modernisierung der Verwaltung arbeiten, mit Unbehagen erfüllen“.

Während sich die unzureichende Bekanntheit der Online-Angebote als größte Nutzungsbarriere in allen vier Vergleichsländern herausstellte, zeigten die Meinungsforscher, dass Onlinefahrpläne für den öffentlichen Nahverkehr, gefolgt von Informationen zu Öffnungszeiten und Kontaktdaten, in Deutschland und Österreich die beliebtesten Bürgerdienste waren. Um letztere herauszufinden, verwendeten 57 Prozent der Nutzer Suchmaschinen wie Google. Prestigereiche Projekte wie die digitalen Steuererklärungen oder der elektronische Personalausweis wurden hingegen kaum gesucht. Im Bericht hieß es dazu passend „Was man nicht sucht, weil man es nicht kennt, kann man auch nicht finden“.

Digitaler Gang ins Rathaus?

Wenn es um das Ausfüllen von Formularen und anstrengende Behördengänge geht, sind sich immerhin 58 Prozent der Deutschen darin einig, dass ein „Digitales Bürgerkonto“ das Leben vereinfachen würde. Das Bürgerkonto könnte Dienste gebündelt online erfassen und anschließend an die jeweils zuständigen Behörden verteilen. Es würde Bürokratie abbauen und die Verwaltung modernisieren. Die regelmäßige Nutzung von integrierten und zunehmend individualisierten digitalen Serviceleistungen ist mittlerweile Teil unseres Lebens geworden. Dennoch ziehen es laut der Studie 26 Prozent der Befragten vor, die Behörden einzeln zu kontaktieren.

Trotz der NSA-Affäre hat die Nutzungsbarriere „Datenschutz und Datensicherheit“ nachgelassen. Hier wies der Report einen rückläufigen Trend auf. Von 2014 bis 2015 sank die Bedeutung in Deutschland um 15 Prozentpunkte von 66 Prozent auf 51 Prozent. Auch die Angst vor Datendiebstahl ist mit 55 Prozent deutlich geringer als zuvor. Minimal schwächer ist auch die Zustimmung zu Open-Government-Angeboten, wie beispielsweise Online-Petitionen, geworden. Diese Form der digitalen Bürgerdienste stützten nur noch 27, statt 29 Prozent der Deutschen im Vergleich zum Vorjahr.

 

Bild: photosteve101(CC BY 2.0)

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