Des Teufels gute Seiten

Die CDU startet den Wahlkampf im Internet


Bei der ersten Zwischenbilanz des Webwahlkampfs
in Baden-Württemberg Ende Januar schnitten die Christdemokraten bei politik-digital nicht gut ab.
Spitzenkandidat Erwin Teufel ohne Homepage, die CDU ohne Kampagnensite. Dabei war die Konkurrenz längst
online auf Stimmenfang gegangen. Dieses Urteil ist inzwischen hinfällig geworden. Teufels Truppe hat
nachgezogen. Mit einer ganzen Reihe unterschiedlicher Sites stellt sie sich dem Webwahlkampf im Ländle.

Unter dem selbstbewussten Motto "Die Kraft des Südens" präsentieren sich sowohl die
Landespartei als auch der amtierende Ministerpräsident
Erwin Teufel. "Kraft des Südens, das ist ein
hoher Anspruch", sagt Parteisprecher Tobias Brinkmann, "aber wir könnnen das mit Zahlen belegen. Wir
haben die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit Europas und das größte Wirtschaftswachstum aller deutschen
Länder."

Tatsächlich sind die entsprechenden Wirtschaftsdaten auf der Seite der Landespartei aufgeführt – stark
hervorgehoben werden sie jedoch nicht. Zum einen setzt die Partei mehr auf die Überzeugungsarbeit in
der Fußgängerzone, erklärt Brinkmann. Deswegen sind Flugblätter mit Argumenten und Daten nur im Intranet
für Wahlkämpfer der Partei erhältlich. Zum anderen gehen die Christdemokraten schlicht davon aus, dass
sie mit Wirtschaftslob bei den Wählern Hintergrundwissen ansprechen: "Wer hier lebt, der weiß genau,
wie es im Land aussieht und was die CDU in 48 Jahren Regierungsarbeit dazu beigetragen hat", glaubt
Tobias Brinkmann. "Das müssen wir im Internet nicht groß herausstellen."

Unter cdu.org präsentieren sich alle Kandidaten für ein Direktmandat des Landtags, benutzerfreundlich
sortiert nach Wahlkreisen oder Namen. Darüber hinaus führen Links auf die Seiten der Kandidaten. Sehr
übersichtlich gestaltet sich die Vorstellung der Themenschwerpunkte, die in einer gesonderten
Navigationsleiste aufgeführt sind. Als Einführung in jedes Thema dient ein kurzer Text – bei Bedarf
sind auch Hintergrundinformationen und aktuelle Pressemeldungen zum jeweiligen Thema abrufbar.

Neben Pressemitteilungen, Diskussionsforum und Newsletter bietet die CDU-Site in einem Online-Shop
Parteidevotionalien. "Erw!n"-(Teufel)-Button, Eiskratzer mit Parteienblem – und ein Anstecker,
der das CDU-Logo in Form eines Smileys darstellt. Damit ist die Stuttgarter Landeszentrale den Wünschen
ihrer Mitglieder nachgekommen, wie Parteisprecher Tobias Brinkmann erläutert: "Die Partei liebt den
Smiley. Seit dem letzten Wahlkampf ist er ein Kultobjekt."

Die dagegen inhaltlich eher spartanisch gehaltene
Teufel-Site bietet einen knappe Präsentation des
Spitzenkandidaten, bestehend aus einem Lebenslauf und drei kurzen Fragebögen zu persönlichen und
politischen Themen. Terminankündigungen, aktuelle Pressemeldungen und ein Gästebuch runden die
Website ab. Teufels Homepage wirkt durchaus ansprechend, leider fällt der Informationsgehalt
gegenüber der Partei ab. Doch alles in allem sind die Webseiten der Partei und des Spitzenkandidaten
gut aufeinander abgestimmt. Das dokumentiert vor allem das einheitliche moderne Design.
cdu.org und
erwin-teufel.de wirken wie aus einem Guss
und besitzen daher einen hohen Wiedererkennungswert.

Unterstützung durch die Junge Union

Inzwischen mischt auch die Junge Union (JU) im Wahlkampf mit. In schnörkellosem Design informieren die
Nachwuchspolitiker jugendliche Surfer unter der nüchternen Adresse
wahl-bw.de über die Landtagskandidaten der Jungen
Union und ihre Themen, die kurz skizziert werden: Abi nach 12 Jahren, Laptops für alle Schüler ab
der 9. Klasse oder keine Neuverschuldung in Baden-Württemberg ab 2005. Einige Rubriken sind allerdings
noch Baustellen und nicht zu betreten – in den nächsten Wochen sollen die Seiten fertig gestellt werden.

Dafür läuft die Sympathiekampagne der JU für Erwin Teufel auf vollen Touren. Unter dem Motto
Lächeln für Erwin wirbt die Junge Union für die
Politik der Regierung, insbesondere für Ministerpräsident Erwin Teufel. "Ute Vogt macht den Eindruck,
als ob allein sie die Jugend repräsentiert", sagt Landessprecher Dieter Mesmer. "Es stimmt schon, sie
ist relativ jung. Aber die Politik für Jugendliche wird eigentlich von einem Älteren gemacht, von
Erwin Teufel."

Die Smile-Kampagne ist mit einem Wettbewerb verbunden: Mitte März wird die Junge Union unter
powerlaecheln.de "die 50 besten Power-Smiles"
prämieren lassen. Alle zugesendeten Mund-Bilder werden veröffentlicht. Jeder Surfer kann sich an
der Abstimmung beteiligen. Erwin Teufel will sich drei Münder aussuchen, um sie zum Essen einzuladen.
Ob das Quartett bei einer Wahlschlappe nur die Würstchenbude ansteuert, ist nicht überliefert.

Kommentar verfassen