Der sächselnde Web-Wahlkampf

Stanislaw Tillich (CDU) plaudert per Video, Thomas Jurk (SPD) twittert und Holger Zastrow (FDP) lächelt auf Flickr: Das Web 2.0 ist ein fester Bestandteil des modernen Wahlkampfs geworden. Eine Analyse der Online-Auftritte zur sächsischen Landtagswahl enthüllt trotzdem nur wenig Überraschendes.

 

In Sachsen sind Anfang Juli die Landeslisten von 16 Parteien zur Landtagswahl am 30. August zugelassen worden. Der Wahlkampf im Netz demonstriert aber schon länger ein weites Spektrum virtuellen social networkings: Es reicht von der klassischen monologen Informationsseite mit E-Mailkontakt bis zu abgerundeten Web 2.0-Portalen mit Videos, Fotos und Podcasts sowie Einträgen der Kandidaten bei Twitter, Youtube, Facebook, Myspace, Studivz und Flickr.

Videobotschaften sind in

Der Trend zu audio-visuellem Content und twitternden Kandidaten oder Wahlkampfteams hat sich mittlerweile zu einem Standard entwickelt. Einige Parteien haben sich eigene Kanäle auf Youtube eingerichtet (z.B. SPD-Sachsen Channel, FDP TV, GrueneSachsen). Die Wahlkampfportale mit Verlinkungen zu Flickr und Facebook werden gern genutzt, um mit Bildergalerien von sonnengefluteten Partei-Events politischen Erfolg und Bürgernähe zu dokumentieren. Im Superwahljahr 2009 deutet sich zudem die Tendenz an, die Wahlkampagnen der Landesverbände in die Online-Auftritte zur Bundestagswahl zu integrieren oder diese zu verlinken.

Wie haben nun die Parteien ihre Webseiten in Bezug auf den Wahlkampf in Sachsen im Einzelnen gestaltet? Bei den größeren bzw. im aktuellen Landtag vertretenen Parteien verwenden die BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD,CDU sowie FDP mindestens drei der populären Portale Youtube, Flickr, Twitter, StudiVZ, Facebook. Melanie Giebel, Pressereferentin des SPD-Landesverbandes Sachsen, erklärt dabei die Strategie des Online-Auftritts der SPD so: „Ziel ist es, möglichst breit über die politischen Inhalte zu informieren und diese durch zum Beispiel Videoformate leichter konsumierbar zu machen.“

Originell und kreativ muss es sein

In erster Linie sollen den Bürgern durch die Online-Auftritte Informationen über die parteipolitischen Ziele vermittelt werden. Kai Mindel von der Pressestelle der CDU Sachsen betont aber auch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten der Tools: „Mit Twitter und durch Kommentare zu unseren Videos können wir Feedback von den Bürgern erhalten und so in einen konstruktiven Dialog treten.“ Die Parteien wollen auf diese Weise auch jüngere Wähler ansprechen, die sie mit konventionellen Werbemitteln nicht unbedingt erreicht würden. „Natürlich haben wir die Hoffnung, über das Internet die jungen Menschen verstärkt zu erreichen; ob dieser Effekt eintritt, müssen wir uns noch anschauen.“, gibt sich Kai Mindel realistisch.

Während sich Youtube-Videos, Twitter-Nachrichten und Flickr-Bildergalerien als Standards etablieren, brauchen die Parteien zunehmend innovative Ideen und neue Konzepte in der Ausgestaltung ihrer multimedialen Online-Auftritte. Auf der Straße wie im Internet gilt: Gesehen und gehört zu werden hat Priorität! Ob das nun die Inhalte oder bloß die Kandidaten selbst sind: Beides lässt sich nur durch Originalität und Kreativität gut an den Mann bringen.

Nette Unterhaltung: Sachsen Games und Comic Clip mit Jurk

Können die Parteien mit solchem Einfallsreichtum in ihren Online-Wahlkampagnen aufwarten? Einige ja, andere weniger, viele gar nicht. In ihren Formaten innovativ sind zum Beispiel die Online-Games der Sächsischen Union – unter der Rubrik Unterhaltung. Beim „Sachsen Memory“ und „Sachsen Puzzle“ können sich die Spielefreunde ganz unpolitisch austoben während im Spiel „Wer kann helfen“ Münteferings Lieblingshelm auserkoren wird. Auf der „Wahlstraße“ der CDU kann man virtuell durch die politischen Ziele schlendern. Außerdem bietet sich das Unterstützerteam um den CDU-Spitzenkandidaten Stanislaw Tillich zum Chat über den Instant Messenger ICQ an.

Die SPD zeigt auf Youtube in einem Comic Clip, was Spitzenkandidat Thomas Jurk schon geleistet hat und noch zukünftig will: „Anpacken für Sachsen“ nämlich. An sich nicht außergewöhnlich, aber auch nicht die übliche Form der Darstellung.

Die Sozialdemokraten versprechen sich daneben von einem geplanten Relaunch ihrer Seite pünktlich zum Wahlkampfauftakt Anfang August noch mehr Bürgernähe und Kontaktmöglichkeiten. Mit Blogs zu den Wahlveranstaltungen und einem Blog von Thomas Jurk kombiniert mit neuartigen „Zielgruppeneingängen“ beim Betreten der Website sollen die interessierten, potentielle Wähler und Parteimitglieder generationsgerecht an die politischen Ziele der sächsischen SPD herangeführt werden. Die User dürfen gespannt sein.

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