Daten aller Länder, vereinigt euch! – Digitale Presseschau KW31

Im Fußball ist die deutsche Mannschaft Weltmeister geworden. Bis hierzulande auch die Internetverbindungen weltmeisterlich werden, kann man aber wohl noch eine Weile warten, wie unser Video der Woche zeigt. Außerdem in der Presseschau zu lesen: Wie die Digitalisierung den Kapitalismus besiegt, warum mathematische Vorurteile immer noch Vorurteile sind, und wie Zeitreisen mit Google funktionieren. Und, damit das klar ist, „Online sein“ ist ohnehin out. Schon seit 1998.

Video der Woche

Aus gegebenem Anlass: Unser Video der Woche zeigt eindrücklich, wie sehr Deutschland beim Thema Breitband hinterhersurft. In der Eifel wird beim Mailversand nebenher Mittag gekocht und in Berlin-Mitte ist DSL nicht überall verfügbar. Da darf das ZDF-Magazin Frontal 21 schon mal nachfragen, ob die Bundesregierung wirklich glaubt, das würde schon alles irgendwie „marktgetrieben“ funktionieren. Denn die Telekom, seit einiger Zeit ja Mitglied in diesem Markt, sagt dazu nur: „Eine Versorgungsverpflichtung haben wir nicht!“.

Marx Digital

Was hat die digitale Revolution mit der Energiewende zu tun? Eine ganze Menge! Forscher der Stanford-Universität haben ausgerechnet, dass mit dem auf der Welt zur Verfügung stehenden Wind der weltweite Energiebedarf gleich siebenmal gedeckt werden könnte, wie die grüne Wirtschaftswoche berichtet. Voraussetzung: Die Energie muss intelligent verteilt werden – Stichwort Internet der Dinge. Diese Ausgangslage treibt den Ökonomen Jeremy Rifkin so weit, nicht nur das Ende der Energiewirtschaft, sondern gleich das des Kapitalismus zu prophezeien. Mit der Stillung der menschlichen Grundbedürfnisse lasse sich bald kein Geld mehr machen. Man sollte ihm zuhören: In seinem 2001 erschienen Buch „Access“ prognostizierte er die Sharing-Ökonomie  – und wurde belächelt.

green.wiwo.de

Der ganz große Minority Report

Der Begriff „Predictive Policing“ ist eng mit der Verbrechensbekämpfung in den USA verbunden. Der Traum eines jeden Polizisten: dank Big Data schon vor dem Täter am Tatort sein. Doch die Zahlen, nach denen solche Programme funktionieren, sind mitnichten neutral, erklärt Anna Biselli auf netzpolitik.org. Wenn Vorurteile zu Algorithmen verhackstückt werden, wird auch das Programm „ausrechnen“, dass dunkelhäutige Migranten mit Rastalocken öfter kontrolliert werden müssen. Während der weiße Herr im Anzug daneben mit ein paar Kilo Koks über die Grenze spaziert.

netzpolitik.org

Nach der Pause: Programmieren!

Jetzt sind auch noch Java und Objective-C Weltsprachen! Und weil die Schule schließlich auf die Welt vorbreitet, muss man die dort lernen. Anne Schüssler plädiert dafür in ihrem Gastbeitrag auf Süddeutsche.de. So weit, so richtig. Bleibt nur die Frage, wie dann noch Chinesisch und Maschinenbau in den Stundenplan passen, das brauchen wir ja auch. Und das Ganze in G8-Rekordzeit! Dumm nur, dass nach den anschließenden drei Jahren Regelbachelor das gute alte Schulzeit-Programmieren schon kein Mensch mehr kennt. Doch die Autorin kann uns beruhigen: „Wenn man es erst mal begriffen hat, ist es halb so schwer.“

sueddeutsche.de

…Und Big Data sprach: “Selber schuld!”

Big Data hat realen Nutzen. Je mehr Lebensbereiche vermessen und analysiert sind, desto mehr liegt es in der Verantwortung jedes Einzelnen, diese Informationen für sich zu nutzen. Schaurigschön fatalistisch erklärt Evgeny Morozov in der FAZ, warum es dann auch die Schuld der Armen ist, wenn sie arm bleiben: Hätten sie mal auf die guten Tipps ihres Smartphones gehört! Das ist die Überwachungsdividende: Missstände werden optimiert, aber keine Probleme behoben.

faz.net

Digitale Zeitreise

Das Internet ist dynamisch, innovativ, immer in Bewegung. Bei seiner ganzen Unbeständigkeit ist es aber auch eines: ein riesiges Archiv. Und wie jedes große Archiv (und das Internet ist ohne Zweifel das größte) ist es ohne Index wertlos. Suchmaschinen wie Google stehen dafür zur Verfügung, sie ermöglichen ganze Zeitreisen. Doch ihre Funktion wird bedroht durch das „Recht auf Vergessen“. Denn was passiert in der Bücherei, wenn das Buch zwar noch da ist, aber keiner weiß mehr, wo?, fragt Jürgen Geuter auf seinem Blog.

connected.tante.cc

Und übrigens: Wisst Ihr noch, damals, als “Online Gehen” wieder total out war? Dieser Ausschnitt aus der Bravo von 1998 hat uns die Woche versüßt!

Foto: Screenshot

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