“Das Internet hat das Potenzial, mehr Bürgernähe zu schaffen”

Dr. Fritz Goergen, Wahlkampfleiter von Jürgen W. Möllemann für den Landtagswahlkampf 2000, äußert sich
im Gespräch mit politik-digital über den Webwahlkampf seiner Partei.


politik-digital: Welchen Schwerpunkt setzen Sie innerhalb der Website? Steht
die Vorstellung des Kandidaten im Vordergrund, oder spielt auch die Interaktivität eine große Rolle?


Fritz Goergen: Je inter-aktiver – desto mehr steht unser Spitzenkandidat Jürgen W. Möllemann mit
unseren politischen Aussagen im Vordergrund. Darum bemühen wir uns.


politik-digital: Inwiefern unterscheidet sich die Wahlkampfwebsite der F.D.P.
in NRW von den Webangeboten der anderen Parteien? Was ist neu?

Fritz Georgen


Fritz Goergen: Die Websites von CDU, SPD und den Grünen sind "perfekt" – wie deren Zustand.
Rot und Grün schlummern in bleiernen Textwüsten und Jürgen ‘Kinder statt Inder’ Rüttgers will mit der Farbwahl
seiner Homepage offenbar viele Nordrhein-Westfalen erblinden lassen.
Unverblümt: Diese Homepages sind so
spannend wie das Telefonbuch von Reykjavik.www.nrwbrauchttempo.de
ist professionelles Infotainment: Politische Positionen interaktiv unterhaltsam kommunizieren. Damit wir nicht
"boaring" sind, wie US-Kids sagen würden.


politik-digital: Planen Sie Chats mit den Kandidaten?


Fritz Goergen: Chats sind geplant und haben auch schon stattgefunden, allerdings nicht auf der
Homepage www.nrwbrauchttempo.de, sondern auf den Internet-Seiten verschiedener Medien – dort wo sowieso
viel User sind. So hat Jürgen Möllemann zum Beispiel Anfang März bei Spiegel-Online gechattet. Am 10. April
wird es einen Chat bei Focus-Online geben, weitere verraten wir ein anderes Mal.


politik-digital: moellemann.de ist schon vergeben. Haben Sie sich nicht
rechtzeitig vor dem Domain-Grabbing geschützt?


Fritz Goergen: Die gehört einem anderen Möllemann. www.juergenwmoellemann.de bringen wir später
ins Spiel.


politik-digital: Wie ist das Feedback auf ihre Seiten. Sind Sie mit der
Resonanz in dem Forum zufrieden?


Fritz Goergen: Mehr als zufrieden. Die Besucherzahlen sind sehr ordentlich, die Rückläufe auf die 8
Prozent-Wette übertreffen unsere kühnsten Erwartungen und außerdem freut uns besonders, dass die im Rahmen
der 8-Prozent-Wette abgegebenen Tipps, wie viel Stimmen die FDP am 14. Mai holen wird, stetig steigen.


politik-digital: Denken Sie, dass durch das Internet mehr Bürgernähe oder auch
mehr Demokratie geschaffen werden kann? Und wenn ja, wie drückt sich dies denn genau in ihrem Angebot aus?


Fritz Goergen: : Das Internet wird viel mehr Bürgernähe schaffen. Die Wähler und die Gewählten können
schnell und einfach mit den Politikern und Parteien in Verbindung treten. Außerdem revolutioniert das Prinzip
Internet Information, Kommunikation und Wissen. Interessengruppen können sich leicht und billig finden,
verständigen und Allianzen schmieden. Der Koordinationsaufwand sinkt. Das Netz wird Politik radikal verändern.
Dem Motto von E-Commerce: alle Macht den Kunden folgt das Motto von Politik morgen: alle Macht den Bürgern.
Eine umfassend informiertes Volk ist ein kritisches Volk. Je transparenter die Welt wird, desto weniger kann man
Verfehlungen unter den Teppich zu kehren oder Meinungen manipulieren. Das Internet wird Demokratie
wirkungsvoll beleben und stärken. In unserem Auftritt greifen wir diesen Trend in den Foren und im direkten Draht
auf. Gerne würden wir weiter gehen. Aber noch setzt die Zahl der User und der niedrige elektronische
Organisationsgrad unserer Gesellschaft Grenzen. Sicher nicht mehr lang.


politik-digital: Geht es ihnen darum, das Internet allgemein als
Wahlkampfplattform oder auch als Bürgerplattform zu nutzen?


Fritz Goergen: Beides. Aber in einem Wahlkampf überwiegt das erste. Nach der Wahl geht es dann um
den Aufbau einer permanenten Bürger-Plattform.


politik-digital: Welche Zielgruppe wollen Sie mit www.nrwbrauchttempo.de
ansprechen?

Fritz Goergen: Alle. Natürlich wissen wir, dass im Netz die Jüngeren überrepräsentiert sind. Und die,
welche sich von den Massenmedien ihre Meinung nicht vorschreiben lassen.

politik-digital: Vielen Dank für das Gespräch.


Das Interview mit Fritz Goergen führte Anne-Katrin Fischer.

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